Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 68 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1245 Abend obzuhaltcndcn Gottesdienst wegen den Unterricht thcilwcise oder gänzlich versäumen, dann aber auch beim Erscheinen sich des Schreibens enthalten. Auch LN der Fortbildungsschule in der ürcistzadt sind seitens des königlichen Ürcis-Schul-Inspektors die Unterrichtsstunden derart gelegt worden, das; der unterrichtende jüdische Lehrer am Freitage vom Unterrichte ganz frei ist.. Rumänien. Pr. C. Bukarest, 18. August. Zn Ihrer Meldung von dem Abbrcnncn des Tempels in Galatz kan» ich die andere eines Feuers in Folticiüiii hinzufügcn, welches am 2. c. ffattgchadt und vierzig Häuser in Asche legte. Auch der Tempelbraud in Galatz ist mir kurz danach bekannt geworden. ich habe jedoch eine gcrviffe Scheu solche Nachrichten öfter zu bringen. Näheres ans Foltizani fehlt noch, da aber auch hier im Ecutrum gebrannt bar, so sind cs, wie ich die Stadt nach einem persönlichen Aufenthalt kenne, wohl wieder Israeliten, die rninirt wurden. Es verdient vielleicht bemerkt zu werden, daß die Foltizcnicr Israeliten kurz vorher etwa .T>oo Frs. für Bottufchan gezeichnet hatten — ob sic das (*s>clb schon abgeschickt hatten, weift ich nicht — während die Galakcr am Tage vorher im Tempel cincu Gottesdienst mit Entree abhicltcn, der ca. 120«» FrS. cinbrachle. Jetzt können sic die Gelder für sich brauchen. Türkei. Lalonichi. Ter „Israeli!" hat vor einiger Zeit eine Schilderung der Gebräuche und Ecrcmoriicn bei einer jüdischen Hochzeit in Hillch (Babe!) am Euphrat veröffentlicht. Es dürfte daher Ihr geehrtes Lcscpnblikum auch intercssircu zu erfahren, wir cs bci einer Hochzeit irr unserer Gcrueiude .zugcht. An seinem Ehrentage begibt sich der Bräutigam in Gesellschaft seiner Anverwandten nnd Freunde unter Tromvctennnd Pankenschall in die Wohunng seiner Auserkorenen, an deren Pforte er von den Familienmitgliedern der Letzteren ehrfurchtsvoll begrünt und in das Innere des Hauses, gewöhnlich in den Enipfangssalo» oder i» das Svrcckzimmcr geleitet wird. Nach kurzem Anfcnthalrc hier vcriügt sich der Bräutigam in die Llchilah (Synagoge, Methans) der er als Mitglied angchört, wo ihn schon sämmtliche zur HoLzcit geladenen Götze erwarten. Sein Play hier ist heute nun gleich neben dem rrpn p*e, wobei er zu seiner Rechten seinen Vater oder seinen Vormund und zur Linken seinen Schwiegervater oder dessen Stellvertreter hat. Der Hasan übcrbringt in Begleitung zweier Dajanim dem Bräutigam die irtcn (Ehcpactcn), worauf er sogleich das Minchagcbet antzimmt. Bei demselbert lvird heule n^cpn übersprungen, dagegen werden Äadisch und 5leduschah nicht gesagt, sondern gesungen. Nach Beendigung des Gebetes verlassen alle Anwesenden das Gotteshaus und stellen sich ausserhalb desselben in zwei Reihen auf, nm den Bräutigam durchgehen zu lassen. Letzterer begibt sich nun zurück in seine väterliche Wohnung, wäh* rcnd der Schamcss ihm voranschreitct und laut im spaniolischcn Dialccte verkündet, dass sich heute Herr N. N. mit Fränlcn X.?). vermählen werde. Hinter dem Bräutigam kommen dann die schon erwähnten zwei Dajanim und dann die übrigen Hochzcitsgäste. Bon hier ans geht eS wieder nach dem Hause der Braut, die unterdessen schon auf einer Art Thron oder sonstigem Ehrcnsitz Platz genommen hat, während zu ihrer Rechten ihre Mutter und zur Linken die Schwicgernmttcr sitzt. Hinter dem Rücken der Braut ist an der Wand ein Parochcth befestigt. Der Bräutigam stellt sich nun gegenüber seiner Braut, worauf zwei seiner Jugendfreunde über dem jungen Paar einen Talith ansgcbreitct halten, der gewöhnlich ein Geschenk der Braut ist und den der Bräutigam heute beim Michagebct zum ersten Male gebraucht hatte. Ter Rabbiner nimmt mm die Trauung vor, doch ist cs Sitte, dass zwei Rabbiner oder zwei Hasanim sich in die Berachoth lScgcnsprüchc) rh-ilcii, damit nicht cinundicselbe Pcri'on zweimal: •■£ *0:3 sage. Die Sitte, dem Bräutigam ein Glas unter die Füsse zu geben, damit er cs zerbreche, kennt man hier nicht, dagegen wird vom Schamctz ein Glas oder eine Schale zerbrochen, als rvrn pvö 137 (eine Erinnerung an die Zerstörung des heiligen Tempels.) Nachher begibt sich der Bräutigam ruit seinem Vater und den zwei Dajanim in ein separates Zimmer, wo Letztere die Lretubah verlesen. Dieselben untcrfcrligcn dann dieses Schriftstück, auf das dann auch der Bräutigam feinen Namen fetzt. - Früher pflegte man die Hetubah blos auf Pergament zu schreibe», jetzt schreibt man sic aber auch auf gewöhnliches Papier. Es werden nun die rr.rcn 3ry:r (sieben Festtage) abgchalten, an denen die Tafclfrcuden mit Gesang und andere Bcluftignuge» abwcchscln. Am Sabbath nach der Hochzeit erhält der Bräutigam gleichfalls einen Ehrensik in der Synagoge und ist er heute dort auch der Gegenstand besonderer Aufmerksamkeiten.