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Der Israelit · 1887-08-22 · Heft 65 (22.8.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 65 (22.8.1887)
Date
1887-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1184 sich aber in ciniflcr (riitfcrnur.fl vom Mittclvunkr bcr Tladt, und beim, woher feilen die Mincl zu ciucm solchen Bau genommen werdend Wenn die Gemeinde eine schöne Synagoge besäße, mürbe bas oubcntbmu in (>)ricd}cnlanb mehr Arischen gewinnen; bann würbe auch die Gemeinde einen ofsiciellcn Ebaraktcr bekommen, den sre bisher nicht hat; sic würde sich unter dem Schutz bcr Gesetze dieses Landes entwickeln, und falls sic noch dt.s Glück hat, circn guten Rabbiner zu finden. würden ihr die Elemente zu rnarcricllcm und moralischem Wohlergehen nicht fehlen. Man hat nur versichert, bas; in Athen 200 bis mro irdische Familien ihr Auskommen fänden. Unsere Glaubensgenossen aus Australien (?), die bereits da Neugriechisch sprechen, besonders diejenigen, welche nicht ganz mittellos sind, bürsten in Griechenland für ihre Intelligenz und ihre Tbäugkeit Spielraum finden. Es wäre auch dies für das nicht reiche i'uüb ein (yinuent des Wohlstands, wo die Industrie, der Handel und Ackerbau noch viel zu wünschen übrig lassen. Wenn man jedoch ein halbes Jahrhundert znrirckdlickt, so muß man den gemachten Fortschritten alles Lob zollen und die bene Zukunft ciucm Bolle Vorhersagen, das so intelligent in wie die Griechen, und die Sympathien der ganzen civilisirren Welt für sich zrr gewinnen wußte. Tic politische Lage unserer dortigen Glaubcnsgcnonen ist eine vorzügliche. Tie griechische Konstitution. ebenso tolerant wie liberal, «rächt nicht den mindesten cousessioncllcn Unterschieb. Ticsc Toleranz in auch in die Titten übcrgcgcmgcu, denn obgleich die meisten Israeliten von ortonranischcr Herkunft sind, leben sic in vollkommener Harmonie mit den Griechen und können sich ohne welche Störung ihren Geichüsten widmen. Tie wohlhabeudenen haben griechische Asiocisis. und man sieht Firmen wie: „Lcvy-Vassrliadcs-Arabontimos" oder „Eocn- Lecos"' Unsere Gianbeugenvsscn, beglückt nntcr solchem Regime zu leben, erfüllen gcwistcnhaft ihre bürgerlichen Pslichtcn. Ich habe jüdische Soldaten ans ^hallis und tfinfn gesehen. Bei Gelegenheit unserer Feiertage erhalten dieselben leicht eine Beurlaubung. Tie athenischen Israeliten mm fremder Herkunft werben sich bald um die griechische Rationalität bewerbe». Wen« man sich einmal in Griechenland bcsindct. kann inan cs sich nicht versagen, die merkwürdige und alte Gemeinde von lZhalcis ans der Insel Euböa zu besuchen. Ter schmale Farial, bcr diese Trab: von Böoticn trennt, erreg: die Bewunderung bcr Ireinbcn, abgesehen von der malerischen Teile, bietet sich daselbst ein Phänomen von Ebbe mib Auch, welches die Wissenschaft bis jetzt noch nicht ergründen konnte. Man erzählte mir von einem englischen Touristen, bcr in einem Rachen fahrend diesen Vorgang auszuklären suchte, und die Geduld verlierend, sich in die Fluchen stürzte, die ihn alsbald verschlangen. Tie Ucbcrfahrt vonPircus nach EhalciS dauert per Dampfer I<> Ttundcn. Beim Ausstcigen srapprrte mich der Anblick einer hebräischen Inschrift ans einem in der Umfassungsmauer eingela«ene» Trein, zur Rechten beim Gingang der Stadl. Es in ein Grabstein, welcher ans dem Jahre 5«8*> darin ist. was den Beweis lieferte, daß die dortigen Israeliten nicht von castilianischer Herkunft sind, oder vielmehr, daß cs Juden in Böoticn und Re gropont gegeben vor der Ausweisung aus Spanien. Bei einer Bevölkerung von 7000 Bewohner», zähl: Ehalcis ungefähr fünfzig jüdische Familien, sämmrlich vom Lcfardi - Rl'kuS. Alles in dieser kleinen Gemeinde trägt einen wirklich archäische» Stempel, die Sitten, die ftleidungsstückc, der Typus. Man ist nickt mehr in der Türkei. Die Muttersprache ist das Reugricchisch; zuweilen werden hebräische Wörter dazwischen gebracht. Auch die Gebote, die Bibel sind in diese Sprache übertragen. Tw Ehen werden dort verhaltnißmäßig spät gcschloncn: zn dreißig Jahren bei jungen Leuten, zu 20 bei den Mädchen. Thnc von besonders strenger Trchodoric zu sein, beschließe» die Leute zumeist ihr Lebe» im gelobten Land. Tie Meisten wissen nichts von der Thora und verstehen nicht die Gebete, die sie hcrsagcn. Sie bewohnen sämmrlich danclbe Viertel; das Innere der Häuser bietet wenig Eonrforr und zeigt nichts von Wohlstand. Tie Greise kleiden nch „st la Palrkare", trage» die Schalvar oder die Fustanclla sowie den Fez mit dicker Troddel. Tie alten Frauen bedecken ihr Haare und tragen die geschmackloseste Frisur. Es ist ein dunkelfarbiger Foulard mit tausend Falten, der dem .stopf eine sehr häßliche Form gibt. Tic Züge sind unregelmäßig und abgespannt, eine uuvermeidlichc Folge der Hcirathcn nntcr den Blutsverwandten ich. Tie jungen Leute kleiden sich am europäische Art. Tie Synagoge ist ein neuer Bau und bietet nichts Bcmcrkcuswcrrhcs» nur daß man aufdcr Außcnmarrcr erliche Grabsteine mit Inschriften siebt, von denen die älteste auf 5,478 zurückweist. Man har diese Treine vcrmnrdlich aus Tparsamkcirsrücksichrcn verwendet. Ter Gottesacker nimmt einen sehr großen Raum ein, ist jedoch ohne Umfanung und jeder Enthcili-

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