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Der Israelit · 1887-09-05 · Heft 69 (5.9.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 69 (5.9.1887)
Date
1887-09-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1260 Fe u i I_1 eton. Die verschwundene Erbschaft. Qin« Erzählung von S. Hause. u. Tie geäußerte Befürchtung Dr. Rnbcn's, daß der erzählte Dicbeseinöruch nicht, der letzte sein werde, sollte bald genug ihre Berechtigung finden. Innerhalb des kurzen Zeitraumes von nur vier Wochen hatte sich dieser Borsall schon zum fünften Male wiederholt, ohne daß inan des ThäterS oder vielmehr der Thäter hätte habhaft werden können; denn an» der.Kühnheit, mit welcher diese Dicbstähle ansgeführt und der Geschicklichlcit, mit welcher die grössten Hindernisse bei denselben beseitigt wurden, ließ sich schließen, das; nicht ein Einzelner cS sek, der solche verwegene Angriffe auf daS Ekgcnthum Anderer »rache, sondern hier Mehrere sich zu gemcinschastlichcr Bcrbrecherrhar verbunden hatten. Jeder Besitzende in der Stadt war von Schrecken und Angst erfüllt, nnd mehrere reiche Leute rösteten sich bereits zum baldigen Wegzuge; denn auch da» war wohlbcgründct, was Dr. Raben bereits bei dem ersten vor vier Wochen siattgesnudenen Einbrüche als die Ursache dieses schon seil langen Jahren in M. nicht vorgckommeue» traurigen Ereignisses^ bezeichnet halte. Jeder, dem das WM der Stadt nnd ihrer Bewohner am Herzen lag, konnte nur kuunncr- und sorgenvoll in die Zukunft blicken. Tic Verhältnisse des Dr. Rüben waren nicht unberührt von dem. schon seit rnchreren Jahren sich vollziehenden Wohlsraudsrückgaiigc der Bewohner der Stadt M. geblieben. Tic Mitglicdcrzahl seiner o-cmcindc hatte sich durch Wegzug säst um den vierten Thcil vcrnnndcrt, und cs waren gerade die wohlhabendsten Familien, welche wcggezogcn waren. Das schnlälcrte sein Einkommen nicht unbedeutend. ES wäre ihm ein Leichtes gewesen, seiner Lage durch einen Stellenwechsel Abhilfe zu verschaffen, da er ein guter Kanzelredncr war und wegen seiner Gelehrsamkeit sowohl, als auch wegen seiner wahren, ungchcnchcltcn Frömmigkeit sich in weiten Kreisen eines hohen Ansehens erfreute. Er war aber eine so bcdürsnißlosc und wenig materiell gesinnte Natur und fühlte sich zudem mit seiner Gemeinde. in welcher er bereit» seit zwanzig Jahren segensreich wirkte, so innig verwebt und verwachsen, das; er jede sich darbicrendc Gelegenheit zu einem Stc.rcnwcchsel, zu einem Ausgcdcn der gemüthlichcn Verhältnisse, in welche er sich hier cingclcbi hatte, von der Hand wies. Auch hätte das als Heiligtdum in ihm lebende Andenken an seine Gattin. das Scheiden aus den Räumen, in welchen sic fünfzehn im reinste» und ungestörten Licbcsglücke verlebte Jahre lang an seiner Seite gewaltet halte, und von dem Lne, auf dessen Gottesacker ihre irdische Hülle eingebettet war. ihm den Weggang aus M. sehr schwer gemacht. So blieb er denn, zur Freude seiner Gemeinde und seiner vielen in M. bcsindlichen jüdischen und nichtjüdischcn Freunde auf der Stelle, auf welcher er seine Rabbincrlanfbahn begonnen hatte. Er hatte übrigens nicht zu befürchten, daß ihm ein etwaiger noch weiterer Rückgang feiner Einkünfte Nahrnngssorgen bringen würde, da er nicht vermögenslos war. Seine Frau hatte ihm ein Vermögen von zehntausend Thalcrn mit in die Ehe gebracht, das durch Ziuscncrtrag noch einen ansehnlichen Zuwachs erhalten hatte. Dieses Vermögen lag in guten Staalspapicren in feinem Pulte, wo er cs bis in letzter Zeit für gut geborgen halten mochte. Vierzehn Tage waren feit dem letzten Einbrüche vcrsioffcn, ohne das; eine Wiederholung stattgefnndcn hätte. Die siit Wochen in Schrecken u»d Augst lebenden Einwohner der guten Stadt M. arhureterr wieder freier aus. Sie hoffte», dass durch die vermehrten Nachlpalronillc» und durch die setzt strenger gchandbable polizeiliche Aufsicht den Verbrechern das Handwerk gelegt sei. Selbst Dr. Rüben gab sich dieser Hoffnung hin und fand eine gewisse Beruhigung in derselben; denn ganz unberührt hatte ihn die Besorgnis; doch nicht gelassen. Es ist dieses auch sehr natürlich; auch beim grössten Gottvcrtraucn ist und bleibt cs immer cirr unbehagliches Gefühl, sich außer den vielen gewöhnlichen. Uns aber nur selten zum Bewusstsein und zur Erkcimrnist kommenden Gefahren, welche uns in unserem Erdenwallen umlagern und bedrohen, auch noch von einer bestimmten und bewußten «Gefahr, umgeben und bedroht zu wissen. Er saß eben früh. Morgen», allein in seinem Studirziimncr vor cincul großen Folianten und schien sich enzustrengen, eine schwierige Talmndstelle klarzulcgc», als plötzlich Jemand in großer Eile zum Hausflur herein- und die zwei, vor der Dhüre des Studirzimmers bcsindlichen Stufen hcranfging, nein, hcranfstolvcrre nnd hier mir sehr unsanfter Hast anklopste. Aus das »Herein!- des Dr. Rnbcn sprang ein gar posfirliche» Männchen in die Stube. Mlein und schmächtig von Gestalt, war cs doch in Blrck und Bewegung von ungemeiner Lebendigkeit Sein von tansenfättige« Runzeln durchzogenes Gcsichrchca mit dem erbsengroßen Rüschen wäre einem vcrtrockncrcn Borsdorsrr Apfel ähnlich gewesen, wenn nicht das schon in's Grane spielende Bärtchen, von welchem das Gcsichtchcn uuiradrnt war, dieser Ächnlichkcit Abbruch gcthan hätte. Reinlichkeit und

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