Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 76-77 (2.10.1887)
- Date
- 1887-10-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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13»2 Charakter, der in so offener Weise die Fahne entrollte. Tr. D., ein junger Rabbiner von noch nicht 30 Jahren, wurde in einer nenerdanten Synagoge in der oberen Stadt als Seelsorger gewählt. Obwohl man in der Synagoge keine Orgel hat und sich auch sonst für orthodox ausgibr, glaubte die Verwaltung in Anbetracht eines besseren Geschäftes, doch gemischte Sitze für Tamen und Herren cinführen zu sollen. Man halte Tr. T. in Aussicht gestellt, daß die? abgcschafft würde und T. nahm die Stelle an. Nachdem derselbe 3 Tage im Amt war, hielt man eine Versammlung und beschloß von der bisherigen Eimhcilung der Sitze mcht abzugchen. D. erklärte unter solchen Verhältnincn auf seine Stelle zu verzichten; um jedoch den Leuten zu zeigen. wo Aufopferung für eine lleberzcugung zu nutzen sek, .erklärte er sich bereit, wenn die Neuerung abgefchaffr würde, auf sein Gehalt für I Fahr lca. «000 Mark) zu verzichten. Auch das blieb unbeachtet und so erklärte Tr. Drachmann seinen Rücktritt. Es bleibt nun abzuwartcn. was die Gemeinde beginnt, wie sic über das Tilcmna Orthodoxie und gemischte Sitze hinwcgkou'.men will. Wer in der Angelegenheit sich blamirte. wo mannhaftes Auftreten und Prinzipicntrcue zu finden sind, das bedarf wohl keiner Erwähnung. Herr Tr. Trachmann ist eine Stütze des konservativen Fndcmhums; gebe Gort, daß sich um seine und Tr. Mcndes Fahne recht viele solcher Männer schaarcn; dann ist die Zeit nicht ferne, wo endlich dem jüd. Papste in Eiucinarri eine Gegnerschaft entsteht, die ihm und den Leuten seines Gelichters den Boden entzieht. — Während so dem orthodoxen Fudemhum namhafte Vertreter entstehen, wird auch für die Veredlung des Gottesdienstes gesorgt. Seit einigen Fahren cutstehcn auf allen Seiten neue Gotteshäuser und letzten Sonntag lvurde wiederum eines eröffnet, das als Liroue für alle orthodoxen Betplätze gelten kann. Tie Gemciude „Kebal Adaß Feschurun". eine der ältesten liicsigcn Gemeinden hat eine Srmagoge - errichtet, die wohl von wenigen Tempeln übcrrroffen wird. Aus einer kleinen Gemeinde hat sich dieselbe zu einer achtunggebietenden cmporgeschwuugcu und ist cs derselben unter energischer Leitung gelungen, eine Synagoge zu errichten, die an Pracht und Schönheit auch in Europa nicht viele dergleichen haben wird. Ter Bau kostet nahe an OO.uOO Dollars und die Opscrfrendigkcil der Mitglieder hat für die herrlichste Ausstattung gesorgt. Ein r-np.". p.v, der nahe an üoui) TollarS kostet, wurde von einem Mitglicde gespendet und auch alle andern besser Situirtcu haben ihr Möglichstes zur Verherrlichung beigctragcn. Tie Synagoge ist natürlich nach ganz alt-jüdischem RiruS, polnischen Minhag, und wird hoffentlich alle guten Wünsche, die bei der Einweihung ausgesprochen wurden, in ihrer Mitte verwirklicht sehen. Tie Einweihung vollzog sich in Anwesenheit von tausend Personen; Hunderte mußten Mangels an Raum fortgehcn. Wenn ich mich im Nachstehenden etwas eingehender mit den bei der Feier gehaltenen Reden beschäftige, so geschieht es, weil so selten derartige wahre und treffliche Worte hier zu hören sind. Ter Präsident der Gemeinde sowohl wie die Rabbiner haben den Leuten Wahrheiten gesagt, von denen nur zu wünschen ist, daß sie auf fruchtbaren Boden gefallen sein möchten. Tic Eröffnungsfeier begann mit der Einsetzung der Sifrc Thora in den rnp px und dem Absingen einiger Psalmen, worauf der Präsident der Gemeinde, Herr S. Farmulowsky die Bcgrüßuugsworte au die Versammlung richtete. Er betonte, daß man hier ein Werk geschaffen, das nicht nur äußere Pracht zeigen, sondern auch im Innern den Zwecken unsrer heiligen Religion entsprechen soll. Es sei geschancn worden Gott zur Ehre, der Gemeinde zur Freude und den Glaubcnsgcnsffcn zur Nachahmung. Er cinrre auS der ’-ro die cTrzr» r*r: von welcher sich ja so gut ein Vergleich mit der Feier ziehen läßr. „Um die 2-022 darzubriugcu zog man von weit und breit hin gegen Jerusalem; auch wir sind Pilger, hergezogcn aus fernen Ländern und bringen hier die C-F22 dar. Ties Gotteshaus ist das erste wirklich orrbodorc hier, das vom Fundamente aus für diesen Zweck gebaut wurde, die anderen wurden meist aus Kirchen n. s. w. zu dem Zwecke cingeriÄrer. Mit dem Eintritt in dasselbe sollen wir bestrebt sein den Zwecken, denen cs dient, gerecht zu werden. Verschwunden sind die alten Zeiten, neues Leben blüht wieder. Allem, was ist ein schöner Körper ohne Seele s Ter Bau ist da: die Seele muß hereiugelragen werden, durch die Worte Gottes, die wir hier lernen. Männer sollen kommen .zu lernen, Frauen zu hören und Jünglinge belehrt zu werden. Man solle Gott preisen, daß man das Glück habe, eine Stätte zu haben, wo man fern von des Tages Treiben seinem Schöpfer dienen kann. Nach der üblichen BegrüßungSsormel betraten die onhoSoren Rabbiner Tr. H. P. Mendcs. Tr. Trachmann und Tr. Ncumark, daS Podium, um in rrcft'lichcn Worten den Versammelten die Pflichten, die ihrer noch harren und die mit dem Bau des Gotteshauses allein noch lange nicht erfüllt sind, ans Herz zu legen. Herr Tr. MendeS eiferte gegen die Störungen im Gottesi "‘M