Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 71 (12.9.1887)
- Date
- 1887-09-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449768--27168-2517032- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1300 wieder die Gelegenheit, und wiewohl sein unerlaubter Trieb noch, gerade so stark ist, er aber kämpft mit sich und obsiegt und ist stark genug, die Sünde nicht su wiederholen, dessen Reue und Rückkehr sind vollkommen und von einem Lolchen sagt der weise Llönig: gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend." Wer aber erst im Alter, nachdem seine straft dahingcgangen und der Sinnenreiz geschwunden, die Sünden seiner Jugend bereut» dessen Rückkehr ist zwar keine vollkommene, aber auch sie erringt ihm die Verzeihung''unsres Vaters im Himmel. Wer mit Worten seine Lunden bekennt und bereut, nicht aber im Herzen den festen Einschluß faßt, sie nie zu wiederholen, der findet nicht Sühne, nicht Verzeihung; er gleicht einem Manne, der ein Rcimgungsbad ninnnt, dabei aber das verunreinigende, tobte Thier in seiner Hand hält. Nicht hilft ihm das Bad, cs sei denn, daß er das verunreinigende Thier zuvor hinwcgwirft. So kann auch nur der rein von Sünden werden, der den festen Entschluß saht, die von ihm begangenen Sünden nicht zu wiederholen, wie cs heißt: „Wer da bekennt und verläßt wird Erbarmen finden." Es ist ungemein schwer für den Menschen, solche Sünden zu unterlassen, an die er sich seit langer Zeit gewöhnt hat. Viele Hindernisse treten ihm bei der Ausführung eines solchen Entschlusses entgegen. Stellen wir uns einen Menschen vor, der, wie leider heutzutage so viele, ganz und gar von den Wegen Gottes abgewichen ist: er genießt verbotene Speise, ist ausschweifend in seinem Lebenswandel, entweiht die Sabbate und die Feiertage, begeht andere Sünden ohne Zahl; einem solchen gleichsam blindlings Dahiuwendclndcu werden plöylich die Augen geöffnet: er erkennt, wie weit er sich von der heiligen Bestimmung Israels, wieweit er sich von seinem Gotte entfernt hat. und er will zu Ihm znrückkchrcn. Wie viele Schwierigkeiten treten einem solchen Manne entgegen! Tausende von Dingen soll er künftig entbehren, die ihm unentbehrlich erscheinen; er soll seine Gelüste nicht mehr befriedigen dürfen, wie er cs bisher gcthan, soll auf seinen Reisen sich mit den frugalsten Speisen begnügen, da er vorher an den Winhstafcln der vornehmsten Hotels geschwelgt hatte, soll andere, noch stärkere Leidenschaften überwinden, soll zu Hause sich dem Hohne und dem Spotte seiner ehemaligen Genossen ausscvcn! Dazu gehört eine Willenskraft, die man stärken und kräftigen muß. Dcsthalb soll der zu Gott Zurückkehrcnde sich die Zahl und die Größe seiner Sünden stets vor Augen stellen, sich darob grämen nnd kümmern, darüber weinen und jammern, bis er einen solchen Absch-a vor der Sünde bekömmt, daß es ihm leicht wird, sie künftighin zu meiden. Ei soll seine ehemalige- Genossen und deren Umgang meiden, und ist ior.r daS unmöglich, so soll er ihren Spott und ihren Hohn ruhig über sich ergehen, lassen und die ihm dadurch werdende Beschämung als eine Sühne betrachten. Ztann er aber die Verhöhnung nicht ertragen, so soll er lieber seinen Wohnort oder fei:: Vaterland verlassen, um in der Ferne unter ihm bis dahin unbekannten Menschen nugcstörl und uugehiudcrt zu seinem Gone zurückzukehreu. Auch trägt die Auswanderung dazu bei, seinen Stolz zu brechen, sein Herz mir Tcmnth und Bescheidenheit zu erfüllen, wie cs ia die Verhältnipe mit sich bringen, daß man gezwungen ist. unter fremden Menschen dcmürhig nnd bescheiden aufzutreten. So Jemand gegen Menschen gesündigt bar. ist cs räthlich, daß er stin Unrecht öffentlich eingcstchl und seine Reue nicht verheimlicht; so aber Jemand nur gegen Gort gesündigt Kat durch Ucbertrctung von Gettesgebolcn, die andere Menschen »ich: berühren, lvke der Genuß von verbotenen Speisen oder die Entweihung des Sabbats, so braucht er nur Gott gegenüber seine Süudeu zu bekennen; den Menscheu aber braucht er keine Mirrhcilung davon zu machen. Die Rückkehr zu Gott, die Reue und das Sündenbekeurrtniß können zn jederZeit starrftnden. Am Besten ist cs, wenn Jemand sofort bereut, nachdem er das Bö:c gcthan hat. ttnseretwegen. auf das; wie lebhaft an die Einkehr bei uns selbst und in Folge dessen an die Beurrheilnng nuferes Lebenswandels nnd die Rückkehr zu Gott, wenn wir uns von Ihm entfernt haben, erinnert werden, bat Gott besondere Zeiten eingescvl, in denen Er sich von uns finden läßt, in denen Er uns nahe iit, wie es heißt: Suchet den Ewigen, da Er sich finden läßt, rnfct ihn an . da Er nahe ist! Es möge verlassen der Bösewicht feinen Weg und dcr Mann des Unrechts feine Pläne, nnd er möge zurücklchrcn zu den: Ewigen, damit Er sich seiner erbarme, und zn unserem Gölte, den» Er verzeihet gar viel. (Fortsetzung folgt.) «Ltturgische Fariante. In einem handschriftlichen Gcbctbuche, welches mir auf der Bibliothek des Iobannenms in Hamburg zn Gesichte gekommen, üicß ich auf die bislang. meines Wipcns, literarisch noch nicht gewürdigte Lesart zrrh "ami'w '-m c*tp tr-T?. Im erstell