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Der Israelit · 1887-08-16 · Heft 63 (16.8.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 63 (16.8.1887)
Date
1887-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1147 „So ist e8 aus zwischen uns," fiel fie ihm mit wildem Lachen in's Wort, „das brauchst Tu mir nicht zu sagen, das säge ich Dir! — Ta! —" Sie schleuderte ihm das Medaillon, das sie an einer Goldkette am Halse getragen, vor die Füße. „Ta hast Du Gimpel Tein Eonterfci!" ,Mosalke!" rief Frau von Lilienfeld, entsetzt über die Rohheit ihrer Verwandten. Diese lachte abermals wild ans. „Und willst Tu wissen?" rief sic, „weshalb ich Dir bisher meine Gesinnung verschwiegen? — Nicht weil ich in Tich verliebt war, rede Dir nur das nicht ein. Aber ich habe Tein Geld wollen, darum habe ich's versucht, mich nach Temen Anschauungen zu richten. Doch für die Tauer wäre mir eine derartige ('Jene unmöglich. Darum besser ein offener, ehrlicher Bruch." Sie warf den schönen Kopf zurück in den Nacken und mit stolzen Schritten verließ sie das Gemach und schleuderte die Thür donncrd hinter sich in's Schloß. Herr von Lilienfeld fuhr sich mit der Hand über die Stirn und athmete tief auf. „Gott sei Tank, der mich vor dieser Verbindung bewahrt hat!" „Tu darfst nicht jedes Wort für Wahrheit halten, das sie in ihrer Wildheit auSgcstoßcn hat,* sprach Frau Lilienfeld schüchtern, „sie war außer sich und hat sicherlich selbst kaum gewußt, was sic gesagt hat." Er zuckle die Achseln. „Und wenn auch nur die Hälfte, wenn auch nur der vierte Theil wahr ist, so bin ich berechtigt, den heutigen Tag glücklich zu preisen." Seine Mutter schüttelte mißbilligend den Kopf. „Sie hat Tich geliebt, ich weiß cS." „Auf derartige Liebe lege ich nicht den geringsten Werth." „Warum nicht? Tir zu Liebe hätte sie sich sicherlich in Allenr nach Deinen Grundsätzen gerichtet. Aber sic war gereizt, und das mit Recht. Statt mich in ihrer Gegenwart zu fragen, hättest Tu sie unter vier Augen fragen sollen, dann, davon bin ich überzeugt, wäre es nimnrcr so weit gekommen. Tenn ich vermuthe in der That. daß sie damals im Augenblick nicht bedacht hatte, daß am Sabbat das Rauchen verboten ist. Ucbrigcus, woher wußtest Tu cs?" „Gabi hat es mir geschrieben. Das gute Kind konnte den Gedanken nicht ertragen, daß ich in Unkenntnis über die wahre Gesinnung meiner Braut, ei« Mädchen hcirathen wollte, das nicht von Herzen fromm ist." Er hatte sehr ruhig gesprochen, in feinem To» lag durchaus kein Dorwurf, den er auch nicht hatte aussprechen wollen, dennoch empfand seine Mutter sein Wort als einen Vorwurf; sie erröthete, trat in das anstoßende Ankleidezimmer, wo sie längere Zeit verweilte. Alexander athmete abermals tief auf, ihm war als wäre eine schwere Last von seiner Brust genommen. In Wirklichkeit hatte er Rosalie doch nie geliebt, er hatte sich stets gezwungen, ihr jene Aufmerksamkeiten zu erweisen, zu denen er sich verpflichtet gehalten. Sie freilich hatte an seiner Liebe nie gczwcifclt, die reichen Geschenke, mit denen er sic überhäufte, galten ihr als die aufrichtigsten Beweise feiner Neigung für sie. Und er hatte auch stets gehofft, sie dereinst lieben zu können, um durch feine Liebe zu ihr jenes andere Gefühl zu ersticke», das er sich so oft zum Vorwurf machte. — Langsamen Schrittes, wie das feine Gewohnheit war. wandelte er sinnend auf und nieder. — Er hatte mit Rosalie gebrochen, brechen müssen. — Die Scene war ihm peinlich gewesen, schmerzlich erregt hatte sie ihn nicht. Doch mit doppelter Macht tauchte nun wiederum jenes andere Mädchenantlitz vor seinem innern Auge auf. Jene sanften, lieblichen Züge mit dem feinen durchgeistigten Ausdruck, jener geistvolle Blick, ihm war cs, als Wäre er auf ihn gerichtet, sein Herz pochte rascher, ihm war cs, als vernähme er ihre Stimme, unwillkürlich lauschte er mit angehaltcnem Athem und dann lächelte er über sich selbst, daß er das Spiel seiner Phantasie für Wirklichkeit gehalten. — Doch war cs nicht dennoch Wirklichkeit? — war cs nicht in Wirklichkeit ihre Stimme? — Wiederum stand er mit angehaltcnem Athem lauschend mitten im Zimmer. — Gewiß, gewiß, es war ihre Stimme. Sie war mit den Kindern vom Spaziergang heimgekommcn und sprach zu ihnen. Jetzt lachte Joscfine, doch gleich darauf stieß sie einen gellenden Schrei aus und mit schreckensbleichem Angesicht stürzte sie in's Zimmer. „Hilfe! Hilfe! Gabi blutet, Rosalie hat sie geschlagen!" Mit einem Satz war Alexander draußen. Rosalie halte in ihrem Zimmer die Kinder hcimkomnren gehört, sie war in den Eorridor geeilt, mit dem Ausrufe „Svionin!" auf Gabriele zugcstürzt und hatte ihr einen wuchtigen Faustschlag gegen die Stirn versetzt. Das ahnungslose Kind war lautlos in die Arme der Gouvernante getaumelt, die im erfreu Moment fast starr vor Schrecken, jetzt

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