Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 69 (5.9.1887)
- Date
- 1887-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449766--27122-2516984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
1256 Erklärern verschiedene Ansichten. Bartinora faßt die Lache figürlich ans, iiibcm er erklärt, daff das ganze Schöpsungswerk nur um der Thora willen crschasicn worden sei. Diese Auffassung cmspricht jedoch nicht dem Wortkantc unserer Mrschna. — Raschi dagegen faßt die Sache wörtlich auf. Die Thora spricht gleichsam: Ich bin das Handwerkzcug des Wcltcuschöpscrs gewesen, wie cs : 2*rcr vzz rr.*n ntx rvrjn vni .S’T'x rvirx-a ot *TrxT \:;p 'n „Durch „slesch'.ff" hat Gott die Welt erschaffen: denn die Thora heifft Ncschiff, wie sie ja selber von sich sagt: Ter Ewige hat mich erworben als den Erstling (Rc schiff) Leines Weges. — Raschi fuhrt für diese Deutung einen Midrasch uns vor, in welchem dieser Gedanke klargclcgt wird: „So ein Baumeister einen Balast erbauen will, so entwirft er zuerst Baurisse und Pläne, denen entsprechend die Stockwerke über einander gethürmt. die Eonidore angelegt, die Zimuier und Säle geformt werden sollen. So ist die Thora als ein Bauriff und Bauplan der Welt zu betrachten." — Auch dieser Midrasch bedarf der Erklärung. — Wir haben bereits in einem der vorhergehenden Kapitel zwei irrige Ansichieu in Bezug auf die Entstehung der Welt erwähnt. Tic Einen lehren, die Welt sei gar nicht erschaffen worden, sie sei vielinehr von ewig her so gewesen, die Anderen gestehen zwar zu, das; der einzige Gott der Schöpfer des Weltalls ist, meinen aber, daff die Welt auf ewiger«, uuabäirderlichen (Meschen beruhe, derart, daff die in der heiligen Schrift erzählten Wunder unmöglich seien. Das Indentbum hingegen lehrt, daff der einzige, allniächrige Gott die Welt nach Seinem freien Ermessen erschaffen habe, daff Er dabei nicht durch ttnuiilstöffliche Geseke der Rothwcndigkcit gebunden war. Aber dieses freie Ermessen des allmächtigen (Lottes ist zugleich der Ausfluß der größten Weisheit. Wenn Gott gewollt hätte, so hätte Er cS einrichtcn können, daff die Erde statt in "07» Tagen in looo oder in nur 100 Tagen ihren Ltreislanf vollende: Er hätte das trockene t'aub und das Meer, die Menscherr, dic Thiere und Psianzcu anders gestalten können, wenn Er gewollt hätte- Taff aber Gott die Welt so gestaltet hat, rvic sic ist. das ist Seiner Weisheit gemäß geschehen, nach der Weisheit, welche in der Thora uns _ ist offenbart worden. Tic Gestaltung der großen Himmelskörper und ihr regelmäßiger .Kreislauf entspricht den Vorschriften der Thora, welche die Teste nach den Jahreszeiten ordnen. Tie (Gestaltung des festen Landes und der Meere, die Beschaffenheit der Thicre und der Pflanzen entsprechen den Bedürfnissen des Menschen, der da im Ebenbilde (SotteS ist erschaffen worden. Die Organisation des Menschen beruht auf dem Grundsape der Freiheit, des freien Willens, der freien Wahl, ans welchen sich die Begriffe von Tugend und Laster, von Recht und Unrecht, von Wahrheit und Lüge, von Sittenrcinhert und Sittenlosigkeit auferbanen. In der Thora wird uns gelehrt, was recht, was unrecht ist, was wir thnn, was wir unterlaffen sollen; es wird gelehrt, daß Gott ein liebevoller Barer ist, der die Tugendhaften belohnt, ein strenger Richter, der die Bösen bestraft. Diesen Grundsäytn entsprechend ist die ganze Welt orgamsirt: die großen Himmelskörper, Berge, Thälcr, Ebenen, Meere, Ilüsse, Bäche, Thicre, Bögel, Tische, Bäume. .(kräuter. Blumen — sic alle sind für den Menschen eingerichtet, und der Mensch ist so organisirt, daff er nach den Borschristcn der Thora zu leben vermag. In dicsern Sinne enthält die Thora die Grnndzüge und das Grnndwescn des Universums: sic ist der Bauplan, nach welchem Gott, der Welrcnschöpfcr, der Wcltenvamncister, Seine Welt geschaffen und eingerichtet hat. — Welch große Bevorzugung ist cs demnach für Israel, doff ihm diese wunderbare herrliche Thora zum Geschenk ist gegeben worden! Tas ganze Weltall ist nach den in der Thora enthaltenen Grnndsäken aufgebant worden, und wer nach den Borschristcn der Thora sein Thun und Laffcn ci>«richrct, entspricht dem Schöpsnngswcrkc des Universums. Israel ist und bleibt — mag cs auch in tiefster Erniedrigmkg schmachrcn — die erste und vorzüglichste unter allen Stationen, so lange cs die Thora sich erhält, das köstliche Werkzeug, durch das Gott die Welt erschaffen. (ForlscLung folgt.) „HedanKen über Hö11)e" — und die Juden. Tranksuft a. M., im August. Ter Antisemitismus ist eine schlimme und bösartige Krankheit, die die Volksseele vergiftet und eine Verderben tragende und Unheil hcrvorbringcnde Saat ansstrcnt. Aber gefährlicher noch als diejenige Art des Antisemitismus, die sich auf den Gassen und in den Bolsvcrsammlungcn breit macht, dort mit blindem Halse allen Boden untcrwühlcnd und die Leidenschaft der Menge erregend, ist derjenige, der eindringt in die Hallen der Wissenschaft, denn er erzeugt Bornrtbcile, wo nur Klarheit erstrebt werden, er schaff: Lüge und Tiustcrniß, wo nur Wahrheit das Lonmgswort sein sollte; er ist dort das bestechende (Äst. das „die Augen der Weisen blendet und die Worte der Gerechten verdreht."