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Der Israelit · 1887-08-25 · Heft 66 (25.8.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 66 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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] I \ 1207 landläufige Ambition um jeden Preis durch',uführcn. Das „Wohl" der Gemeinde ist der Borwand, der Schochet das Mittel zum eigenen Ruin. Mit Auflösung des Religion«-Vereins geht auch alles von den Besseren desselben (Errichtete, vornehmlich aber und zum größten Leidwesen, das von alter Zeit vorhandene Vermögen der Gemeinde, bestehend in Hausgrundstücken und andere Liegenschaften der Vernichtung entgegen, indem dieses Vermögen, ohne Aufficht gelassen, entweder den willkürlichen Expropriationen als bona vacantia den Behörden oder der Ausnutzung charakterloser Gcmcindcmitglicdcr, oder endlich dem Verfall und der Verwahrlosung anhcimfallen. Ties in großen Strichen die gemeindlichen Zustände, des auch bei Beurtheilung der allgemeinen, d. h. politischen Lage, am meisten in Betracht kommenden Thciles der israelitischen Bevölkerung Rumäniens. Tie Aschkenafischcn kommen darum am meisten in Betracht, weil ein Anschluß der Scphardier unter keinen Umständen zu bewirken ist, und Letztere, die ja nur im unteren Landesthcilc wohnen, auch in verschwindender Minorität sich befinden. Tic rumänischen ^liberalen" Machthaber haben sehr wohl gewußt, was sie thaten, als sie, ohne die Israeliten mit rcligionsgcmcindlichcn Machtvollkommenheiten (das Recht als juristische Person, Korporationsrcchte) auszunisten, ihre „Nichteinmischung" in die israelitischen Angelegenheiten dcktretirten. Nächst ihrer ^Passivität" war cs par exeellence ihre Absicht, dic Gegcnsäxc und Vellcitätcn unter den einzelnen Bestandthcilcn der rumänischen Israeliten zu begünstigen und zu verschärfen (dies wurde auch durch verschiedene ungerechte und willkürliche P r o z e tz u r t h e i l c im Lause der Jahre bewirkt), um durch Aufhebung des Gemcindeanschens, durch Schädigung oder gänzliche Aushebung der Gemcindecinkünftc und als deren nächste Folge, den Ruin der Gcmcindeinstitutionen, in erster Reihe der Schn len, demnach durch Förderung der Unbildung und als deren folgen die bösen Leidenschaften, die Indolenz, Herrschsucht, Eigennutz, Gcwincnlosigkcit u. s. w., um dadurch ihren Zweck, die Vernichtung der rumänischen Israeliten, zu erreichen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. England. London, 22. August. In dem Falle des Polen Israel Lipski entschied am Sonnabend der Minister des Innern, Matthews, keinen weiteren Aufschub der Hinrichtung zu bewilligen und der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Als der Der» uriycute von bicfcm Entschlüsse in Kenntmß gesetzt und ihm jangekündigt wurde, daß das über ihn verhängte Todesurtheil Montag früh 8 Uhr unfehlbar vollstreckt werden würde, legte er gestern (Sonntag) in Gegenwart eines jüdischen Geistlichen, deS Predigers Simeon Singer (von der Synagoge am Pctersbonrg Platze, Bayswater) und des Gouverneurs des Ncwgategefängnisses ein umfassendes Bekcnntniß seiner Schuld ab. Das Geständniß lautet wie folgt : „Ich, Israel Lipski, wünsche, che ich vor Gottes Gericht erscheine, die ganze Wahrheit zu sagen bezüglich des Verbrechens, dessen ich beschuldigt bin. Ich will nicht mit einer Lüge auf meinen Lippen sterben. Ich will nicht Andere, selbst auf den Verdacht hin, für meine Sünden leiden lassen. Ich alleim bin des an Miriam Angel begangenen Morde» schuldig. Ich glaubte, daß die Frau Geld in ihrem Zimmer habe. Ta die Thür nicht verschlossen war. trat ich ein, während die Frau schlief. Ich dachte nicht daran, ihr Gewalt anzuthun; ich nahte mich ihr durchaus nicht zu diesem Zwecke, noch süglc ich ihr in dieser Weise ein Leid zu. Miriam Angel erwachte, ehe ich nach dem Gelbe suchen konnte, und ries um Hilfe, aber sehr leise. Ich versetzte ihr alsdann einen Schlag auf den Kopf, packte sie am Halse und hielt ihr mit der Hand den Mund zu, damit sie nicht die Aufmerk» samkcit der übrigen Bewohner des Hanfes erwecken könnte. Ich war lange meines Lebens müde und hatte mir an jenem Morgen für einen Penny Schcidewasscr gekauft, um mich selbst umzubringcn. Plötzlich dachte ich an das Fläschchen, das ich in meiner Tasche hatte, zog cS hervor und goß ihr etwas von denen Inhalt in die Kehle. L-ic wurde von einer Ohnmacht befallen, und, meine verzweifelte Lage cinschcnd, verschluckte ich den Rest. Tas Fläschchen war ein altes, das ich früher benutzt hatte, und dasselbe, welches ich mit mir nach dem Oclladcn genommen hatte. Die von mir verschluckte Quantität Scherdcwüsser verfehlte ihre Wirkung auf mich. Ta ich wähnte, daß Leute die Treppe hinaufkamcn, kroch ich unter das Bett. Tie Frau schien bereits todt zu sein. Zwischen dem Augenblick meines Eintretens in das Zimmer und meiner Wegsührung lag nur eine kurze Spanne Zeit. In der Aufregung wurde auch ich von einer Ohnmacht befallen. Ich weiß nicht, wie cs kam, daß die Haut an meinen Armen geritzt wurde, denn ich habe nichts davon gemerkt. Ich selber verschloß die Thüre unver-mglich, nachdem ich das Zimmer

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