Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 69 (5.9.1887)
- Date
- 1887-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seit den Tagen, da Herr von Trcitschkc die Larminumncl rührte und mit seiner tönenden Vcrcdsamfcii gegen Juden und Judenthum seine Angrissc richtete, hat mancher Gelehrte und-Halbgelehrte das hohe Nos; des Antisemitismus bestiegen, und bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit sucht mau seitdem den Inden „wissenschaftlich" eins zu versessen. Ta liegt mir ein Buch vor, „Gedanken über von Viktor Helm. Ich habe den Titel dieses Werkes zuerst zufällig durch die „Kölner Zeitung" crsahren. die durch nichts weniger als durch nbergrosic Vorcingenommheil für die Juden bekannt ist, die sich aber nicht enthalten konnte, mit dem Verfasser wegen dessen bei den Haaren herbcigczogener Angriffe auf die Juden inS Gericht zu gehen. In der Thal wird gcwif; Jeder neugierig fein, zn erfahren, was die Juden als solche nlit einem Vnch, das Gedanken über Gölhc enthält, zu Ihn» haben, und wie der Verfasser eines solche» Vnchcs Gelegenheit finden kann, über sic hcrzufallcn. lyiiifin eingefleischten Antisemiten ist aber Alles möglich: cs ist ja heute einmal in manchen Kreisen zcitgemäsr, mit vornehmer Geringschätzung über Inden und Judcnthnm zu sprechen und zu schreiben: also warum sollte Viktor Hehn darin zurücküchcn und lelitc vielmehr,, ü-cjm er in der Lage in. die Welt mit einem neuen Werke zu beglücken, richt t»ic_ schöne t^clcgcnheil tvahruchliicn, seinem Antisemitismus dieZügc! schienen zu lassen. Wenn das, was er sagt, aber wenigstens originell wäre. Durchaus nicht.;)nm hundertsten und tausendsten Male ist cs z. V. schon gesagt lvorden, das; das Judcnthnm mit Heine und Vorne gar nichts zu schassen hat, denn wenn diese beiden auch nicht dem Glauben ihrer Väter untren geworden wären und der.Religion, in der sic geboren, den Ancken gekehrt hättcri, was ginge das Jndemhum tu:d was ginge die Juden in ihrer Gefammthcit an, was ein Einzelner, und sei er auch ein Heine oder Vorne begangen; was gehen uns Inden die Fehler und die Sünden 'Heine'« und Börne'« an? Aber ganz abgesehen von all dem, in das, was der Verlüsscr über diese beiden SdiriuücUcr sagt, deren grösstes Verbrechen cs in seinen Augen war. das; sie ('jöiljc nicht göttlich verehrten, so abgedroschen und so oft schon widerlegt, das; er nicht ans'» Acne damit hätte Kommen sollen. Ich will von seinen Herzensergüssen nur ewige Proben anfnhrcn, die :ch so beim zufälligen Hincinschcn in das Vnch weh; genommen habe. Ta heisst es z. V. „Wenn -V'cinc sang „„Mir ist, als ob die Hände auf's HLnpr Tir lege« soll:', betend, dass Gs:t Dich erhalte. so rein und schön und hold"" so schien cs, als wäre hier eine tief religiöse und sittliche Regnng laut geworden. Heine segnend! Heine betend! Are haben unreinere Hände gesegnet, nie ein über-. zcugnngSloscrcS Herz ein lästerlicheres Gebet eingcgcbcn! Wie würde er sich in's Fäustchen gelacht haben, wenn Ireuherzig-dunime Germanen sich von solchen Stückchen rühren liehen! Obgleich seine Lyrik eigentlich ausVcrnichtung lyrischcrStimmung berechnet tvar, fand sic doch bei musikalischen Componistcn, die auch nicht klüger waren als die übrige Welt, den grössten Beifall: Hcine's Gedichte ginge» auf „Flügeln de» Gesanges" von Haus zu Haus und überstrahlten die bescheidenen Göthc'schcn Licdcrtextc, sie haben durch Verwilderung des Geschmackes und Zerstörung der Unschuld des Herzens ebenso viel dazu bcigcrragc», unser« höchsten Schah, die Göthe'schc Tichtnug, der Aalion zu entfremde», als cs in mehr direkter Weife Börne that. War Hcine's Vcrhältniss zu Gölhc ein heuchlerisches und seilte Lyrik nur die Gnlhciligiing der Göthc'schcn, so hatte Börne mit semitischem Hast, wie ein anderer Hauuibal, dein Tichterhanptc den Tod geschworen, damit durch dessen Untergang das Feld frei werde für den jüdischfranzösischen Radikalismus." An einer anderen Stelle schreibt er: Tie Juden kämpften für die Freiheit, denn sic fühlten, das; mit dieser auch ihre, der Inden, Herrschaft gegeben sein musste." (In den Augen des Verfassers gilt cs schon für ein Verbrechen. tuen» Jemand für die Menschenrechte der Inden cintritt, weil er diese am liebsten wieder in die Ghctli zurückverbaunen möchte) „doch tvar dies nur das eine Motiv: das andere, liefere lag in der Vcripandrschaft des Liberalismus mit dem jüdischen Stammcharallcr; auch der Jude denkt in Gegcusäven und geht überall ans isolkrende Scheidung, nicht ans genetisch-organischen Zusammenhang. Wie die natürlichen und historischen Prozesse, so liegt auch die Knust dem jüdischen Genius fern: Die Wellenlinie der Schönheit, ihre innere Harmonie und geschlossene Form bleibt diesem springenden, ansrcihcndcn. in Wissen, Sprüchen, Sinuwortcn sich äusscrndcn Geiste unerreichbar." — Auch das „jüdische kapital" scheint'« dem Verfasser angcthan zu haben, denn er sagt: „Während nun in der Zeit vom Wiener Kongress bis zur Jnlirevolntion und nachher das Judcnthnm durch geniale, rechnende Finanz mit scharfem Blick für die Schwächen fremder Völker und den daraus zu ziehenden Nutze« in ungchcnrcr Accnmnlation des RcichthumS allmählich feine Weltherrschaft gründete u. s. w." Am meisten Mühe gibt sich der Verfasser, Göthc »an jeder Sympathie für irgend einen An-