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Der Israelit · 1887-08-25 · Heft 66 (25.8.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 66 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1198 feit mit Gott ihren Ursprung haben, geht auS einem Vorzüge des Menschen vor dem Thiere hervor, dessen richtige oder unnchtige Anwendung ihn entweder unter daS Thier stellt oder ihn hoch emporhebt: wir meinen die Eigcnthümlichkeit der Ungenügsamfeit, welche dem Menschen eigen ist, während das Thier sie nicht fennt. Ist das Thier gesättigt, so verlangt es und will es nichts weiter. Vom Menschen aber lehren unsre Weisen:-Kein Mensch stirbt,' der auch nur die Hälfte seines GelüstenS erreicht hätte. Hat er Hunger, so verlangt er nach Sättigung. Hat er so viel erreicht, daß er für die nothwenoigsten Lebensbedürfnisse nicht nrebr zu sorgen braucht, so verlangt er nach Vergnügen. Lustbarkeiten, Reichthum, Ehre, Macht, Ruhm und nach lausend andern Tingen. Er ist unersättlich in Bezug auf die irdischen Tinge und verfällt dadurch oft in Lunde und Laster. Mag er noch so viel besitzen, noch so viel geniesten, mag er wie der macedonifche Alexander oder wie der erste Napoleon eine Welt zu seinen Füstcn sehen, unumschränft gebietend über alle Schätze der Erde, mögen Könige ihm die Friste küssen und Millionen von Menschen stets bereit sein, jeden seiner Wünsche zu erfüllen — seine Gier wird unbefriedigt, sein Turst ungestillt bleiben. So wird dieser hohe Vorzug des Menschen, der ursprünglich, edle Trieb, der über die Erlangung des Nothwendigen und Gewöhnlichen hinausgeht, sehr oft zur Klippe, au welcher das Lebensglück der meisten Menschen scheitert. Ganz anders aber verhält es sich mit dem Menschen, welcher diesen edlen Trieb zur Erlangung der höchsten Güter der Menschheit, zur Erlangung der Weisheit, der Tugend, der Vollkommenheit anweudet. Ta gibt es beglückende, befeeligende Sättigung. So hat es auch Tavid ausgesprochen (Psalm ist. B. 11): „Du wirst mir kundthun den Pfad des Lebens, Sättigung der Freude» ist vor Deinem Angesichte, in Deiner Rechten Seeligkcit auf ewig." Während der, tvelchen es nur nach irdischen Gütern gelüstet, an seiner Unersättlichkeit zu Grunde geht, wird derjenige, welcher nach den ewigen, unvergänglichen Gütern strebt, das höchste Ziel erreichen. Rur Wenige jedoch sirtd sich in dieser Beziehung ihrer Gottähnlichkeit bewußt, und so klagt David (Psalm 39. B. 7.): yv xrv •cs* ,p*c.*r ~,x fr*x ■pr.rv er» ■;« :C£3X *D „Nur begeistert von dem Gedanken der Gottähnlichkeit sollte hienieden tvallen der Mann; allein die graste Menge strebt nur nach Eitlem, Schätze aufzuhäusen, von denen man nicht weist, wer sie einthun wird." Nachdem wir dieser erörtert, finden wir ia den Worten Rabbi Akiba's nicht allein daS Gebot der Nächstenliebe, sondern auch eine andere graste Lehre ausgesprochen. Am Ansange dieses Buches mahnt Akabja den Mahalalel: „Bedenke deinen geringen und unbedeutenden Ursprung, damit der Stolz dich nicht zur Sünde verleite!" Hier ruft Rabbi Akiba uns zu: Bevorzugt ist der Mensch, da er im Ebcnbilde Gottes ist erschaffe» worden, und desthalb sei stets eingedenk deines grasten und erhabenen Ursprungs, damit du deines Vaters im Himmel stets würdig bleibest, der dich in Seinem Ebenbilde erschaffen hat! „Nur begeistert und durchdrungen von der Ebenbildlichkeit mit Gott soll der Mensch auf Erden wandeln und nicht eitlen Tingen nachjagen, nicht Schätze sammeln, die er hienieden zurücklaffcu must; denn Alles, was ich ersehne, ist, bei Dir zu weilen, mein Gott, meine Hoffnung ist, mit Dir auf ewig vereint zu sein." (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. xrv2 rtre -.2 pns\ü,n rsoytTt tix "tsa p'r*> yyy 2 p*n Als vor nunmehr 23 Jahren die beiden ersten T heile des Lr Sarua nach einer im Besitze des Herrn Akiba Lehren bcfinolichcn Handschrift in Sitonlir erschien, da begrüstte man dies als ein freudiges Ereigniß» ja urehr noch als eine für das Studium unserer alten talmudifcheu Literatur befreiende That. Konnte ja jeder Kundige aus den vereinzelten Bruchstücken dieses Werkes, die sich weithin über das Gebiet der älteren Werke als Eitate zerstreut finden, wie aus den kurzen Randnorizeu zum Ascheri erkennen, dast der im Anfang des 13. Jahrhunderts lebende Versager, R. Ifaac ans Wien, einer der Gröstleu seiner Zeit, die wahrlich an großen Männern nicht arm war, gewest» sein Nlustre. Das Wenige, was man von seinen Schriften hatte, und das dazu noch in unzulänglicher, oft verstümmelter Form existiere, liest jeden Freund unserer Literatur den Schmerz um das verschollene Werk nur desto tiefer empfinden. Nun war es endlich ans Tageslicht gekommen, zwei T heile waren in die Hände der Leser gelangt, und wie mußte uran über die Tiefe und die Reichhaltigkeit des Werks erstaunen! Jedem öffnete sich hier eine unschätzbare Fundgrube: dem Forscher, welchem es einzig und allein darum zu thun ist. die Halacha des Talmud zu extrahiren, und die richtige Lesart ftstzustcllen, wie auch dem Historiker,

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