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Der Israelit · 1887-09-05 · Heft 69 (5.9.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 69 (5.9.1887)
Date
1887-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1258 kömmling des jüdischen Stammes reinzuwaschen und dessen angebliche Abneigung gegen die Inden in Helles Licht zu stellen. So sagt er, wie entschuldigend, das; Göthcs Liebe für Spinoza nicht dem Juden, sondern nur dem Denker gelte, in derselben Weise wie er die Psalmen und die Propheten verehre. Alle» Nespckt vor dem Verfasser, das; er wenigstens so tolerant ist, keinen Anstos; an dieser Verehrung. Göthc'S für die Psalmen und Propheten zu finden, die doch auch einem jüdischen Möiitgc und jüdischen -Sängern ihre Entstehung verdanken. Er kann also immer noch lernen und sich im Hasse gegen alles Jüdische weiter ausbildeu, bis er feinen Gcfinnungsgenossett Herrn v. Treitschke erreicht hat, der sich s. Z. nicht cntblödcte, unfern Erzvater Abraham zu verunglimpfen. — Wie weit die Behauptung von Göthc'S Judcnfeindlichkcit begründet ist, das will ichh'cr nicht untersuchen; so viel weis; ich, das; Viktor Hehn in seiner blinden Voreingenommenheit, die er gegen die Juden hegt, und der er in seinem Unheil uugescheut Ausdruck gibt, Hast findet, wo der grosse Dichter nicht an Hast gedacht hat, und das; der Altmeister, wenn er heute nicdcrsticgc, mit seiner olmupischen Ruhe verächtlich lächeln würde über daS Epigoncugcschlccht. das ihn zu ehren gedenkt, indem es ihn von seiner Höhe hcrabzieht, um ihn zum Anhänger einer sim'.loscn und unheilvollen Bewegung zn stempeln, die durch Elemente, wie einen Hofprcdiger Stöcker und einen Tr. Böcke! geführt wird; gewiss würde diese Bewegung, wie ihre Anhänger ihm noch uusumpathischcr sein, als angeblich ihm die „Arten und Unarten" der Juden» die er kennen lernte, gewesen sein sollen. — Tic meisten der Stellen, die der Verfasser anführt, um Gölhe's Abneigung gegen die Juden damit z» zeigen, find durchaus harmloser Natur, die keineswegs beabsichtigt sind, um damit die Juden gcringzuschätzen. Oder meint der Verfasser wirklich, das; cS z. B. eine besondere Schmähung bedeute, wenn cs in „Ncincckc Fuchs" heisst: „Und auf Slväutcr und Steine versteht sich der Jude besonders." Ich denke im Gcgcnthcil, cs ist eine die Juden viclnrchr ehrende Thatsache, die der Dichter hier konstatirt, dass sie sich aus die Edelsteine und auf bic Mräntcr verstanden, womit sie die Mittel für ihren Lebensunterhalt erwarben. Ist cS ja bekannt, dass in der Zeit des Mittelalters die Juden den Welthandel vermittelten, namentlich auch die seltenen Erzeugnisse fremder Länder und Erdthcile hcrbeischasslen, und das; cs ferner unter ihnen stets hervorragende Acrzte gab, was dadurch leicht erklärlich ist. tveil die Arzncikunde die einzige Wissenschaft bildere, die der Jude praktisch verwcrthcn konnte, und der er sich desshalb, wollte er nicht ganz brodlose? Studium treiben, widmete. — Wenn der Verfasser triumphirend ansührt, datz Göthe über Moses Mcndclsfohv, den Vorbote» der kommende» Zeit, sich ziemlich geringschäpig äußert und von den „jüdischen Pfiffen" spricht, „mit denen der neue Sokrates zu Werke geh«", so will daS nicht viel heissen, denn Göthe hat eben noch gegen viele Andere Antipathie gehabt und war mit derselben überhaupt nicht zurückhaltend. ES lässt sich ja allerdings auch nicht leugnen, dass Göthe nicht ganz vom Vorurtheil gegen die Inden frei war, und darf uuS dies uursoweniger wundern, wenn wir sehen, wie tief noch heute, mehr als hundert Jahre, nachdem Lessing scincu „Nathan" geschrieben. dieses Bsrurthci! in so vielen Schichten des deutschen BolkcS wurzelt; aber von jener Gehässigkeit, die den neuen Antisemitismus erfüllt und die die alten Verfolgungen wieder hcraufbefchwören möchte, war der grosse Man» frei, der ja Amerika glücklich pries, weil es nicht mit den Ncbcrrcstcn des Mitte-alterS noch belastet sek. Wünschen wir, dass die weitere Entwickelung der Kultur und Humanität uns bald ganz und gar von diese» Uebcrrcstcn befreien, und dass Erscheinungen, wie daS Buch Viktor Hehn'S, in der komuicndcu Generation unmöglich seien. — Icitungsoachrichtcu nnb (Korrespondenzen. Deutschland. Schlüchtern, 4. Elnl. Eine Frau, welche cs kn hohem Grade verdient als Musterbild einer 'rn pm gepriesen zu werden, wurde heute zur letzte» Ruhe gebracht. Frau Ella Grüncbaum, Gattin dcS vor circa 14 Monaten dahier verstorbenen Aron Grünebaum, ist im Alter von 75 Jahren verschieden. Sie war eine jener jüdischen Fraucngesralten, wie sie von jeher als die leuchtendsten Zierden unseres Staimncs überall, wo sie gingen und standen, den milden, erquickenden Strahl göttlichen Segens und Friedens um sich verbreiteten, bereu Wirken und Schaffen sich bei allem Herrlichen, das es zur Aeusscrung dringt, dennoch so still und geräuschlos vollzieht, indem cs als das naturgcmässt Ausströmen ihres innersten Wesens erscheint, dass man erst, wenn solch ein reines Herzstille steht, der Vorzüglich' keil und Rühmcnswürdigkeit desselben rune wird. Die Verblichene und ihr seliger Gatte führte» eine musterhafte, jüdische Ehe. Früher, m Voll-

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