Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 65 (22.8.1887)
- Date
- 1887-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449762--27045-2516903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
1183;4 'I i< Handschriften hin. und der Anhang bringt noch Zusätze, welche solche Lesarten enthalten, die in den Fußnotizen nicht mehr untcrgebracht werden konnten. höchst wcnhvoll ist die Einleitung, die sich über Alter, Bedeutung und die Tertkritik der Aboih ausspricht und deren Verbältniß zur Mischuah beleuchtet. Von besonderer Wichligleir ist die Erörterung über die angeblichen zwei Rccensionen, welche wir nach Raschi von den Aboih di R. Rarhan besitzen sollen: die '“t* rr.ru und ns^s ur rr.ru. Diese Frage, die schon vielfach vcutilirt und ncneftcnS erst von Ehajim Horowitz erörtert wurde', hat immer noch nicht ihren Abschluß gefunden. So sehr man sich auch mir Letzterem dafür zu erklären geneigt ist, daß die jetzt uns vorliegende zweite Recension, die er bereits in einem Eodcr Parma gesehen, die nr-s 22 rrsru sei, so münen doch die Bedenken, die Schcchtcr dagegen erhebt, wiederum ins Gewicht fallen, da die Lesart, welche als die entscheidende zu betrachten in '"r '5 nicht als richtig scftftcht. Vgl. die Eorrccrur des p";r-i"r;u. 6s in überhaupt die in Raschi sich sindcndc Stelle, welche von diesen zwei r.Nrcu spricht, noch nicht aufgeklärt, und die Annahme Weis;', daß cS sich liier gar nicht um abweichende Lesarten in dcn Aboth di R. Nathan, sondern um eine solche in der Mischuah handle, ist nach dem vielen beigebrachten Bcwcismatenal nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen. Tas fleißig gearbeitete und schön anSgettattctc Werk trägt seine beste Empfehlung in sich selbn und wird sicherlich bald seinen Weg in die Bibliotheken der (belehrten gemacht haben. Zeitungsnachrichten »nd (Korrespondenzen. Frankreich. Paris. Monatsbericht (Juli) der Alliance Fsrai-litc Universelle: (Israeliten (Griechenlands.) Herr Paricntc, Tircctor der Alliance-Schule zn Smyrna, besuchte vor einiger Zeit Athen und Ehalcis und sandte dem Eenlral-Eomitft einen Bericht über die israelitischen . s^emcinden dieser Städte. Anbei einige Auszüge daraus: Tie Zahl der in Athen lebenden Israeliten beträgt zur Zeit ungefähr 250 Seelen, ironimcr einige Afchkcnasim. Tie Sefardim stammen aus ^onslannnope!. Smyrna. Salonichi. Ianiua oder den jom'chen Inseln. Es sind im Ganzen -1" Familien, die faß sämmtlich dasselbe Stadtviertel bewohnen. Tie Niederlassung der Inden in der griechischen Hauptstadt hat vor ungefähr 30 Jahren siattgcsuudcn; cs waren zuerst nur Einzelne, deren Kinder in der völligen Nnkenrnniß der Gebräuche unserer Religion auswuchscn. So sah ich einige 25jährige junge Leute, die nicht einmal hebräisch lesen konnten. Wenn ein Knabe zur Welt kam, lies; man irgend woher einen Mohcl kommen, und das war Alles. Weder Religionsunterricht noch gemeinsames Gebet: die meisten Ecrcmonicn des Eultus wurden vergessen oder vernachlässigt. Erft seit zwei Jahren hat Herr Haim Eohcn, der aus Smyrna gebürtig, sich damit befaßt, die kleine Gemeinde zu organisircn. Zu diesem Zweck miethetc er ein Zimmer als Synagoge und lauste zwei Scforim. Er selbst besorgt das Amt eines Hasan, Schochet für Gellügel, und Mohcl. Er übernimmt diese Functionen gratis mit einer Hingabe, die alles Lob verdient. Es gelang ihm auch, vom Staate ein Grundstück zum Zweck eines Friedhofs zu erlangen. Früher bestatteten die Inden ihre Todtcn in einer Ecke des griechischen Friedhofs. Tie minder beiderlei Geschlechts besuchen die griechischen Schulen, wo sic gern gesehen sind und unentgeltlich ausgenommen werden, wie die Richtjudcn, mit denen sie in völliger Eintracht leben. Vor.kurzem wurde ein christliches.(lind auf das Srrcngftc bestraft, weil es einem jüdischen.(linde gegenüber den häßlichen Ausdruck Tchifut gebraucht harre. Ein junges, jüdisches Mädchen, welches ihr Eramcn abgelegt haue, war Lehrerin in einer össemlicheu Schule Alhcn'S. Als sic sich kürzlich verhciralhete, mußte sic diesen Posten ausgcbcn. Ihre jüngere Schwester rvird demnächst ihr Eramcn ablcgen und zwei, clsohnc sich gleichfalls eine ehrenhafte Stellung als Lehrerin verschaffen. In dieser Hinsicht ftcht folglich Alles sehr gut. ES ift nur bedauerlich, daß die israelitischen .(linder, in Ermangelung eines Rabbiners, keinen Rcliglonsinitcrrichl genießen. Daher zögern auch die Familien, sich in Athen nicdcrzulasscn. TaS Local, welches zur Synagoge dient, ift ein sehr schlechtes. Es ift ein enges und niedriges Zimmer, das kaum 2» Personen sauen kann. Tic übrigen (gläubigen ftchen im Höf. Ich habe dort israelitische Soldaten gesehen, die zn Pfingsten dem Gottesdienst beiwohnten, Man nimmt von dieser Velftnbc den rraurkgftcn Eind:i:ck mit; es läßt dort Alles zu wünschen übrig und kann dem Ansehen der Israeliten, besonders in einer Stadt wie Athen, nur schaden. Es ift wohl wahr, daß die Regierung den Israeliten ein Terrain zum Vau einer Synagoge zur Disposition gestellt: dasselbe bcsindct