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Der Israelit · 1887-09-08 · Heft 70 (8.9.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 70 (8.9.1887)
Date
1887-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1272 nicht einmal deutlich ausgesprochen ist. während es in der heiligen Schrift andere Aussprüche gibt, die dasselbe viel klarer darlegen; so Mischle <5. 8. V. 22: ao ^yss st? ,i2T» rrwn 'up 't „der (hinge har mich (die Thoru) ringrsetz» als den Erstling Seines Weges, als Musterbild Seiner Werke, ehe noch die Welt existirre." (Vergleiche Raschi.) Hier ist eö ja deutlich ausgesprochen, daß die Thora der. geistige Inbegriff des Universums ist. An einer, andern.Stelle (daselbst V. .ro) wird cs nach der- Erklärung unsrer Weisen deutlich gesagt, daß die Thora das Werkzeug, ist, durch welches Gott die Welt erschaffen hat. N2"p.-. bv ruo*» *Va *rrrt *;x ,pax £sx 'ox* :c7:yn rx'Tss Tie Thora spricht: Ich bin daS Werkzeug, durch welches Gott die Welt erschaffen hat. — Es ließen sich noch viele andere Stellen der heiligen Schrift anführen, die sich in ähnlicher Weise ansspreche«: es muß daher erörtert werden, warum der Weise gerade den Vers uns vorführt (Mischle 15. -1, V. 2): 7X OTO C27 rre so r<p? 2. „Denn eine Lehre des Guten habe ich euch gegeben, verlasset Meine Thora nicht." Wohl ist hier ausgesprochen, daß Gott uns die Thora gegeben; nicht aber, daß durch sie die. Welt ist erschaffen worden. — Tie Erklärer finden das Letztere in dem Worte 20 angedeutet, da bei dem Berichte über die Schöpfung stets jedes einzelne Schöpfungswerk als s« bezeichnet wird. rum ,20 '2 »nn pa *2 r.xn rx errat tm TfC 20 re. Tie Bezeichnung 20 n?S bedeutet demnach: die Lehre, durch die das erstanden, welches in der heiligen Schrift vorzugsweise alö 20 charaklcrisirt wird, das ist das Schöpfnngswerk. Das Wort rrp7, von rr*7, nehmen, bedeutet ferner Dasjenige, was T leicht ausgenommen, leicht verstanden werden kann, während "nro. Meine Thora vorzugsweise auf die Geheimnipe der Gotteslehre hinweist, die der menschliche Verstand nicht zu durchdringcn vermag. — Der junge Sokrates hatte einst einem Vortrage deS Philosophen Heraklit zugchört. dcS Heraklit, den man allgemein, den Dunklen nannte. Auf die Frage, wie ihm der Bortrag gefallen, antwortete SokratcS: Das Wenige, was ich verstanden, war so vorzüglich, daß ich daraus schließe, wie vorzüglich erst das sein muß, was zu verstehen meine Fassungskraft nicht ausreichl. — In ähnlicher Weise äußert sich der uns vorliegende Bcrs. Gott spricht, rvr, das Lcichtverständliche, was Ich euch gelehrt, ist 20, da? unübertrefflich Gute; deßhalb verlasset Meine Thora nicht; dcßdalb verlasset auch da; nicht, was Ich in undurchdringliches Dunkel gehüllt habe. . Welch* unendliche Wohlthst »»? Gott durch die Verleihung Seiner Thora erwiesen, das macht Rabbi Samuel de Lseda au einem Gleichnisse klar: Ein Barer, welcher ein ungeheures Vermögen er- . worben, vertbcilt seine Schätze seinen Söhnen. Zn einem der Söhne, der durch Liebe und Ehrfurcht das Batcrhcrz sich besonders günstig gestimmt har. spricht er: Mein geliebter Sohn, dich will ich dadurch vor deinen Brüdern bevorzugen, daß ich dir die Mittel kundgcde, durch die ich das große Vermögen erworben habe. Die Schätze, die Millionen an Silber und Gold, sind vergänglich und können verloren werden. Wenn deine Brüder ihrErbtheil verlieren, so verarmen sie. Tu aber wirst, wenn du auch Alles verloren hast, das Verlorene. und noch mehr wieder erringen können. — So hat Gott zu Israel gesprochen. Tic Welt habe ich den Völkern der Erde vcrthcilt; dir aber gebe ich außer deinem Erbthcil das Werkzeug, mit welchem Ich die Welt erschaffen habe. Was du auch verlieren magst, du kannst cs und noch mehr durch die Thora stets wieder erringen. Alle deine Schätze kommen ihr nicht gleich. — Wie hat sich das doch bewahrt im Laufe der Jahrtausende! Wiederholt und wiederholt hat Israel Alles verloren; aber niemals ist es arm geworden, da es die Thora besitzt, durch die es sich stets wieder emporzuringeu im Stande ist. „Ich bade euch die Lehre gegeben, mit welcher Ich die Welt erschaffen habe; verlasset Meine Thora nicht'." Denn gerade in der Beobachtung derjenigen GotteSgcbore, deren Gcheimnkß wir nicht zu dnrchdringen vermögen, liegt die Größe und die Bedeutung Israels, dadurch bewähre» wir uns als das auscrwählte Volk des Herrn. Und die allergrößte Bevorzugung liegt darin, daß Gott da? uns har kundgethan, daß wir wissen, daß auch die Gebote, deren Sinn wir nicht verstehen und begreifen, unser Leben und die Länge unsrer Tage bedeuten. Diejenigen Söhne und Töchter Israels, die diesen Geboren den Rücken wenden, verbotene Speisen genießen, die ReinheitSvorschriften nicht beobachten, die Ehegesctze von sich werfen :c.. verlieren allmählich die uns von Gott gewordene Bevorzugung. Sic selbst und ihre Kinder besitzen wohl noch die anererbten Vorzüge des jüdischen Stammes; aber das dritte Geschlecht wird sie zumeist und die folgende Geschlechter werden sie ganz verlieren. „Erkennet doch," ruft uns Gott zu, „wie herrlich und schön dasjenige ist, was ihr

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