Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 73-74 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1343 am Ende de» Schuljahres auch ein Zcrrgnsß aus der Religion vorzulcge». Der auch als großer Hebraist und AltcrthumZsorfcher bekannte Notar unserer (Gemeinde, Herr Dr. Barzilal (•^rc), setzt unermüdlich seine Forschungen auf dem Gebiete der hebräischen Etymologie fort und hat er jetzt neuerdings einige vortreffliche Erk!ärungen zu bcsrudcrs schwierigen hebräischen Worten der Leffentlichkeit übergeben. Es ist dies gewiß sehr erfreulich zu scheu, wie in unserer Stadt, welche doch das größte See- und Handclscmporium Oesterreichs ist, der Sinn für unsere heilige Sprache, unsere heilige Thora und »nscrn heiligen Glauben noch immer ein lebhafter und reger ist. ps» narr p. Rußland. Bobrorsk (^in?^cr Gouvernement). Ein Thcil der diesjährigen russischen Hcrbstmanövcr fand bei Volkowitz, einem kleinen Orte unseres Gouvernements, statt. Tie Hebungen waren vorige Woche zu Ende und auch die hier liegenden Truppen traten vorigen Samstag ihren Heimmarsch an. Einige Werst von hier liegt Ladin, da? Landgut und der Sommcroufenthalt unseres Mitbürgers, des Hofbairkier Eh. B. R a d i n o w i tz. Als das Icroßlawcr Regiment in die Nähe des genannten lautes kam, ließen die Führer desselben Halt machen, die Truppen lagerten vor den Thoren des Gartens und fämmrliche Offiziere und Unteroffiziere, unter Enteren auch rin Stabsoffizier aus Petersburg, traten kn die Villa des Herrn Nabirrowitz, um ihrem Freunde einen Besuch abzustottcn. Während im Garten sich die Rcgimcntskappclle anfstellte, um lustige Weisen zu spielen, wurden in den Salons des Herrn 31. im Augenblick die Tische hergerichtet, an welchen die hohen Militairs Platz nahmen, um einem opulenten Gabelfrühstück znznsprechen. Unterdessen gab Herr Rabinowitz Ordre, daß auch der draußen lagernden Soldaten gedacht werde und wurden diese mit „Luckas" (weißer Semmel, ein Hochgenuß für die nur an Kommisbrod gewöhnten Soldaten), Branntewein «nö Bier traklirr. Zu letzterem Bchnsc bcnötbigte uian ein Quantum von 320 Liter Bronutewcin und 50 Liter Bier. Als Herr fllabinowitz sodann nach beendigter Mahlzeit mit dm ca. 40 Lsfizkeren vor die Thorc trat, stellten sich die Soldaten wieder aus, der Hauptmann Srarkcwirsch küßte und umarmte Herrn 3!. vor der Front und unter vreltausendstimmigem Hurrahrufm dankte man ihm für seine Gastfreundschaft. Als die letzten Ä länge der Musik verhallt und auch die VoMrrth« imh Munitionswagen abges^hr'N waren, sprach ich Herrn Rabinowitz gegenüber de» Wunsch ans. daß man auch iu Petersburg einmal das schöne Einvernehmen, das hier zwischen Jude» und Andersgläubigen herrscht, sehen möchte; eS wäre vielleicht manches anders. Amerika. Zu Quincy in Illinois, so schreibt die „R.A. Staatsztg.." ist der gewiß äußerst seltene Fall vor« gekommen, daß Zwillingsbrüdcr mit einander auf dieselbe Weise wahnsinnig wurden — nämlich die jetzt irn 28. Lebensjahre stehenden Israeliten Adra- Ham und Isaak Morris. Tic „Germania" iu Quincy schreibt über die ebenso merkwürdige als traurige Begebenheit: „Vor acht Jahren kamen die Zwillingsbrüder Abraham und Isaak Morris aus dem alten Vaterlande nach Amerika. In Quincy widmete sich der eine dem Geschäft des AusbcfferuS von Regen- und Sonnenschirmen, wärcnd der andere als Reisender für PelzundHätttehandlttngcu fungirte. Tic beiden waren fleißige Leute und führten einen ruhigen, unbescholtenen Lebenswandel. Früher von sehr gesprächiger und mittheilsamer Natur, wurden sic, wie Leute, welche öfter mir ihnen verkehrten, mit Befremden bemerkten, schon seit Monaten zurückhaltender in ihrem Benehmen. Leide schienen der Träumerei oder dem Grübeln über etwas verfallen zu sein, so daß sic oft stundenlang in Gedanken vertieft waren und kaum ihre Freunde oder Bekannten beachteten, wenn sie diesen begegneten. Seit einigen Tagen scheint dieser Tiessinn in wirtlichen Wahnsinn ansgeanct zu sein und es müssen ihm Grübeleien über religiöse Fragen zu Grunde liegen. So begaben sich die Beiden nach Bull'S Bank und fragten, ob dort noch irgend welche ehrliche und gerechte Menschen vorhanden seien. Als diese Frage beiaht wurde, sagte einer der Brüder: „3!un, wohlan, so gedenket des siebenten TagcS und hallet ihn heilig!" Auch in dem großen Schnittwaarcngeschäst von Isaac Lcsem u. Eo. fanden sich die Zwillinge ein und drohten, die scimmtlichen Mitglieder der Firma und alle Angestellten umbringcn zu wollen, wenn sic von jetzt ad nicht streng den Sabbat hielten. Endlich sprachen die Wahnwitzigen noch bei iUcfior Müller von St. Franziskirs-Zlollcge vor und thciktcn ihm mit, daß die neue katholische St. Franziskuskirche nmgcdrcht werden münc, mit der Front gegen Osten. An einem der letzten Tage erklärte einer der Brüder, indem er seine ötleider zerriß, er müne sieben Tage lang auf Salz und Asche sitzen, zur Buße für seine Sünden, alsdann werde er bereit sein, die Welt zu belehren, aber nicht zum Iudcmhume, sondern zu Gott. Ei«