Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 73-74 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1340 setzgcbung überflüssig sein, und Niemand hätte das Recht. eine Gesetzesübertretung zu bestrafen oder die Tugend zu belohnen. Tann wären der Mörder, der Tied, der Meineidige, der Betrüger, der Tyrann de» edelsten und besten Männern gleich zu achten, da sie alle ja nur der zwingenden Nothwcndigkcir gehorchten. — Tag die Freiheit des menschlichen Willen« der göttlichen Allwissenheit zu widersprechen scheint, haben wir bereit« vielfach erörtert. Hier sei nur mit wenigen Woyten die Beantwortung dieser Frage nach der Ansicht dcS Nabbcnn Abraham den David angedeutet: Gerade so wie der Allmächtige in Bezug auf die Freiheit des menschlichen Willens Seiner Allmacht Schranken gesetzt, so hat Crr auch in gewisser Beziehung Seiner Allwissenheit Schranken gesetzt. Diese Gegensätze hat schon Rabbi Akiba in der Mischnah (-.es rorr .--ts rr~) einander gegcnübcrgestcllt, und wir werden, so Gon will, im nächsten Frühling (bei der Fortsetzung der Besprechung der Sprüche der Väter) Gelegenheit haben, sie ausführlich darzulcgen und zu erörtern. Unsre Sünden zu erkennen, zu bekennen, zu bereuen und zu Gott zurückzukchrcn, das ist das Wichtigste und Rolhmcndigslt, was wir zu thuu haben. „Nasch tritt der Tod den Menschen au,- und kein Mensch weist, wann die Stunde kömmt, in welcher er aus diesem Leben abberuscn wird. Wir^ sehen .flinder und Jünglinge, Männer und Greise' dahinstcrbcn. Sieche und flranke schleppen ihr- Srechrhnm und ihre Krankheit manchmal eine lange Reihe von Jahren mit sich herum, wahrend die anscheinend gesündesten und kräftigsten Menschen oft vlötzlich hinweggcrasst werden. Daher soll der Mensch zu jeder Zeit an den bevorstehenden Tod denken und sich für denselben vorbcreitcn. Es gibt jedoch keine bessere Vorbereitung dafür als das Erkennen, Bekennen und Bereuen unsrer Sünden und die Rückkehr zu Gott. Nicht nur die schweren Sünden, die wir durch Unrechte Thaten begangen, wie Unsinlichkeit, Raub und Diebstahl :c. sollen wir bereuen, sondern wir sollen unsre Eigenschaften und unsre Denkart untersuchen und was wir Böses finden, entfernen. Ta gibt eS Menschen, die sich leicht vom Zorne hinrcisten lassen und im Zorne viel Böses und Schlimmes thun. C, nimm dir vor, mein Bruder, bemühe dich, meine Schwester, künfrighiu jede zornige Aufwallung im flcime zu ersticken. Entschuldige dich nicht um deinem jähzornigen Temperament; cs ist in deine Hand gegeben, es zu beherrschen und den aufstcigendcn Zorn i zu unterdrücken, wenn du nur ernstlich willst. — Aehnlich verhält es sich mit dem Neide, der Ehrsucht, der Genußsucht, der menschenfeindliche» Gesinnung und ander» schlimmen Eigenschastea der menschlichen Seele; man darf diesen Neigungen nicht nachgcbcn, nmst sie vielmehr unterdrücken oder doch werrigstens beherrschen. Diese bösen Eigenschaften als sündhaft zu erkennen, darob Reue zu emvsiudcu und sic abzulegen, ist schwerer als thatsächlich begangene Sünden zu bereuen und ihre Wiederholung zu vernieiden. In Bezug daraus sagt der Prophet: „Es möge verlassen der Bösewicht seinen Weg und der Mann des Unrechts seine schlimmen Gedanken.* Niemals soll der Mensch meinen, daß seine Sünden zn groß und zu zahlreich sind, als daß ihm verziehen werden könnte. Tie Rückkehr zu Gott ist immer möglich, und cs gibt kein Verbrechen noch so grost, und keine böse Thaten, noch so oft wiederholt, die nicht durch Neue und Buße gesühnt werden könnten. Wer wahrhaft Buße thut aus Liebe zu Gott und weil er feine Sünden bereut und bcllagt, der wird von dem Allbarmhcrzigc« gnadcnvoll ausgenommen, seine Schuld wird ihm verziehen, und er steht vor Gottes Antlitz hoher als der. welcher niemals gesündigt hat; denn der rnckkehrende und reuige Sünder hat die Süßigkeit der Sünde gekostet und dennoch seine Leidenschaft überwunden. Tie Rückkehr ist cs, die unseren Leidere ein Ende machen wird, und Gott hat uns in Seiner heiligen Tbora die Versicherung gegeben, dast das gesaniimc Israel zu uuscreui Barer im Himmel zurückkchrcn und Er uns dann sofort erlösen wird, wie cs heißt (5. B. Ä., E. 4, L. 30): „Und dn wirst zurückkehren zu dem Ewigen, Deinem Gotte» und gehorchen Seiner Stimme.-- Und ferner heißt es (5. B. M.. E. 30, V, 3 und ferner): »Und cs wirb znrücksühren der Ewige dein Gort deine Gefangenen und wird sich dein erbarmen, und Er wird zurückkchrcn zu Dir und dich sammeln von allen Völkern, wohin der Ewige, dein Gott, dich zerstreut hat. Wenn deine Verstoßenen sein werden am Ende der Welt, von dorr wird dich sammeln der Ewige, dein Gort, und von dort wird er dich holen. Und cS wird dich bringen der Ewige, dn'n Gott, in das Land, welche« deine Väter besessen haben, und du wirst cS in Besitz nehmen, und Er wird dir Gutes erweisen und dich vermehren, mehr als deine Väter. (Schluß folgt.)