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Der Israelit · 1887-09-05 · Heft 69 (5.9.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 69 (5.9.1887)
Date
1887-09-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nettigkeit der Äleibunß gaben indessen diesem, wie {-- schien, mitten im Wachsen stehengebliebenen Pcr- 'ö::chcn dennoch ein ordentliches Aussehen. Wir sollen auch gar nicht lange im Zweifel darüber lassen, wen wir hier vor uns haben. Es ist dieses der wohlbestallte Gemcindedicner der israelitischen Gemeinde in M., Levi Mendel mit Namen. Mendel rer in M. geboren, war also, wie er oft nicht ohne Lwl; zu sagen pflegte, „ein hiesiges Kind." Er baue als Jüngling sogar einige Zeit auf einer „.'Wfdjiba" *) zu Füßen eines gelehrten Rabbi geüften und hatte cS nach vielen Kreuz- und Qucrzügen i-n Leben endlich bis zum Synagogcndicncr in seiner Palerstadt mit einem festen Gehalte von scchszig Tbalcrn und freier Wohnung im Synagogcnget'ändc gebracht. Ta seine Frau bereits vor mehreren Fahren gestorben war und er keine Kinder hatte, h bewohnte er die zwei kleinen Zimmer, welche seine Ticnstwohnung ausmachten, ganz allein. Hier wicllc er Köchin und Ticstmagd in höchst eigener Person und trieb dabei noch einen kleincu Handel mit Kuochcn. Lumpen, Fellen u. s. w. Er war allgemein beliebt, da er in der Thal sehr brav und einem Jeden gern gefällig war. Lein lebhaftes rud drolliges Wesen, das zuweilen Stofs zum Lachen tot, verbunden mit seiner sich stets glcichbleibendcn Gurmürlnglcit, hatte ihm in der ganzen Stadt eine •;ni>i|jc Popularität verschafft; dabei war er, was mau mit dem Ausdrucke „ein guter Ichudi" zu bezeichnen pflegt. Mendel war also auf das „Herein!" des Tr. .'.'üben sehr hastig in denen Studirzimmer gestürzt, indem er gleichzeitig dem verwundert anfblickcndcn Rabbiner einen „Guten Morgen, Herr Toctor!" cmgcgcnricf. Bevor dieser aber noch Zeit gehabt baue, den Morgcngrnst seines Gastes zu erwidern, riat*ic dieser schon mit dem Ausrufe heraus: „Haben 3ic's auch schon gehört, Herr Toctor?" Tr. Stuben rrlrob sich ruhig, reichte Mendel die Hand und sagte: -Guten Morgen, Herr Mendel! Sehen Sic sich!" Tabci rückte er ihm einen Stnhl an den Tisch. Mendel dauerte cs zu lauge, bis der Toctor seine Frage bcaulworlcte. Er wiederholte dieselbe daher. indem er sagte: „Ich meine, ob Sie's auch schon gehört habend" „Was soll ich denn gehört haben? Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen!" antwortete Tr. Auben. „Daß in dieser Nacht wieder cingcdrochen worden ist, meine ich!" schrie Mendel mit angstrollcm Gcsichlsausdruckc, indem er sich so heftig auf den ihm zugernckten Polsterstuhl niederließ, daß die plötzlich so ungcstürm zusammengedrückten Sprungfedern ihn durch den Gegendruck wie einen leichten Federball in die Höhe schleuderten. „Bei wem?" fragte Tr. Rüben überrascht und erschrocken zugleich, mußte aber dabei doch über die rasche und komische Sprnngbewcgung lachen, die Mendel auf seinem Stuhl? eben durchgemacht hatte. „Beim Kaufmannn Hüll!" antwortete dieser. „Und wie? Ihn und seine Frau haben sie gebunden und ihnen Tücher in den Mund gesteckt, damit sie nicht schreien können. Dann haben sie in deren Gegenwart im Schlafzimmer das Geldpult' erbrochen und Alles, was sich an baarem Geldc befand, ungefähr fünfhundert Thalcr, mitgenommen." Tr. Rüben schüttelte bedenklich den Kopf, dann sagteer: „Haben die Hnll'schen Ehelente keinen der Diebe erkannt?" „Rein", antwortete Mendel. „Die Spitzbuben hatten sämmtlich Masken vor den Gesichtern und waren daher nicht zu erkennen." Dr. Nubcn war nachdenklich geworden und saß einige Zeit schweigend da. „Nun, was sagen Sie dazu?" fragte endlich Mendel. Dr. Rüben zuckte mit den Achseln. Ihm ging selbst in den ernstesten Augenblicken und Lagen der Humor nicht aus; er antwortete daher: „Was soll ich dazu sagen? Wenn mich die Diebe vor der That um meine Meinung gefragt hätten, so wäre das in jedem Falle besser gewesen, als daß sie cs jetzt thun." „Mir ist sehr angst und bange auf die Nacht, Herr Toctor," sagte Mendel. „Ich fürchte mich des Nachts allein im Hanse zu bleiben. Erlauben Sie mir, Her? Toctor, daß ich Ihnen das bischen Aruurlh, das ich besitze, hicrhcrbringe. Bei Ihnen ist cS doch sicherer!" Dr. Rüben konnte sich des Lächelns nicht erwehren und sagte: „Sic werden mir doch keine Arumth in's Hans tragen wollen, Herr Mendel? Gott behüte mich! Was habe ich Ihnen zu Leide gcthan, daß Sie mir so etwas zu thun beabsichtigen?" „Ach, Sic verstehen mich nicht, Herr Toctor!" antwortete Mendel. „Gott behüte mich, daß ich Ihnen Armuth in's Haus bringen wollte! Ich Ihnen! Im Gcgenthcil! Reich möchte ich Sie machen, wenn ich könnte! Ich meine nur, mein bischen Vermögen möchte ich Ihnen in Verwahrung geben." „So, so," sagte Tr. Stuben, „jetzt verstehe ich Sie erst. Seien Sie nicht so ängstlich, Herr Tal mudschule.

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