Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 73-74 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1344 2?ruber der bedauernswcrthen Zwillinge, welcher In ita Belle in Missouri wohnt, wurde von dem Lachverhalt in ftcmiiniß gesetzt und traf in Lnincn ein, um die nöthigcn Schritte vor (Bericht -zur ttmcrbringnng der beiden Geisteskranken zu thun.^ Ncw-Aork. Herr Tr. Drachmann, der Leiter de» hiesigen oUhodoxcn Rabbinerscnrinars, war von der Synagogengemcindc der 72. Sir. als Rabbiner erwählt Worden und hielt am bfat p."-« rer seine Antrittsrede. Tic Synagoge ist erst kürzlich in ihrem Ban vollendet und bestimmte Sitze waren den Besuchern noch nicht angewiesen worden: es kennte jeder nach Belieben wählen, und der Vorstand hatte es geduldet, datz Herren und Damen nebeneinander Platz nahmen. Herr Tr. Drachmann erklärte dies für unstatthaft und stellte in einem Meeting, das den definitiven Verkauf rcsp. das Vcrmiclhcn der Plätze vorbcrcitcn sollte, den Antrag, getrennte Sitze (.Herren nur in der untere» Halle, Damen a::f den Gallcrien) cinznführcn. Sein Antrag wurde von einer kleinen Majorität uicdergestimmt und für die definitive Venheilung von Faniilicusttzcn Termin aus Sonntag den 2$. August anbcranmt. Ta betrat Herr Tr. Trachmann am vorhergehenden Samstag die Kanzel, appcllirtc nochmals in warmen Worten an die versammelte Gemeinde, von ihrem Vorhaben abzustchcn und erklärte schlicstlich kur; und nnnmwnndcn, daß er ans seine Stelle^ verzichte, wenn die (Gemeinde auf ihrem Bcschlunc verharre, da Nun sein Gewissen verbiete unter solchen Umständen als Rabbiner weiter zu wirken. Tiefe Erklärung rief; in der Synagoge eine ungeheure Aufregung hervor, i die sich bald über die weiteren jüdischen .Kreise der Stadt verbreitete. Im gegnerischen Lager schrie man über Fanatismus. Herrschsucht, man dürfe stch nicht einschüchtcrn lassen, cs fei nur eine leere Drohung u. drgl. Wer aber Herrn Tr. Drachmann näher kennt, der weiß, daß cs nicht bloße Worte waren, die er gesprochen, daß nichts ihn in seinem Entschlüsse wankend machen kann. Am Sonntag Vormittag ließ er noch dem Vorstand mitthcilen. daß er bereit sei, ohne Gehalt, ohne irgend welche Vergütung seine Rabbinersunkrionen weiter zu versehen, wenn die Gemeinde die rcligionsividrige Einrichtung abschasse. Tie wahren Anhänger des Indcnthums jubeln und beglückwünschen stch, einen ihrer Lehrer und Leiter so mannhaft für die jüdischen Institutionen cintrcicn zu scheu. und jeder Vorunhcilslosc zollt dem Manne Achtung und Bcwundernng, der bereit ist, seiner Ilc&rr^citsjjng jedes Cufer zu bringen. Zur richtigen Würdigung der Sachlage fei noch bemerkt, daß Herr Dr. Drachmann als Leiter des Rabbinen'eminars ein sehr geringes Einkommen bezieht, und die eben erlangte Radbincrstcllc ihm die pekuniäre Unabhängigkeit sichern würde, llcbrigeus mehren sich schon die Anzeichen, daß die Gemeinde zu besserer Einsicht gelangen und nachgcben wird. Es würde ihr gewiß zum Heile gereichen, wenn sic cs dem charakterfesten Herrn Tr. Drachmann ermöglichte, weiter in feinem Amte zu wirken, und wenn sie in allen religiösen Angelegenheiten sich seiner Führung anvcrtrancn würde. A. Philadelphia. Der verstorbene Joseph Kinifc hat dem jüdischen Hospital 2üuo Dollar vermacht. Das Waisenhaus in Elcvcland wird vergrößert; der Neubau wird 200,000 Dollar kosten. Marokko. Marocco. Warum eigentlich der Sultan vor einigen Monaten das Verbot des Rauchens unter Androhung der Todesstrafe erlassen hatte, konnte man sich nicht recht erklären. Jetzt hört man, daß diese Maßregel aus Hast gegen die Juden ergriffen worden sei. Der größte Thcil dcsTabakShandcls liege in den Händen der Juden, und das Verbot des Rauchens bringe viele Inden um ihren bisherigen Erwerb. Rach einer andern Version soll diese Maßregel die Einwanderung der Europäer, die säst ausschließlich den Tabakshandcl in diesem Lande betreiben, verhindern, um das Reich vor der immer mehr eindringcndcn Eivilrsatkon zn verschließen. F c o i l_i e t 0 n. Die verschwundene Erbschaft. t?ii:e Erzählung von 9. Hause. VH. Tie verschwundenen Werthpapiere des Tr. Rüben bilderen noch oft und noch lange den Gesprächs- und llntcrhalttuigsgegcnftand nicht nur in der Stadt M., sondern im ganzen Umkreise derselben. Jahre waren schon hingefckwundea und hatten zur Zeit Vielbesprochenes und lebhaft Erörtertes mit hi'nadgczogcn in das Reich der Vcr« gcittnhcir: aber diese Angelegenheit blieb unvergcnen und wurde immer noch mit demselben Interesse besprochen, als wäre sie gestern erst vorgefallcn. Anfangs waren Viele der Ansicht, die Papiere werden sich doch in irgend einem Verstecke noch vornndcn, oder cs werde sich irgend ein Aus-