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Der Israelit · 1887-09-22 · Heft 73-74 (22.9.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 73-74 (22.9.1887)
Date
1887-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXYIIL Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 73 & 74 ües Israelit. Leitender Artikel. Zleöerzeugung. Don Dr. H. Sänger. Jedes sittlich ernsten Mannes Streben muß es sein, sich selbst gegenüber immer wahr und Har zu sein, dann nur ist er auch wahr in seinem ganzen Leben. Unser Jahrhundert, das sich so gerne das Zeitalter des cractcn Wissens und Forschen? nennt, wird gewiß diese Forderung als eine crstbercchrigte anerkennen und stellen, und unzweifelhaft wird auch das moderne Judeülhnm. da? ganz und gar sich mit den modernen Zcitsordcrungcn in vollen (Einklang zu stellen sucht, sich dieser Forderung nicht entziehen können. Es mag so ernstgemeint sein, wenn mau in jüdischen Streifen auf diese Zeitsorderung pocht, wenn man von seiner Erkcuutniß und Ueberzeugung spricht. Doch uns steht sicher auch das Neckt zu, uns davon die Ucdcrzcugung zu verschaffen, wir gehören doch gleichfalls diesem Jahrhnnderr an, sind doch wohl etwas von diesem Zcirgciste bciÄhrt, daß mir jene gegnerische Bchüuptnttg. wir wären um ein ganzes Jahrhundert gegen sie zurück, uichr als gar so ernst und wahr bir'Nrnchmru brauchen. Wenn wir uns doch überzeugen wollen, so beweisen wir ja gerade, daß jene Behauptung nicht ganz 'richtig ist, daß auch wir Ztinder unserer Zeit sind. Wir gehen sogar noch etwas weiter und sagen, daß wir der heutigen Zcitforderung schon seit Jahrtausenden gerecht zu werden suchen, daß Erkenntnis; und zwar der höchsten Wahrheit den Grundstein des Judcuthnms bildere, daß auf Erkenntnis; und Ueberzeugung das Leben, die Geschichte unseres Volkes beruht und sich daraus gestaltete. Ein Satz der'heiligen Lehre lautet also rvw -«3V. n~«2T. “CV je Ni“ ^N.“ ^J'prNT« n*„~ 't *3 vim.'ö »Tu sollst und wirst erkennen, da Tu schon einmal erkannt bau, daß der Ewige, Tein Gott, daß Er der Gon ist. der bcwöh.te. rrcuc Gott, der da bewahrt und behütet den Kund, die Huld und Gnade denen, die Ihn lieben, und wahren und hüten Seine Gebote bis in's tausendste Geschlecht." Tos. was unser Volk zum Gottcsvolkc stempelte, und uns heute noch im Munde der edelsten Männer der Wissenschaft den Ehrentitel: „DaS Volk der Religion" beilegt; was uns den Vorzug verschaffte, daß der Schöpfer des Himmels und der Erde uns gleichsam zu Seinen Bundesgenossen erkor und »ns für rvürdig erachtete, mitzuwirkcn an der Erziehung des Menschengeschlechtes, mitzuwirken, auf daß die Menschen ihre höhere Ausgabe erfassen und erfüllen: es war die reine Erkenntniß. die so früh unserem Volke geworden; cs war das Licht, das schon in den ersten Menschenperioden uns leuchtete; cs war die Wahrheit, die wir selbst erforscht und gefunden und danach unser ganzes Leben gestalteten. Unser Volk stellte sich das hohe Ziel: diese Erkenntnis;, dieses Licht, diese Wahrheit zu erhalten. An dieser Ausgabe hat auch unser Volk die Jahrtausende hindurch fcstgehaltcu, hat sich nicht durch seine Zerstreuung, nicht durch sein nationales Unglück und nicht durch sein persönliches Leid davon abbringcn lassen. Selbst beute noch, in unserer Zeit des materiellen Strebens, der großen Gleichgiltigkeit allen religiösen Fragen gegenüber, da das Verständnis; für die Religion fast geschwunden, mit Absicht uiedcrgchaltcn wird, auch heule hält unser Volk fest an der Wahrheit und au seiner Aufgabe, diese Wahrheit zu erhalten. Auch in Zeiten, wie sic unsere Geschichte leider des öfteren zu verzeichnen hat, da fast das ganze Volk andern Zielen nachjagre, andern, heidnischen Auffassungen huldigte, war cs niemals die wahre Ueberzeugung unseres Volkes, sondern verführt und verleitet, Rücksicht ans seine Stellung, die Hoffnung sich äußere Lonhcile dadurch zu verschaffen; das waren die Gründe seines Abfalles. Beweis hiefür ist die Tharsache, daß cs immer wieder zu seinem GottcSglaubcn zurückkchrte, Schutz und Zuflucht in seiner Religion suchte und fand. Ebenso gewiß ist cS. daß in unserer Zeit nicht die Uebcrzeuguug so Viele verleitete ihr Judentbum aufzugeben, ihr jüdische? Gesetz zu mißachten, ihr jüdisches Leben und ihre jüdischen Linea gering zu schätzen, weil diese? jüdische Gesetz, das jüdische Leben, die jüdischen Sitte» unvereinbar wären mir der obersten Wahrheit; sondern gcwipe Rücksichten aus eine zu erringende benerc äußere Lebensstellung, Hoffnungen und Wünsche, die sich daran knüpften, die materielle Lage zu verbessern, in Verbindung damit Unwissenheit und Glcrckgittigkeit: das Alles ist Schuld, daß mau sich uichr mehr durchdringen, er-

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