Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 70 (8.9.1887)
- Date
- 1887-09-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1276 3tnt(!rtoit. Die verschwundene Erbschaft. <?inr yrzähtung von 5. Hanl«. HI. Als am darauffolgenden Tage Therese aus der Schule kam, ging sie, wie gewöhnlich, wenn sie ihren Later *u Hause »linkte, in dessen Surdirzinrnler, fand dieses aber leer. Sie verlies; dasselbe daher wieder, um in die Wohnstube zu gehen, wo sie aber die Thüre verschlossen fand. Ta Hut und Lbcrrock des Vaters im Flur am .ttleidernockc hingen, so mutzte der Barer wohl zu Hause sein; sie klopfte daher leise an die Thüre des Wohnzimmers. Ter Later hatte sie aber schon am Tritte crkarmt und srand bereits an der Thüre, um dieselbe zu öffnen. Er »var eben damit beschäftigt gewesen, seine Werthpapicrc dnrchzuzählcn, »var aber damit »roch nicht fertig geworden und lagen die Papiere noch offen im geöffneten Pulte. Tr. Rüben setzte sich wieder an das Pult, um das Geschäft zu vollenden, und Therese stellte sich neben ihn und sah ihm zu. Als er dumit zu Ende war, überzählte er die zu einzelnen Häufchen geordneten Papiere einmal, indem er halb leise vor sich hin zählte: „(Sin*, zwei, drei u. s. »v. dis fünfzehn. Also sünfzeh'.'.-auscud Thalcr," »vicdcrholtc er noch einmal laut, schlug dann die sämmtlichcn Staarspapicrc in einen Papicrumschlag, steckte sic so in eine verschlictzbare Ledcrmapvc, verschloss dieselbe utld legte sie rvicdcr in ein Gefach seirrcs Pultes, »velchcs er ebenfalls verschloss. „Richt wahr, lieber Papa! Tu fürchtest Tich auch vor den Ticbcn?" fragte Thecese mit ängstlicher Miene. „Nicht im Mindesten, mein itinb!" antwortete er, ihr liebkosend die Wange streichelnd. »Aber ich fürchte mich sehr!" sagte sie, zu ihm aufsehcud. „Geh' Rärrchcn!" antwortete er mit sehr ernstem Ausdrucke. .Wer wird sich fürchtend. Man mutz nur aus Gott vertrauen, Der wacht über uns und wird uns schützen." Therese schwieg still; aber ein leiser Seufzer, der sich ihrer Brust entrang, gab Zcugnih davon, daß sie ihre Augst nicht zu berueistcru vermochte. Dem Later war dieser Seufzer nicht cutgangen. Er rvandte sich zu ihr hin und drohte ihr uiit dem Finger, indem er sagte: *2», werde mir nicht im« fromm! „Vertraue auf Gott und thue das Gute!" sagt der Psalmist. Tadei küsste er sie auf die Stirn und ließ sich dann auf das Sopha nieder. in heiterer Weife mit ihr über Tiefes und Jenes plaudernd, mit dem sichtbaren Bestreben, ihren Gcdankcn eine andere Richtung zu geben, was ihm auch gelang. Mehrere Wochen »varen seitdem verflossen. Tr. Rüben und seine Tochter sprachen über diesen Gegenstand nicht mehr. Seine Stirn zeigte sich während dieser Zeit völlig heiler und sorgenlos. Auch das angeborene, heitere Wesen Tdcrescn's schien durch keine Besorgnis; mehr getrübt zu werden, ob in Folge des als pstichtcrkamttcn Gottvcrtraueus oder in Folge uatürlichcr, jugendlicher Lebendigkeit, welche ihre Gedanken auf andere, minder ernste Wege führte, mag unentschieden bleiben. Selbst Mendel schien von seiner Aengstlichkcit vollständig gchcill zu sein; denn er machte keinen Versuch mchr> dem Dr. Rübe» sein „bischen Armut!)" übergeben zu »volle»», Ucbrigcns schien mich in der Diebesthätigkcit in M. eine Pause cingctrctcn zu sein, da man schon seit geraumer Zeit nichts mehr von stattgcfundeucn Einbrüchen vernahm. IV. Man hat das menschliche Leben schon oft mit einer Seereise verglichen. Und in der That bieten beide viele Bcrglcichungspuukte dar. Hier wie dort ist der Beginn der Reise oft so vielversprechend, das Element, forvohl das, in »velchem unser Lebensschifftein, »nie das, in »velchem das Seeschiff sich dclvcgt, liegt oft so glatt, so ruhig da, datz marl nicht anders glaubt, als die Fahrt wird in Sicherheit und ungestörter Lust zu dem Hafen führen, dein »narr culgegensttuert. Es sind nicht selten so hochstrcbeude Pläne, so beseligende Hoffnungen, welche die Herzen der Reisende» erfüllen. Aber, ach! wie ganz anders gestaltet sich oft der Ansgang. Hier wie dort gibt cS der Schiffbrüchigen gar viele! Unter der gefahrlos scheinenden Fläche, aus welcher das Schiff so sanft dahinglcitct. befinden sich nickt selten unserem Auge unsichtbare Klippen, langgestreckte gefahrvolle Sandbänke, und mit einem einzigen Rucke fliegt plötzlich das Schiff in Trümmern auseinander und alle Glückcshoffnungen sind zerstört. Wer hätte solches Scheitern eines Lcbcnsschisflcins.' solche plötzliche Zerstörung eines McnfchenglückcS, 'nicht schon erlebt und, »venn auch nicht gerade an sich, selbst, es doch an Andern sich schon vollziehen scheu. Und wenn diese, von solchem Schicksale.Betroffenen» Menschen »varen, denen unsere Werihschätzung und Liebe angehört hat, dann zieht sich bei der spätesten Erinnerung das Herz noch schmerzvoll zusammen. - In der stillen, friedlichen Rabbincrwohnung