Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 70 (8.9.1887)
- Date
- 1887-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1274 Lesrerr. - Ungar. Monarchie. Budapest, 5. Sevt. Bei Ernpfang der Deputationen in Neutra durch, den Kaiser ereignete sich ein Zwischenfall. Tie Vertreter der Indengemeirrde wurden vor jenen der Staatsbeamten als erste ausgcrufcn, und zwar geschah dies auf kaiserlichen Befehl, weil das ursprüngliche Programm im letzten Augenblick derart abgeändcrt wurde, daß die jüdische Deputation die letzte gewesen wäre. Als der Rabbi um die Erlaubnis; bat, bei dein Scgcnssvruch den Kopf bedecken zu dürfen, antwortete der Kaiser, er habe diese Bitte erwartet. Es freue ihn, daß die alten Traditionen bewahrt würden. Kremsier. Auf der Reife nach L?lmütz wurde dem Kaiser unter verschiedenen Eorporationcn auch der Krcmsicrcr Eultusvoisrand vorgcstcllt. Ter Kaiser ging an den Rabbiner Tr. Frankl-Grün heran, welcher mit Erlaubniß des Kaisers den üblichen 'Scgcnssvruch deutsch und hebräisch vortrug. Ter Kaiser erkundigte sich nach den Verhältnisse» der Gemeinde, ob diese seit seiner letzten Anwesenheit in Krcmsier zugenommcn. wie sie orgäuisirt ist, ob sie selbstständige Schulen besitzt und wie diese geleitet werden, ob sie gedeihen und welche WohlthätigleitS-Ansialten diese besitzt. Mit den Worten: „(5-3 hat mich sehr gefreut* schritt er dankend' weiter. Der Kaiser zeigte bei dieser Gelegenheit wieder sein gute« Gedächtnis;. Von dem. aus sieben Minu- .4cu berechneten Aufenthalte mibuttlc der Kaiser drei dem Seelsorger und fühlten sich alle anwesenden Israeliten' durch diese ihnen. gewidmete Ausmerksamkcit von Seite des Monarchen besonders' geehrt. Rumänien. I)r. C. Bukarest» 4. September. Ich bin zwar stet« in der Lage über die rumänisch-israelitischen Zustände aus Privatqncllen zu berichten, ich habe es mir jedoch in der letzteren Zeit zu nrcincr Vornahme gemacht, mich in den incistcn Fällen an die Meldungen der rumänischen politischen n. s. w. Zeitungen zu halten. Theils kann ich dadurch die Verantwortlichkeit für die Nachrichten, die ich gebe, den betreffenden Zeitungen überlasten, theils urthcile ick, daß, in Bezug auf Israeliten angehende Vorkommnisse, ein Rumäne sicher nichts ersindcn wird, was zu deren Gunsten ist, bczw. sic als verfolgt und denn rechtet uachwcist. Darum aber besitzen dann in solchen Sachen die hiesigen Zeitungen eine er h öd le Glaubwürdigkeit, und ich verzichte daher in diesem Falle gern auf das Rcnomm,-e. ein stets wohl- und „am frühesten" unterrichteter Korrespondent zu sein, zu Gunsten der rumänisch-christlichen Zeitungen. Nach dieser Aufklärung einfür allemal wird cs den Lesern dieser Blätter ganz recht sein, daß ich gleich heute z. B. nach der ihnen schon bekannten Tageszeitung „Lupta" (Ter Kamps) Rr. 317 von dem Edelstein und Muster eines Schuldirektors berichte, wie sie in Rumänien-noch mehr zu habe» sind. — falls das Ausland daS-Bedürfniß verspürte, sich welche zu kommissiomrcn. Der Herr, welcher auf den Namen Silwiu Eostinescn hört und nach feinem Vornamen Sirbenbürgcr (also eigentlich Destcrreicher) ist, dirigirt die Ackcrdauschule bei Rom a n feit einer Reihe von Jahren, hat aber erst kürzlich durch den Todtschlag eines Schülers den wohlvckdixntcn Ruf eines Schuldirektors, wie er Rumäniens würdig, erhalten. Tics Faktum geht uns weiter nichts an, da in dcrAckrrbauschule. ebenso wie in der Gewerbe- (.Handwerks-), Ingenieur-, Normal- (Lehrer) uud audcren Schule» in Gemäßheit des Berliner Vertrages Israelitewnicht ausgenommen werden. Es sind jedoch eine Menge ähnlicher Thalfachcn von ihm bekannt geworden, unter welchen zwei Israeliten betreffe». Nach der „Lupta" ist einer, ein Schmied (..die Juden" scheuen ja bekanntlich das Arbeiten und namentlich die schweren Handwerke .....), der, oGraus, an der christlichen Ackerdauschule zu dem Zweck angcstcllt ist, um die Acker- und anderen Gcräthc des Schulgutcs in Stand zu halte». Dafür „cjpioUin" er das rumänische Land um baare 200 Franks jährlich (U»V, Frcs. monatlich) und hat auch noch die Privatpfcrde des Direktors zu beschlagen, während der Herr Direktor die über 2'/, Mal größere „Hälfte" seines wirklichen Gehaltes, nämlich ',20 FrcS. in seine eigene, wie bei allen rumänischca Beamten, sehr weite Tasche zurückdchält. Tenn vom Staate Rumänien ist für die Stelle des Schmiedes budgetmäßig 00 Frcs. monatlich, d. h. 72Ö Frcs. jährlich festgesetzt. Mit dem bloßen „Beschummeln" aber (in Europa würde dies wohl „Unterschlagung" heißen) ist Herr Eostincscu in seiner Würde nicht befriedigt, er hat von Zeit zu Zeit eine MuSkclüärknng und Nervenberuhigung nörhig nnd auch hierzu soll der Jude für die 2M» Frcs. Dienste leisten. Der Direktor kam Letzteren hierin insofern entgegen, als er sich eines TagcS vorn Dorfe nach der Stadt bemühte und in bcr Wohnung des Schmiedes ohne weitere Vorbereitung ciue so nachdrückliche Hebung mir seinem Stock auf dem Rücken des Juden vornahm, daß er sich selbst adkühlre und fein Lehrmittel in Stücke brach. Darauf stellte er sich auf der Straße hin und fing an der