Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-09-15 · Heft 72 (15.9.1887) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 72 (15.9.1887)
Date
1887-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449769--27188-2517053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXVHL Jahigaug. M 72. ein - Zentral - Organ für das orL6odo.re ZudenLhum. Hcrsnsr;cgcbcn von I*r. "chrnenrr in Mainz. Donverftag, den IS. Leptember 5647 (1887). . Ta mit dem I. Qct. 1887 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns , die geehrten Abonncmen darauf aufmerksam zu machen, dag naincinlich bei der Post das Abonnement nÄhzritig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. W Wegen -cö hl. Reujahrfestcs erscheint die nächste Nummer (eine Dsppcluummer) Donnerstag dcu 22. September. Leitender Artikel. Die HiückKchr zu Gott. (Nach Maimonides.) II. Mainz, 12. September. Durch Reue, Lckcnutniß und Rückkehr zu Gott kann man nur für solche Sünden Verzeihung erlangen, die man gegen Gott allein begangen bat. Wenn mau sich aber gegen seine Mitmenschen versündigt hat, so ist cs vor allen Dingen nothwendig, daß mau das begangene Unrecht wieder gut zu machen sucht. Hat man den Ncbcumcnschen um Geld geschädigt, so muß man zunächst den Schaden ersetzen; hat mau ihn durch Thaten oder durch Worte beleidigt, so muß man seine Verzeihung zu erlangen suchen. Weigert er sich zu verzeihen, so muß man die Fürbitte Anderer in Anspruch nehmen. Aber auch der Beleidigte soll nicht hart und unbarmherzig sein. Der Jude soll srers nur schwer zu erzürnen sein und leicht sich besänftigen lasten. Selbst wenn einer unserer Mitmenschen uns viel Böses gcthan oder uns schwer und oft beleidigt hat, so sollen wir ihm, sobald er unsre Verzeihung nachsucht, mir ganzem Herzen und willfähriger Seele seine Schuld vergeben. Das ist eine Stanrurcscrgenrhümlichkcit. die wir von unsren Vätern ererbt haben, zu vergeben unsren Beleidigern, nicht zu hassen und keinen Haß nachzutragen. s Die Töne des Schofar am Neujahrsfeste sollen uns Zurufen: Erwachet, ihr Schlafenden, von eurem Schlafe, und ihr Schlummernden, wachet auf von eurem Schlummer, und untersuchet eure Thaten. Ihr, die ihr die Wahrheit vergesset ob der Eile!« feit der Zeit, die ihr das ganze Jahr hindurch euch beschäfligr mit eitlen und leeren Dingen, die nicht nützen und nicht retten, Ichanct ans eure Seelen, verbessert euren Wandel und eure Thaten! Ter Tag des Gerichts naht heran. Niemand darf sich sicher fühlen, denn er kennt ja nicht den Maaßttab, mit welchem der allgercchte Richter die Thaten der Menschen mißt. ES gibt viele Dinge, die uns groß und bedeutend erscheinen, während sie in den Augen GortcS nur geringfügig sind' es gibl andere Dinge, die uns klein und unbedeutend erfuKimn, während sie in den Augen Gottes groß und ausschlaggebend sein können. DaS gilt sowohl in Bezug auf die guten wie auf die bösen Thaten. Daher soll jeder Mensch sich so betrachten, wie wenn die Wagschale seiner Schuld und diejenigen seiner Verdienste einander das Glekchgervicht halten, so daß durch eine, wenn auch nur kleine Sünde, der Ausschlag zum Schlimmen gegeben werden kann, während eine, wenn auch nur unscheinbare, gute Thal, die Rettung herdrisührrn könnte. Und wie sich selbst, soll der Mensch die ganze Welt derart anschaucn, wie wenn Schuld und Verdienst einander das Gleichgewicht hielten, so daß seine Sünde oder seine gute Thal entscheidend sein könnten für das Geschick der ganzen Menschheit. Wer so denkt und das sich stets lebhaft vor Augen führt, dem w:rd die Begehung einer Sünde nicht glcichgiltig erscheinen; dem wird die Ausführnng einer guten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.