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Der Israelit · 1887-09-05 · Heft 69 (5.9.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 69 (5.9.1887)
Date
1887-09-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1264 seine schönen und ausgezeichneten (Erzeugnisse bekannte Glasfabrikant, Herr Josef Innwald, beging dieser Tage die Jubiläumsfeier des fünfnnhrnianrrmähngkn Bestandes seines (Etablissements in S l i ch o v bei Prag, welcher Anlaß nicht blos von Seiten der daselbst beschäftigten Beamten und Arbeiter, sondern von der ganzen Gemeinde und der Bevölkerung sämmtlichcr umliegender Ortschaften dazu benützt wurde, Herrn Innwald, dem Juden, eine Ovation darzubringeu, die über den 3lahmen sonst üblicher Festivitäten dieses Genres weit hinaus ragt und ob der Spontanität der namentlich aus allen Kreisen der katholischen Landbevölkerung zum Ausdruck gebrachten Gefühle der innigsten Anhänglichkeit und des lautersten Tankes ihres Gleichen sucht. Tie ausgcdchtttcn Gebäude der Fabrik prangten im reichen Flaggenschmuck und Ncisigdecorationen, Transparente mit aus die Feier Bezug habenden Inschriften waren sowohl hier, wie auch ans den geschmückten und illuminieren Häusern der ganzen Gemeinde angebracht. Um 8 Uhr Abends verkündeten Böllerschüsse die Ankunft des Jubilars und seiner Familie. Tie Beamten begrüßten ihn beim Eingänge in die Fabrik. Aus dem weiten Hofe stand ein großer 5treis von Lampionsträgcrn, in dessen Mitte die Kapelle des Prager bürgerlichen InfantcriecorpS, die Slichover „Be seda" mit einem Säugcrchor, der Orts- Pfarrer. die Lehrer von Slichov, der Beterancnuud Feuerwehrverein, Teputarivuen aus den Glasfabriken in Schäpcndorf und Tcutfchdrod und eine große Zahl von Festgästcn Platz nahmen. Unter den Letzteren bemerkte man den Majvr und Eommandantcn des bürgerlichen InfantcriecorpS, Herrn Bcndulük, mit mehreren EorpSossicircn und Aeprüfetttanten der Prager Gemeinde in ihrer Eigenschaft als (zollegen des Stadtverordneten Inntvald. Ter Jubilar wurde zunächst von weißgekleideten Mädchen mit sinnigen Ansprachen begrüßt, worauf der Slichover Herr Pfarrer und der Oberlehrer denselben beglückwünschten und Erftcrer mit herzlichen Worten darauf hinwics. daß der Jubilar, obwohl ein Jude, doch umsomehr Achtung und Liebt verdient, weil er sich nicht nur alS brodgebender Fabrilsherr, sondern gleichzeitig als der liebevolle und vorsorgliche Batet seiner 800 Arbeiter bewährt hat. Besonders herzlich gestalteten sich die Ovationen, welche daS Arbcircrpcrfonale feinem Ticnstgeber bereitete. Schlichte, mit sichtlicher Rührung vorgcdrachten Ansprachen der Benrctcr der hiesigen, sowie der übrigen Fabriken des Jubilars, machten den allerbesten Eindruck. wie erst wieder die herzlichen väterlichen Tankesworte des Gefeierten, wel. chcr seinem ältestcu Arbeiter, dem Herrn Krepinsky, zum Andenken eine goldene Taschenuhr übergab und ihn ersuchte, nach wie vor. mit seinen College» in Eintracht zu Äutzcn des für die Arbeiter wie des Besitzers wichtigen Etablissements thätig zu sein, und so dessen schon so vielseitig gewürdigtes Renommee zu erhalten. Stürmische Slüva-Nufe folgten den einzelnen Ansprachen. Dazwischen trugen die Sänger und die Änsikcapclle gelungene Piecen vor. linier großer Bcthcilr.nng der Bewohner und vieler aus der Umgegend, fonnirte sich hierauf ein Festzug, au dessen Spitze sich die Kapelle stellte, worauf sich derselbe,. umgeben von den Lampionsträgern,' nach Hlnbo«-cp in die dortige 3!cstanration begab, wo die Fabriksarbeitcr Gäste des Jubilars waren und selbe und die in dem Locale bei einem inrprovisirten Bankett unrcrgebrachtc» übrige» Festgäste lange in animirter Stimmung verblieben. Herr Innwald gedachte bei der Tafel irn ersten Toaste des höchsten Beschirmers der Industrie, des geliebten Monarchen, dem er in dankbarer Ergebenheit ein dreifaches „Slilva!* ausbrachte: der Trinkspruch fand begeisterte Zustimmung. Am Tage der Feier selbst erglänzte ganz Slichov in reichem nnd festlichem Flaggcnschmucke. Bei dem Jubilar selbst erschienen zahlreiche Tcputationen, ja sogar das weit entfernte Polna ließ seinen Ehrenbürger durch eine Tepuration beglückwünschen. Am Bormittage fand in der Slichover Kirche eine solenne Feier statt. Ter ehrwürdige Lrtspfarrcr hielt eine auf das Fest bczughabcnde Predigt, welche ein Muster von Toleranz und Menfcheulicbc darstcllr. Er pries die Tugenden des Juden Innwald, mahnte zur Duldung nnd Eintracht, man möge jedem Menschen, der ehrlich nnd redlich im Leben wandelt, Achtung und Liebe bezeugen, ob er ein Jude oder Ehrist ist; die Liebe Gottes habe vor keiner Eonfcssion Halt gemacht. Er wicS bei dieser Gelegenheit ans die neue Seuche des Antisernitismur hin, welchen er als eine Bcrfündigung am Geiste des EhristcnthnmS verwarf. Solche Worte, von der Kanzel herab, zum Bolk gesprochen, müssen warhafl scgenspendcnd wirke» und ehren den ganzen Pricstcrstand. Uebrigcns mag schon der Umstand ein Beweis der Toleranz des Scelcnhirten und der Bevölkerung von Slichov und feiner umgebenden Gemeinden fein, daß seit einem Biertcljahrhundert ein Jude, nämlich med. Tr. Grab, allerdings ein Muster der Humanität und Menschenliebe, Gcmeindc-Borstehcr ist. Tie allgemeine Populatitär, welcher sich der Groß-,

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