Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 66 (25.8.1887)
- Date
- 1887-08-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1206 Religionsgcbot. Die Liberalen, welche jetzt wohl , l schon die Majorität bilden, , sind vollständig | i „deutsch" d. li. europäisch gekleidet und lassen sich zum großen Thcil den Bart, wie landesüblich, schneiden. Tics ist der hauptsächlichste und erkennbare Unterschied, ferner halten die Letzteren die profane Bildung sür's Leben uothwendig, während die Erstercn hebräisches Wissen für allein ausreichend, der allergrößte Thcil von ihnen aber, sämmtlich den unteren und untersten Ständen angchörig, weder bebräisch-talmudische noch profanes Bildung besitzt. Während also die „Meschumudim",^d. h. diejenigen, die sich „deutsch" tragen, ihre Binder, neben hebräischen Hausunrerricht, in christliche Staats- oder israelitischen Brivatschulen schicken, um dazu auch verschiedene Sprachen und anderes Wisscnswerthe v.i lernen, begnügen sich die Anderen mit dem ckedcrmäßigcn „Tawenan" (Gebeklcscn! und „(>hnmisch" event. Ebumisch mit Anfängen von Raschi, denn zu mehr sind sie zu arm und müssen frühzeitig zu Handel und Handwerk übergehen, freilich gibt es auch eine erkleckliche Anzahl namentlich von der jungen (Generation, welche viele Rellgionsgebore und- Gedränche nicht mehr halten, obwohl sie sich offen zürn Iudernh'.rm bekennen. Allein mit diesen sind die „Liberalen", welche zur Führung der Gemeindcangc legcnheiten berufe» sind, nickt identisch und nicht solidarisch. Sie sind eben auf ihre eigene Rechnung unreligiös und haben mir dem onsizicllcn Iudemhnm, wenn ich es so nennen soll, nichts zu thun, und auf Letzteres kommt es doch wolrl allein an. Ich habe cs für nöthig gehalten diese Abschwekü:::g zu machen, weil ich für das, was folgen soll, einfür alle Äal fcsisrellen will, daß in Ermangelung Wirklich-religiösen, prinzipiellen Auseinandcrgehcrrs auch die ununterbrochenen Streitigkeiten in den Gemeinden einen solchen Grund nicht haben. (vs iü indrß natürlich und erklärlich, das; bei einem solchen Wrrrsa! von nd üntcrabtbeilnngcn, wie ich sie in dem voraugcgangeuc» Absatz gegeben, in erster Reihe die vorhandenen oder mi.- gebrachrerr Nationalcharaktcre dazu beitragen, daß die einzelnen Besiandtheile ihren eigenen Weg gehen. Freiwillig können die verschiedenen (vlcmciite mit einander nicht dannonire», sic müßten von einer obersten (Gewalt unter einen Hut gebracht und unablässig überwacht, zusamurengehalren werden. Tie lllcgicrung aber — cs war auch damals, die „liberale" des Herrn Bratianu — hat im Jahre . endgiltig durch den schon erwähnten Minisrerialdeschlnß ui i t Absicht ihre Autorität a u f g c g e b c n und den Zerfall, der schon in der Natur der, Sache liegt, in jeder Weife gefördert. Nebelwollende Leute innerhalb der Gemeinden, die nach der Sitte des Landes Rumänien cvcusüus nach „Macht" strebte», haben die Gemeinden damals und schon lange vorher unterwühlt und den Untergang ihrer Institutionen bewirkt. So ist cs noch heutzutage. Während die Scphardim, nachdem ihnen die Anerkennung als össcutkiche Religionsgemeinschaft entzogen wurde, in Folge ihrer Einheitlichkeit, sich als private Religionsvercine konsiituircn konuten, ist dies bei den Aschkenasim bis jetzt nicht erreichbar. Bon Zeit zu Zeit wird von Bcffcrgesinuten ein Verein gegründet, mit dem Zweck Schule, lil rankenhaus, Armenpflege u. s. w. wieder zu beleben. 'Allein nach mehr oder weniger kurzem Bestehen geht der Privatverci» aus Mangel jeglicher Unterstützung sciterrs der Negierung, durch fehlendes Berständniß beim Mittelstände, ganz besonders durch Indolenz der Reichen, die sich nur um ihren Rcichlhum kümmern, und durch Intriguen von Solche», die um jeden Preis cmporzukonrmcn suchen, zu Grunde. Ziel- und zwanglos, wie man ist, läßt sich selten Jemand von seinem guten Gewissen und vom Gcnlcinsin» leiten, um eilten Privatverein in'S Leben zu Ulfen, und ebenso geht es in der Bcrwaltnng der Gemelndcangelegcnheiten, wenn man überhaupt den Anlauf gemacht hat, eine Art Gemeinde herznstellen. Wenn nicht Schlimmeres, wie z. B. die Absicht, sich durch die Gcmtlndcvergabungen oder sonstwie zu bereichern, so sind falscher Ehrgeiz und leere Eitelkeiten die Hauptleidcuschastcli,'welche das faam errichtete Gemeinwesen vernichten. Jeder fühlt in sich die Fähigkeit und die Berechtigung, wen» schon nicht das Haupt, so doch einer der Leiter der Gemeinde zu sein! So ist eS in der größter», so in der kleinsten Stadt, lieber ganz unbedeutende Tinge entstehen, Streitigkeiten, und Jeder will absolut Recht behalten. Turch die Richtigkeiten verabsäumt man die wichtigsten Angelcgcnheücn, und darnrn errtstehen neue Feindschaften, wen» die früheren endlich beigelcgt sind. Lei diesen Gelcgenhcircll entstehen größere oder kleinere Parteien, die sich von der Gcsamnltgcmeiudc ablösen. aber ohne eine regelrechte Bereinigung cinzugehen. Es sind eben blss einzelne Streber und Jntriguanteu, die sich einen Anhang zu verschallen wissen, durch Borrheile. die sie bieten. Dadurch werden die Einkünfte der Gesammrgemcinde geschmälert und zum Thcll bei den Streitigkeiten verzettelt, ohne für Schule, Wohlihäng'cir oder Srrnazsgennnd Rabbiner etwas zu thun. Es handelt sich eben dkoS darum, die