Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 63 (16.8.1887)
- Date
- 1887-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1146 amtcr in Mossul hat das von dem dortigen Rabbiner an die „Alliance Israelite” gerichtete Telegramm in die Hände des Sultan« gelangen lassen. Italien. Siena, 5. August. Tie Mauer des hiesigen jüdischen Friedhofes ist in Folge ihres ho cn Alters schon längst baufällig geworden und zci t sie auch mehrfache Riffe mrd Spalten ans, durchdie zuweilen in der Nacht die herrenlose Hunde aus den Gottesacker dringen und dort «:.*n die Gräber answühlcn. Wir fanden daher schon oft am Morgen irgend ein Grab geöffnet und vor demselben Knoche» der hier ruhenden Todten und Theile von ihrer Bekleidung (rr-cn) herumliegen. Leider fehlt c« den wenigen hier lebenden Israeliten an den nöthigcn Geldmitteln , um die Mauer, die eine graste AuSdrehnung hat — Siena war bekanntlich im Anfänge des Mittelalters noch eine nmp rön? mit mehreren Syuaogcn und Bothe-Midraschim — niederrcisten und durch eine neue ersetzen zu laffen. . Als nun König Hunibcn von dem traurigen Zustande dieser Mauer hörte, so spendete er sogleich 500 Lire auS seiner Privat - Schatulle, damit man die Mauer nicderrcistc und durch eine neue ersetzen möge. Ten Rest de« noch zur Austragung dieses piclätvollkn Werkes fehlenden Geldes werden nun die wenigen Mitglieder unserer Gemeinde zusülttmettschicstcu. Spanien. Madrid, 7. August. Ta« hier erscheinende und im .Königreiche ungemein beliebte Tagblatt „La Ejtoca* veröffentlichte gestern eine Statistik der Inden England« und schloß cs seinen Aufsatz mit folgenden Worten: „Hajo el jiunto de vista higienico, la propia estadistica revela que tambi»*n los jitdios blevan notable ventoja ä los eristianos de la Ci ran Bretanna. Los casos de lor.gevidad son out re los primeros siete noeho veces nuts lrecaentes que ent re los segundos*. „Unter dem hygienischen Gesichtspunkte, so zeigt die eigentliche Sratistik, das; die Juden gleichfalls großen Vonhcil den Christen Großbritannien« dringen. Tic Falle von einem hohen Älter sind unter den ersten sechs oder sieben Mal häufiger als unter den zweiten." — Wenn wir int vergangenen Jahre gehofft hatten, daß wir im heurigen Jahre durch eine Maffcncinwandcrung russischer, polnischer und rumänischer Juden schon eine kleinc Gemeinde hier bilden und, wenn auch schon nicht eine Synagoge, so doch wenigstens ein permanentes Bctlocal besitzen werden, so haben wir uns sehr getäuscht. Au« dieser geträumten Maffcncinwandcrung ist bekanntlich nichts geworden und die Juden Madrid« muffen daher noch immer auf ein passende« Bctlocal verzichten. ..P a l & ft { n a. Jerusalem. Der siebente Rechenschaftsbericht der Vereine „Mofchaw Sekenim", „SUtcrafal" und „Theegcfcllschafl", welche unter der Leitung des Herrn S. D. Saundcrs stehen, weist eine Einnahme von 15320 Piaster auf. die bi« auf 250 Piaster verausgabt wurden. Tie Vereine entfalten eine immer größere Thätigkcit und haben sich dadurch die warnten Sympathien der auswärtigen Glaubens« genossen in reichem Maaste erworben. Feuilleton Die ßonverlilm. Ton Friedrich Rott. (Fortsetzung.) 37. K a p i t e L Al« Gabriele das Zimmer verlaffcn hatte, wandte sich Frau von Lilienfeld, indem sie Hut und Mantelet ablegte, an ihren Sohn. „Warum willst Tu nicht vor Allem Deine Bram begrüßen? dann bin ich gern bereit. Dir jede Frage zu beantworten." „Ich aber wünschte zuvor Deine Antwort zu vernehmen, liebe Mama," einen Moment zögerte er, dann fragte er rasch: „Hat Rosalic am Sabbat vor acht Tagen geraucht?" Frau von Lilienfeld fühlte wie da« Blut ihr aus den Wangen wich, sie murmelte eitrige ausweichende Worte, die ihr Sohn unmöglich verstehen konnte, ohne im Stande zu fein, feincnt an ihr haftenden Blicke zu begegnen. Rosalic sah sie erblassen, sah. daß ihre Verwandte, so sehr sie sie zu schonen wünschte, sich doch zu einer entschiedenen Unwahrheit nimmer entschließen werde, — und ohne eine solche hatte sie entschieden verloren. — Ta« Blut stieg ihr zit Kops, die Adern an ihren Schläfen schwollen an und pochten wild. — Ein Bruch war unvermeidlich, davon war sie bereit« überzeugt; so wollte sie deitn, wie sie es für sich nannte, wenigsten« die Devors^ wahren. Mit dem ihr eigenen Ungestüm packte sie Herrn von Lilienfeld an der Schulter und pflanzte sich vor ihm auf. . , . „Warum richtest Du diese Frage nicht an mich?" ries sie wild. „Glaubst Tu. ich würde leugnen, wa« ich gethan? — Ja, ja, ja! ich habe am Sabbat gerauchr und ich werde am Sabbat rauchen und fahren und schreiben und was mir sonst noch beliebt." „Wenn das der Fall ist," entgcgncte er durch ihre Frechheit unwillkürlich erregt, „so —"