Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 72 (15.9.1887)
- Date
- 1887-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1320 That nicht geringfügig Vorkommen; ist es doch möglich, dag sein und der ganzen Menschheit Wohl oder Verderben davon abhängl. Und deßwcgcn ist cs in ganz Israel Gebrauch, in diesen Tagen des Gerichts, der Rückkehr und der Sühne ganz besonders ängstlich die Sünde zu meiden, dagegen des Guten so viel als möglich zu tlrnn, Almosen zn verideilen an würdige Arme, gefällig und liebevoll zu sein gegen die Mitmenschen, zu Helsen und zu stützen, wo und wann man nur kann, und überhaupt die größte Sorgfalt zu üben bei der Erfüllung der Gottcsgcbole. Auch in cs Gebrauch in Leu Tagen vor dem Reujahrsscste und während der zehn Bußtage, sich vor dem Anbruche des Tages von seinem Lager zu erheben, um in die Synagoge zu eilen und in heiffinnigem Flehen die Verzeihung unsres allgütigcn Vaters im Himmel zu erbitten. Alle Israeliten und auch die Frommen der andern Rationen haben Arnheil au der ewigen Seligkeit. Es gibt aber Israeliten, die diesen Änthcil verscherzen durch die Größe ihrer Schuld und ihrer Verbrechen: wer das Dasein itzones leugnet, wer die Wcltlcnknug Gottes leugnet, wer an mehrere Götter glaubt oder Götzen dient, wer die Offenbarung leugnet, fei cs die schriftliche oder die mündliche Lehre,' wer behauptet, das; irgend ein Goncs- - gebot nicht mehr zeitgemäß sei, wer Andere zur Sünde zwingt oder verführt, wer sich lossagt von der Gemeinschaft Israels, wer. nur feinen Abfall von Gort zu zeigen, ein Gottcsgcbot öffentlich Übertritt, alle diese und noch andere, die derartige schwere Verschuldung ans sich laden, haben keinen Anrhcil an der zukünftigen Welt, wenn sie ihre Sünden nicht bereuen und nickt zn Gott znrückkehren. Aber auch diese schweren Verbrecher,, wenn sie bereuen und büßen, sinderr Vcrzeihn::g beim allgütigen Vater, wie cs hciffr: „Friede, Friede, dem, der sich von Mir entfernt harte und der sich 'Mir tt'icder nähert," hat Gon gesprochen, „und Ich werde ihn heilen!" Es gibt viele Tinge, welche die Rückkehr zu Gon erschweren. Tic Gründe dafür liegen in der Größe und Schwere der Verschuldung oder in andern Ursachen, die wir später augedcn werden. Wer andere Menschen zur Sünde verleite! oder sie bindert. das t^ute zu rhun, der versündigt sich so schwer, das; cs ihm nicht leicht wird, zu Gott zurückzukchren: denn um diese Rückkehr zu bewerkstelligen, müßte er zuvor das begangene Unrecht wieder gut machen, und cs hängt nicht von ihm ab. die Verführten wieder aus den Weg der Besserung zn bringen; ebenso verhält cs sich mit demjenigen. der aus bösen Wegen wandelt und dadurch « seine Kinder zu Sünde und Abfall erzieht; er selbst bereut später seine Sünden, hört auf den Sabbat zu entweihen, unterläßt cs, verbotene Speisen zu genießen rc. Wie will er aber seine uutcrdcß hcrängcwachscnc Kinder, die an seinem Beispiele sich hckangcbildet haben, aus den Weg der Gottesfurcht und der Frömmigkeit zirrücksühren 'i — Wer da sagt, er will jetzt sündigen und seine Jugend genießen, später aber bereuen und Buße rhun, der wird nur schwer dazu gelangen, diesen leereren Vorsatz auszuführcn. — Ein gewichtiges Mittel, die Menschen zur Rückkehr zu Gott zu bewegen, ist die öffentliche Mahnung. So hat Gort den Propheten besohlen, den Israeliten ihre Sünden vorzuhaltcn und sie zur Buffe und zur Bcffcrung zn bewegen. Daher ist es Sine kn Israel, eine» Mann anznstcllcn, der durch Tugend und Gottesfurcht die allgemeine Achtnrrg erworben hat, der durch Wisicn hervorragr, der der Rede mächtig ist, auf daß er während des öffentlichen Gottesdienstes zur versammelten <V»cmctnbc spreche und sic mahne, ihre Sünden zu bercncn und zu Gott znrückznkehren. Wer aber die Ermahnungen haßt, wer in seiner Eitelkeit sich gekrault suhlt, wenn ihm sein Unrecht vorgchaltcn wird, der wird nicht hören auf die Stimme des Mahners, und wie soll er veranlaßt werden zu Gort zurückzukcürcn? — Auch bei gewissen Versündigungen gegen die MitUienschen ist eine vollkomtucue Rückkehr unmöglich: denn zu derselben gehört ein Wicdergutmachen des begangenen Unrechts, was in vielen Fällen ui.ltt ausznsührcn ist. Es kann dcr Ticb, der seine Sünden bereut, den Bcstohleucn den Schaden ersetzen. Richt aber kann das der Tiebcshehlcr rhun, der von verschiedenen, ihm meist nicht näher bekannten Treben die gestohlenen Sachen um geringen Preis erworben bat. Seine Schuld ist mindestens ebenso grou wie die der Diebe, da er ihnen durch sein schändliches Thun zn ihrem Verbrechen den Anlaß gibt. Er aber kennt die Vestohlcucu gar nicht und kann daher ihren Verlust nicht ersetzen; ihm wird es unmöglich, vollkommene Buße zu rhun. — Aehulich ergeht es dem Richter, der Bestechung nimmt und in Folge dessen das Reckt beugt, den Schuldigen freispricht und den Unschuldigen vcrunhcilt: auch ihm ist es nicht möglich, das begangene Unrecht wieder gut za machen. — Aber es gibt auch Sünden, die za bereuen sehr schwer werden, weil die Menschen das Gerharrc nicht für Unrecht halten. So ist es ia den Augen der meisten Menschen keine Sünde, ihre Mitmenschen und deren Verdienste herabzusetzen, am i sich selbst desto größer und vollkommener erscheinen