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Der Israelit · 1887-09-22 · Heft 73-74 (22.9.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 73-74 (22.9.1887)
Date
1887-09-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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13-48 wärmen und begeistern konnte von der jüdischen Wahrheit und der jüdisch reinen, hohen Gottesanschauung und der daraus sich für uns ergebenden höheren Lebensauffassung. Was man dagegen vorbringt, auch der vollste Brustton, mit dem man von seinerUcberZeugungspricht, zerfliesst, wenn tnan die Inconsequenzen alle betrachtet, die auf dem religiösen Gebiete heute verübt werden, die daS Gcgcuthcil ctttcr wahren Uebcrzeugung find. Ich will nur das Eine dieser sogen. Ucbcrzeugung entgcgenhaitcu. Wenn man doch von einer lieberzcngnug spricht, so ist doch das einfache Bcrlangcn berechtigt, dass man sich mit dem Gegenstände seiner Ucbcrzcugung befasst. Wer aber von all den Tausenden, die sich damit brüsten, beschäftigt sich mit philolophischenGedankenüberGottunS dicSchöpfung¥ Weil einige Männer der Wissenschaft diese ihre Ucbcrzcugung ausgesprochen und in Schriften der Welt vorfübrcn, spricht man ihnen nach. Und das sollte Ucbcrzeugung sein ¥ Ansichten und Neigungen, die momentanen Einflüssen zuzuschreiben sind, können doch nicht als fcststchendc Ucbcrzcuguug gelten ¥ Ucbrigcns kann cs ja eine zeitweilige Uebcrzeugung geben, mau kan» ja glauben, die rechte Ucberzeugung zu haben. Doch, wo cs sich um die erste Wahrheit handelt, muss die rechte Ansicht unerschütterlich sein. Das aber findet sich als charakteristisches Merkmal bei der religiösen Anschauung unseres Volkes. Immer wieder kehrte cs z» der einmal erkannten Wahrheit zurück. Selbst in Zeiten eines Möniß Achab, wo ganz Israel dem Baal diente, brach sich durch daS muthige Einstchcn des Propheten Elijahu für den jüdischen Gottcsglauben die alte Erkenntniss wieder Bahn und begeistert rief Las Volk 2^.-. "n „Der Ewige, Er ist Gott!" Und so war cs immer noch, zu allen Zeiten, dass unser Volk zum alten Glauben znrückkchrte. Tenn ryn „Tu hast erkannt und wirst und sollst erkennen", dass der Ewige allein Gott ist. Bei unserem Volke war. trotz seiner vielfachen Verirrungen, trotz seines Götzendienstes zu vielen Zeiten, doch immer die begere Ueberzeugung, die es bewahrte vor völliger Entartung und völligem Abfall. Tenn zn der Erkenntnis; Gottes kam die Erfahrung, welche die Wahrheit dieser Erkcnntniss bestätigte, '.sxn ba denn der Gott, den wir erkannt, hatte sich bewährt als wahrhaftig und ttc». Das war der praktische Beweis für die theoretische Erkenntniss. Dadurch ward letztere unumstösslich wahr. Bewährt und treu war nicht nm unser Gott, bewährt hat sich auch Sein Gesetz an uns, da cs uns nicht sinken liest. Wir nur haben uns nicht immer bewährt, haben f uns verleiten lassen, anderen, angeblichen Wahrheiten? zu huldigen. | Klar und deutlich liegt das Buch unserer Ke. * schichte vor uns da und vor den Augen der ganzen - Welt. Und ganz nach dem, waS uns Gottes Gel setz verkündet, wovor eS warnt und droht, so hat : sich'« erfüllt, so hat sich's bewährt. Unsere Ke- | schichte seyt sich nickt aus Zufällen zusammen, und s auch nicht die einzelne» Ereignisse sind als blosse s Zufälle zu bezeichnen; ebensowenig wie die neuesten j j ckgenthümlichcn (^Nahrungen, die wir zu verzeichnen f f haben» blosse Zufälle, sondern alS Eonsequenzcn l unseres Verhaltens dem göttlichen Worte gegenüber \ I zu betrachten sind.?! Ferner hat sich in unserer tausendjährigen Ke- I-j schichte Gott als ~rm mn "rar, als Wächter l; und Hüter des Bundes und der Huld und Liede | j bewährt nicht nur der uns feindlich gesinnten Welt f! gegenüber, sondern auch gegen uns selbst. Geschützt \ | und gehütet bat Gott diesen Bund zu Zeiten, wo | j die wenigen Treuen nicht mehr im Stande waren. L_, dem Abfall Einhalt zn gebiete». Schien cs ja in f «nimm Jahrhundert, als wollte sich unser ganzes Volk losfagen von seinem GottcSgcsctze, alS wollte cs auSlrcten aus dem Bunde, den Gott mit uns arn Sinai geschlossen. Verzweifelt fast musste» die wenigen Gesetzesttenen zuschelt, wie ihr Wort, ihre Ermahnung umsonst verhüllten, verlacht und^ verspottet wurde.'», ähnlich wie einst vor dcrAussösung unseres Gleiches, vor dem Brande unseres HeiligthunlS und vor unserer Zerstreuung alle guten Reden, alle Mahn- und Strasworte unserer gottbcgcistcrtcn Propheten vom Volke nicht mehr beachtet wurden und die schreckliche Katastrophe nicht auszuhaltcn vermochten, .die dann über das verblendete k Volk hercinbrach. Aber Gott crwicS sich auch jetzt § > wieder als „Wächter und Hüter des Bundes und I der Huld" in Nücksicht auf daS Verdienst unserer | Vorfahren. Gott hat cS zum Bessern gelenkt. Wie k wir heute uns überzeugen können, hat der Abfall k nicht grössere Dimensionen angenommen. Nur Wenige k sind es» die ans dem Irrdcmihnme auSkralcn, und r die grosse Masse unseres Volkes, die anfangs feindlich unserem Gesetze gcgcnüberstand. will heute trotz ihrer Gleichgiltigkeit nicht mehr als Feind dcS Zudemhums gelten und strebt, besonders in jüngster Zeit, nicht mehr danach, durch Verleugnen ihrer Abstammung und ihrer Religion sich beliebt za machen. Gott, der Wächter und Hüter Israels. daS sich znm Träger der Gortescrkenntniss hergab, hat ihm d i e Uebcrzeugung bcigcbracht, dass cs aut dem bisherigen Streben nichts erreicht hat, mchr

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