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Der Israelit · 1887-10-02 · Heft 76-77 (2.10.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 76-77 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1384 ist mein Fels. Zu Ihm müssen wir beten, daß Er uns schütze, daß Er uns Straft verleihe, allen Lockungen der Sünde zu widerstehen, alle Versuchungen zu überwinden. Daran mahnen unS die Bachweiden, die da dem Munde gleichen; daran mahnt uns die Bergmaus, die im Felsen Schutz sucht. Das Ethrog gleicht dem Herzen. DcS Menschen Herz erkennt keinen Gebieter an. Me, nach den Beobachtungen des weisen Königs, die Heuschreckenfchaaren keinen König haben, so folgt das Menschenherz den eigenen Eingebungen, die es bald mit Liebe, bald mit Abneigung erfüllen. Und dennoch hat der Allweise befohlen, dieses eigensinnige Herz zu bezwingen und eS ganz und gar dem Dienste de» Höchsten zu weihen. »Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen." Wir sollen nicht allein die bösen Neigungen dcS HerzenS bekämpfen, wir sollen sie auch zwingen, den guten Neigungen zu dienen und ihnen dienstbar zu werden. Zwei Triebe wohne» im Herzen, sw tsi -'Er. *ar, der Trieb zum Guten und der Trieb zum Bösen. Wir haben die Neigung und den Wunsch, zu lhun, was gut und recht, was schön und edel ist: eS wohnt aber auch im Herzen der Trieb, zu genießen, selbst in unerlaubter Weise, fremdes Gut sich anzueignen, aus Kosten der Tugend uud der Gottesfurcht nach Ruhm und Ehre, nach Macht und Ansehen zu streben. Wir sollen nnn nicht allein den Trieb zum. Güten zur Anwendung bringen und den Trieb zum Bösen unterdrücken, wir sollen diesen letzteren vielmehr derart gestalten, daß er nur der Tugend und Gottesfurcht diene. Wenn Ruhmsucht uttler Herz beherrscht, so sollen wir darin unser« Ruhm suchen, stets besser, weiser und vollkommener zu werden; unsre Neigungen sollen wir derart gestalten, daß wir in der Dollbringung . des Guten den höchsten Genuß finden. Wie die Heuschrecken in großen Schaarcn einmüthig auSziehen, wiewohl sie keinem Könige gehorchen» so sollen wir alle Triebe unsres Herzens eine» zn dem einen Ziele, Gott zu lieben mit unsrem g a nzen Herzen, mit dem Triebe zum Guten nicht allein, sondern auch mit den Trieben, die sich ursprünglich dem Bösen zuwenden. Das Lnlab gleicht dem Rückgrat, das die eigentliche Körprrkrast repräsentier. — Bon allen Völkern, die in der Geschichte der Menschheit einen hervorragenden Platz einneümen, unterscheidet sich Israel ganz wesentlich. Tie Geschichte berichtet unS die Anfänge der großen Nationen. Allmählich entwickeln sich die Kräfte, bis kühne Anführer die Nachbarvölker unterjochen, und so wird nach und nach die Welt bezwungen. Anders war der Ursprung und die Entwickelung des israelitischen Volkes. Seine Stammväter waren heilige Männer, feine Könige und Helden verlangten keinen andem Ruhm als den, wahrhafte Diener Gottes zu fein, rw» DT3 r.~EE rin c:nja h«. »Während sie mit dem scharfen Schwert in der Hand ihr Volk gegen dessen Feinde vertheidigten, ertönte der Ruhm Gottes aus ihrem Munde." Israel hat nie nach der Herrschaft über andere Völker gestrebt; nicht har es große Länder erobert, um deren Bewohner sich dienstbar zn machen. Dagegen hat es der Mensch« heit das Licht der Gotreserkennlniß gebracht, hat den Völkern der Erde ein Sittengesetz gegeben, auf dessen Grundlage die modernen Eulturstaaten gegründet sind. Nur Gutes und nie Böses hat Israel den übrigen Nationen erwiesen. Welcher Lohn wird ihm hierfür zu Theil? Es gibt ein Thier« cheo, das Niemandem Böses thut und doch gemieden und gehaßt wird wie kaum ein anderes; wer es sieht greift danach, um es zn Boden zu werfen» und dann zu zertreten. Es ist die Spinne. In den Wohnhäusern der Bürger und der Bauern findet sie daher nicht Raum; sie wird bald bemerkt, ergriffen und zertreten. Ja den großen Räumen des Königspalastes aber entgeht sie der Verfolgung. — Auch Israel thut Niemandem etwas zu Leide, und gleich der Spinne wird es gemieden, gehaßt uud verfolgt. Sicherheit findest du nur, mein Volk, im Palaste des .Königs aller Könige, deS Heiligen, gelobt sei Er. Er schützt dich vor der Verfolger Wuth, bis daß der Tag kommen wird, da du nicht mehr der Spinne gleichest, da deine Größe und Herrlichkeit anerkannt werden wird von allen Bewohnern der Erde. — Zeitungsnachrichten uud Corresponderrze»^ Deutschland. Mainz» 29. Septbr. Wir haben an anderer Stelle berichtet, daß in Bamberg der Vorstand der israelitischen Gemeinde beschlossen bat, den Gottesdienst zu rcformiren, wogegen 106 Gemeinde- Mitglieder (von 261) Protest beim Magistrat eingereicht haben. Tiefe Behörde hat jedoch den Protest adgewiesen. In Folge dessen hat nun der Vorstand in Verbindung mit dem stellvertretenden Rabbmea Tr. Werner aus Burgebrach am gestrigen Set* söhmnlgstag das Werk beginnen und vorläufig einige schwerwiegende, sogenannte Reformen einführeu können. Zunächst wurde das Kol Ridre

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