Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 68 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1244 also nicht verbindend wären. Es war dann nichts als (Konsequenz, daß man auch die Gesetze, welche klar und deutlich in der Schrift stehen, nicht mehr beachtete; mau kannte sie ]ü auch »ich!. Das ist der Fluch der Unwissenheit, daß sie fortzeugend Unwissenheit muß gebären und immer weitere Gcsctzcsverletzung nach sich zieht, so daß man mit kecker Stirne auch das heiligste Gebot verletzt und sich besten rühmt als eine Heldeuthat des aufgeklärten Geistes unseres Jahrhunderts. Tie traurige Wahrheit, die sich jedem denkenden Menschen aufdrängt, daß besonders auf dem Gebiete der höchsten Wahrheit, der Gottcserkenntniß Jeder, und fei er noch so unwissend auf diesem Gebiete, in anmaßendster Weise sein vernichtendes Unheil abgibt, als ob er, der vielleicht in seinem ganzen Leben noch nie einen ernsteren, tieferen Gedanken gedacht, der kaum eine Ahnung davon hat, was Lenken heißt, in die geheimsten Rächfel der Schöpfung eingedrungcn wäre, als ob ihm alle Gchcimnistc der Natur erschlossen wären, während doch nur — die Gedankenlosigkeit auf seiner Stirne ihren Sitz ausgeschlagen: Tiefe traurige Erscheinung birgt dennoch einen Schimmer von Hoffnung und Trost in sich, daß nämlich der gesunde Sinn unserer Zeit auch diesen Schwindel auf geistigem Gebiete endlich bloslegcn und ihm ein gleich schmähliches Ende bereiten wird, wie er cS mit dem Schwindel auf vielen anderen Gebieten schon gethan hat und noch weiter ihm cntgcgcntritt. Wir gehen dem entgegen. Tiefer Tag wird fast ausnahmslos von unserem ganzen Volke noch strenge gefeiert. Ter Grundgedanke dieses Tages ist, daß wir uns mit Gott aussöhncn. Seine Verzeihung erlangen wollen. Tiefer Gedanke setzt voraus, daß Gott auf jeden Einzelnen merkt und achtet, auf ihn hört, ihm vergibt und verzeiht. Welcher moderne Jude aber glaubt noch an diese Auffassung über Gott und unser Vcrhältniß zu Ihm? Tas verträgt sich ja gar nicht mit seiner Weltanschauung. Wo bleibt da die Konsequenz? Wem sollen wir Glauben schenken? Tcm Worte des modernen Inden oder der seinem Worte widersprechenden Handlungsweise? Tas Vorlescn aus der mm gehört auch in den Rcsormstmagogcn zum Ritus. Und doch erklärt man den größten Inhalt derselben a'. geschafft, sagt sich thatsächlich davon kos: stellt sich aber öffentlich hin im Gotteshaufe und dankt Gort und preist Ihn dafür, daß Gr uns Seine irra gegeben? Sollte man die Bedeutung der rsr-m nrc nicht wissen? Freilich bei solcher Jnconscqncn; und solcher Unwissenheit ist es nicht zu verwundert!, wenn man das Verbot von 'v exsn „Füget nichts hinzu re." fort und fort Übertritt. Es ist daher auch nicht zu verwunden!, daß Jeder, auch der unwissendste Jude, sich düs Nrchi üllttlüvl, hinzu zusugrn und hm» wegzunchmen wie cs ihm beliebt. Aber die Folgen bleiben auch nicht aus. Tie Männer der Neuzeit, die in böser Absicht das Wort Gottes verringern, es herabzusetzcn versuchen, sie schließen sich selbst aus, aus der Gemeinschaft unseres Volkes, verschließen sich absichtlich allem Vcrftändniß für die große Wahrheit ihrer Nclkgkon. sind taub und blind für all das Erhabene urrd Große desIudenthums, versperren sich selbst den Weg, den die ganze Menschheit, alle Deuker und Forscher, die edelsten und besten Geister aller Nationen von jeher als den einzig erstrebenswerthcn ausgesucht. Es ist nicht der Zeitgeist, sondern eine Verirrung unserer Zeit, daß besonders der Jude, der eine so klare Gotteserkcnntniß hat, diese aufgibk. Wenn rnan auch wähnte, daß der Zeitgeist aus Umsturz der Gottesidee kühn hinarbeitete, und daß cs ihrn, weil einige Forscher das kurzweg bcharrpteteu, gelingen werde: so zeigt uns ein Blick aus die Gcsammthcrt der gebildeten, denkenden Welt, daß diese Bewegung auf dem Gebiete der obersten Wahrheit ihren naturgemäßen Verlauf nimmt. Tie gesunden Ideen, die Wahrheit und gerade die vom Judeuthum gelehrte Wahrheit von einem Wcltenschöpscr und -Vater, die Jahrtausende bindurch obsiegte, die gegen die heidnische Weltanschauung, wie auch gegen die philosophischen Hypothesen immer ankärnpsen mußte und imnlcr wieder zur Geltung kam und Gemeingut der Gesammtwelt, auch der heutigen, geworden ist. kann nicht widerlegt, sondern nur geleugnet werden. Diese Unveränderlichk.it unserer Gottcsanschauung verdanken wir unserem unveränderlichen Gesetze mit seiner Wanumgsrafel: „Füge nichts hinzu, nimm auch nichts davon." Möge diese Erfahrung von Jahrtausenden auch uns heute ermuthigen, bei unferem Gesetze auszuharren, es unS unverfälscht und unverkürzt zn erhalten. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzea. Deutschland. Aus dem Kreise Wreschen, 28. August. Ja der kürzlich abaehaltcnen Sitzung der Mitglieder desKuratoriums und der Lehrer der staatlichen Fortbildungsschule zu Milos!aw wurde beschlossen, den Unterricht von Freirag aus Tonnerstag zu verlege», da die jüdischen Lehrlinge des am Freitag