Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 66 (25.8.1887)
- Date
- 1887-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVM. Jahrgang. m m, -♦ EI» KenLrat - Organ für das ortbodoLe Iudenthum. Herarrsgcgcbcn vou I)r. üct)u:anu iu Mainz. Donner fr ag, den 2S. August 5647 (1887). Leitende Artikel. Me Spruche der Mler. Drittes Buch. XXXVII. Mainz, 22. August. ena «rair st» scn. „Bevorzugt ist der Mensch, da er im Ebenbilde Gottes ist erschaffen worden.- — lieber die Bedeutung und dar Wesen dreier Ebenbildlichkeit staben bereits vor vielen Jahrhunderten die größten Forscher uud Tenker sich vernehmen lassen.' Mit der Untersuchung dieses Begriffes beginnt MaimonideS sein grobes Philosophisches Werl errs; to (Führer der Irrenden). Zunächst widerlegt derselbe die irrige Ansicht, daß stier irgendwie von einer körperlichen Aehulichkcit die Rede sein könnte, da der einzige Gott lein itörper ist, dann beweist er ans der heiligen Sprache, dast die Worte und ntr» nicht die Bedeutung einer Aehnlichleit haben, welche sich auf «Gestalt, Größe, Form re. bezieht. Es ist hier ausschließlich von einer geistigen Aehnlichleit und Ebeubildlichkeit die Siede, und' darin liegt die Bevorzugung des Menschen vor den übrigen Geschöpfen, daß Gott ihm eingehaucht hat Gern von seinem Geiste. — Auch die Thiere haben eine Seele und besitzen seelische Eigenschaften und Fähigkeiten; allein, es ist ein bedeurender Unrerschied zwischen der menschlichen und der lhicrischcn Seele. Wir wollen diesen llntenchitd ein wenig näher in- Auge faffcn. „Ter -owe ist der Held unter den Thieren." sagt der wche zrönig (Mischte (F. 30. B. 30). Auch der Mensch besitzt Heldcumnth. Während nun der -2we seinen Heldenmuth lediglich dazu anwcnder, um sich Beute zu erjagen, können ans dem Hclden- Durhe des Menschen die größten und erhabensten ^haien erwachsen. Tie Männer sind es, die io der Weltgeschichte am meisten gefeiert werden, welche durch ihren Heldenmuth ihr Vaterland gerettet, eS groß und herrlich gemacht haben. Der Heldenmuth des Löwen entspringt ans der Organisation seines Körpers, ans seiner Muskelkraft uud Gewandtheit, der Heldcumnth des Menschen aber, auder von Gort ihm eingehauchtc» Seele. — Während die Thiere, je nach ihrer Beschaffenheit einzelne seelische Eigenschaften besitzen — so rühmen wir den Muth de- Löwen, die Kühnheit des Leoparden, die Treue des Hnndcs, die Schlauheit des Fuchses, die Schamhaftigkeit der Katzen, die Gatteuzänlichkeit der Tauben — findcu sich all diese Eigenschaften und noch viel mehr in dem Menschen vereint: er kann niulhig und kühn, treu und klug, schamhaft und zärtlich sein; ja er kann sogar die Gegensätze in sich vereinen; er kann bald muthig, bald feige, bald kühn, bald vorsichtig, treu und untreu, klug und thöricht, voll Liebe oder voll Haß sein. Aach freier Wahl kann er sich für die Tugend oder für das Laster entscheiden, kann sogar die ihm innewohnenden natürlichen Neigungen bezwingen, beherrschen, unterdrücken. Während das Thier nur feinen Naturtrieben zu folgen vermag, kann der Mensch den Naturtrieb überwinden. Was aber alle diese Fähigkeiten bedeutend überragt, das ist der Vorzug, der dem Menschen dadurch verliehen wurde, daß Gott ihm das Vermöge» zu denke» gegeben hat und die .(traft, feine Gedanken in Worte zu kleiden und sie so seinen Mitmenschen mitzutheilen. Auch das Thier denkt, urtheilt, folgert, auch das Thier hat in gewisser Beziehung die Gabe, das, was es bewegt, durch Tone zu erkennen zu gebenallein alle diese Fähigkeiten sind nur gering im Vergleiche mit denen des Menschen, und gerade die Vollkommeaheir des menschlichen Denkvermögens hebt ihn so hoch empor. — Taß nun all die hohen Eigenschaften der menschlichen Seele in der Ebenbildlich-