Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-09-01 · Heft 68 (1.9.1887) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 68 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449765--27105-2516966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1240 rer Gemeinde, sondern auch unser Eultusvorstaud und viele Ebachomim bctheiligtcn. errrrrw nr.rn c*’rei. ">njs rrins Cbßlcid) unsere Gemcindemitglieder fast ausschließlich Geschäftsleute sind und daher wenig Zeit haben, sich mit Idealen zu beschäftigen, so huldigt man doch noch gerne den Gebräuchen der Väter und beobachtet sic nach Tbunlichkcit. 2o wird daS Lag-Boaumerfest noch strenge hier beobachtet, und Jung und Alt eilt an diesem Tage in die Snuagoge des Propheten Elias, um daselbst ein Seclenlicht für Rabbi Simon Ben Iochai Why ir wer enn *»n? anzuzünden, da dieser Name auch hier in Egypten hochgchalten wird. Feuittcton. Jie verschwundene Erbschaft. l?ine (Erzählung vo» L. Hause. l. Es war eine still-gcmülhlichc Häuslichkeit, die in der Wohnung des Rabbiners Tr. Rüben in dem Gcbirgsstädtchcn M. waltete, die Jeden gleich bei seinem Eintritte umfing. Tr. Rüben wohnte Mer mit seiner Tochter, welche zu der Zeit, in welcher unsere Geschichte spielt, 16 Jahre zählte, und einer alten Ticnstmagd, die schon seit seiner V rhciralhnng bei ihm in Thätig'cit war. allein im Hanse. Tas Hau» war Eigenthum der israelitischen Gemeinde. Es bot der Räumlichkeiten nicht viele dar. Ein Wohnzimmer, ein kleines Studii-zimmcr und zwei Schlafstuben nebst einem kleinen Schlafgcmach für die Ticnstmagd machte» die Wohnräumlichkcitcu des Hauses ans; cs war im vorigen Jahrhundert erbaut worden, und die bescheidenen Ansprüche, welche die Menschen der damaligen Zeit zu stellen gewohnt waren, waren auch hinsichtlich ihrer wohnlichen Einrichtungen massgebend. Für Tr. Stuben gingen übrigens hieraus auch durchaus keine Unbequemlichkeiten hervor, da seine Familie sehr klein und er für seine Person überaus anspruchloser-Natur war. Tcm Fremden aber, der diese Räume betrat, leuchtete hier beim ersten Blicke ein so trauliches Familienhcim entgegen, daß cS ihm schien, als bedinge die Knappheit des Raumes die Hcrvorbringung dieses Eindruckes und fei erforderlich zu demselben. Es war aber nicht dieses, es war vielmehr die hübsche und dabei doch aller gesuchten Prunkhastigkcit entbehrende Ausstattung der Wohnung. die musterhafte Ordnung und die tadellose Reinlichkeit und mehr noch, als alles dieses, das herzliche Wesen der Menschen, welche hier hausten. welche diesen wohlthuendcn Eindruck hervorbrachten. Es tvar bei Tr. Rnbcn immer so gewesen, lichtvoller, herzbestrickender noch als seine Gattin nocv lebte, welche vor vier Jahren, in der Blüthe ihres Lebens, einer Lungenentzündung erlag. Sic war ein herrliches, durch äußere und innere Vorzüge ausgezeichnetes Weib, deren Hkutritt bei Allen, die sie kannten. Schmerz und Trauer erregte und Gatten und Kind lange tief nicdcrbcngte. Tie Zeit, die still und langsam tröstende, verbunden mit der herzlichen Frömmigkeit und Kottcrgcbung des Mannes, hatten zwar endlich die tiefe Herzenswunde äußerlich verharrschcn gemacht: eine stille innere Trauer hatte aber, ohne daß er es wollte, bleibend von seinem Herzen Besitz genommen und machte sich durch Le» tiefen Ernst bemerklich. der seit jener Zeit aus seinem Wesen lagerte. Tiefer wich aber, oder cs schic» doch so, sobald sein Mund sich zum Sprechen öffnete, sei cs zu einem seiner Hausgenossen oder zu einem Fremden. Tann brach immer wieder die altgewohnte, herzgewinnende Freundlichkeit hervor, welche den Umgang mit ihm so angenehm und seine Persönlichkeit so sympathisch machte. Menschenfreundlichkeit machte so sehr den Grundzug seines Eharakters aus, daß selbst der ihn betroffene harte Schlag sie nicht abzufchwächen und zu verdüstern vermochte. Tas Licht seines Lebens aber, das selbst in den ernstesten Stunden sein Herz noch mit einem Freuden- und Glückcsschciu erfüllte, war seine Tochter, die einzige Frucht seiner Ehe, zwar eine zarte Knospe noch, aber doch schon ganz daS Ebenbild ihrer Mutter und zwar nicht blos in ihrer äußeren Erscheinung, sondern auch ihrem ganzen inncrn Wesen nach. Von der Mutter hatte sic auch den LchönhcitS- und Ordnungssinn, welchen sie, trotz ihrer Jugend, im Haufe bethätigte und mir welchen! sic die häusliche Ordnung und Einrichtung ganz im Geiste und in der Art und Weise der Mutter überwachte und pflegte. Zwar war sie durch Schularbeiten viel in Anspruch gcnommcu. da sie aus den Wunsch des Vaters das Lchreriuscminar besuchte; das hinderte sic aber nicht, auch den wirthschastlichen Erfordernissen des Hauses, dem eigentlichen, weil natürlichsten, Arbcilsfclde des Weibes, ihre volle Aufmerksamkeit undThäügkcit zuzuwendcn. Ihre vorzügliche geistige Begebung ließ sie die sich selbst aufgelegte Toppclarbeit leicht überwinden. Tie Uhr des Kirchthumes hatte bereits die Mittagsstunde ausgeschlagen, als das junge Mädchen, Therese mit Ramcn, die Büchermappe unter dem Arme, ans der Schule kam und in das Wohn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.