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Der Israelit · 1887-09-22 · Heft 73-74 (22.9.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 73-74 (22.9.1887)
Date
1887-09-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1345 wärtiger melden, der sie im Besitze habe und dem bis jcet der Tod des Tr. Rüben noch unbekannt geblieben sei. Als aber Zahre vergingen, ohne Latz eine dieser Muthmatzungcn, Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung ging, schwand den Meisten der (Klaube an die LerwitÄichung derselben. ES war in der Tüat eine gehcimnrtzvolle Geschichte, und eben das Gehcimnißvolle derselben war es, was die Neugierde wach hielt und sie immer wieder anfwccktc, sobald sie einzuschlafeu schien. Unsere Weisen sagen: .Einen Tobten, den die Erde zudcckt, vergibt der Mensch und findet endlich Trost: aber einen Todtgeglaubten, der noch unter den Lebende» wandelt, vermag der Mensch nicht zu vergessen, und bleibt seinem Herzen der Trost versagt.* Wenn utan diesem Ausspruche auch in Betreff anderer schmerzlichen Verluste oder Scheirrverluste gleiche Geltung geben dürfte, so hätte darin für unser» Fall eine Kcruhiguug liegen müssen, da er auch nicht aus dem Gedächtnisse schwinden wollte, demnach also auch nnr einen Todtgeglanblen, das heißt nur einen Scheinverlust betreffen muffe. Es waren aber, wie gesagt, nur noch Wenige, welche dem Glauben an die Wiederkehr dieses Todtgeglanblen huldigten; nur eine Person war vorhanden, welche nicht nur glaubte, sondern sich fest überzeugt hielt, die Papiere müßten sich eines Tages wicdcrfinden, und diese war der uns bereits bekannte Synagogendiener Lcvi Mendel in M. Tiefe seine Ansicht verfocht derselbe bei jeder Gelegenheit mit einem solchen Ernste und einem solchen Eifer, daß es Manchen zur Belustigung diente, und in seiner Gegenwart diescrhalb oft absichtlich das Gespräch auf diesen Gegenstand gelenkt wurde. Da war denn daS drollige Männchen gleich ^ucr und Flamme und bekämpfte mit hastigem, polterndem Eifer und unter allen möglichen Gcberden und Handbewegungen jeden Widerspruch. So war zum Beispiel, als eines Tages mehrere Israeliten sich Nachmittags in der jüdischen Restauration in M. befanden und auch Mendel hincinkam, das Gespräch absichtlich wieder auf die verschwundenen Werrhpapicre gebracht und die Behauptung ausgestellt worden, daß dieselben nie wieder zum Vorscheine kommen werden, denn sonst würde dieses schon längst geschehen sein. .Was?* rief Mendel, von seinem Sipe aufspringend, .das Vermögen unseres Tr. Nubcn, seligen Andenkens! soll verloren sein? Das ist nicht! Das kann nicht sein! Das darf nicht fein! Nein, m murermehr kann und darf das sein! Tas konlnlt wieder zum Vorscheine und kommt in die Hände seiner Tochter! Vielleicht nicht heute 'und nicht morgen; aber eS kommt! Darauf getraue ich mich zu schwören. .Wenn Sic das so fest behaupten, Reb Mendel!* (so wurde Levi Mendel in M. allgemein genannt) sagte Einer der Anwesenden, .dann muß man fast glauben, Tr. Rüben hätte Ihnen die Papiere in Verwahrung gegeben. Warum geben Sie dieselben nicht heraus?* .Ich soll sie Herausgeber!?* rief Mendel erschrocken und hochroth vor Zorn. *34 Hab' sie doch nicht, wie kann ich sie da herausgcben? Der will mich auch in Ungelcgenheit bringen! Wenn Dr. Rnben mir die Papiere hätte in Verwahrung cp den wollen, hätte ich sie noch nicht einmal genommen. bei meinem Leben nicht! Warum? Ich will rubig schlafen und keine Unruhe haben um deS Geldes anderer Leute wegen!* .Sic müssen nrich recht verstehen, Reb Mendel!* antwortete fein Gcgenpart. .Ich habe nicht gesagt, daß Sie die Papiere haben und glaube daS auch nicht. Ich weiß, daß Sie ein ehrlicher Mann sind. Ich habe nur gesagt, oder meine Meinung war doch so. Sie behaupten so fest, daß die Papiere wikder zum Vorscheine kommen werden, als wenn Sie dieselben im Besitze hätten.* *Ich behaupte cs so fest!* rief Mendel wieder. .Warum soll ich cs nicht behaupten? War dcr Dr. Rüben nicht ein großerZadik? Und an feinem Gelbe hat kein. Lug nnd kein Trug geklebt. Solches. Geld, das'einem solchen Manne gehört hat, geht nicht verloren, kann nicht verloren gehen; das gibt Gott nicht zu!*- „Ich wüßte aber nicht, Reb Mendel! wie die Sache sich nunmehr noch sollte so ausklären können, daß die Tochter des Tr. Rüben noch zu ihrem Vermögen kommt. Wie denken Sie sich das? Wie kann und wie soll das zugehen?" „Wie kann ich das wissen? Unsere Weisen sagen: „Harde Schlnchirn lamokaum, das heißt: „Gott hat viele Voten." Ihm stehen javieleMittel zu Gebote! Tas kann auf vielerlei Weife geschehen. Gott kann eS der Tochter des Rabbiners im Traume offenbaren, wo das Geld ist." „Ah", hob ein Anderer an, „wenn Reb Mendel erst von Ehalaumaus *) anfängt, daun ist er aus seinem Lieblingsgebiete." „Nun, warum?" antwortete Mendel: ,Zst dergleichen noch nicht passirt? In der Gemoro«) wird viel davon erzählt." „Das war vor alten Zeiten", sagte sein erster 1) Träume. 2) Tatmud.

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