Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 63 (16.8.1887)
- Date
- 1887-08-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1144 feit (Iustizmimfier) und der Divan bezw. Staarsrerb ((Mammtinmiffcrmni) als lecre 3nfm«v Iraßab tiflfKC israelitische Gemeinde-Pension für Willwen und Waise», Armcnuntcrstützung, Krankenhaus, Gcmeindcsyr'agogen n. s. w. alles aus der Gemcindekaffc und von Gemeinde wegen. Kurz, cs waren wirkliche israelitische Gemeinden. Bis dahin geschahen nur durch den rohen Stadrpöbel, nicht aber durch das Landvolk, welches sanft und duldsam, bis ungefähr 1802 selber leib* eigen in den Händen der den Israeliten wohlgesinnten Bojaren war — von Zeit zu Zeit Kravallc. freilich nicht aus eigner Feindseligkeit, sondern auf Anstiftung einzelner Angehöriger der in Rumänien cingcwandcrlcn christlichen Nationalitäten, insbesondere der mit den Ianariolischen l.Konslanlinoplcr» Fürsten in's Land gekomencn Griechen, die bei den Tumulten ihre Geschäftchen machen wollten. Tie Israeliten wurden aber stets von den Fürsten und von dem damals cristircnden mächtigen Adel in Schutz genommen. Und sie hauen auch dazu Veranlassung. Tenn die Israeliten leisteten ihnen unschätzbare Dienste durch Einführung von Handel und Handwerken, Anknüpfungen von Verbindungen mit dem Ausland, Geldanleihe!^ LermögungSvcr- - waltung und Gründung von Städtchen, dadurch Vergrößerung des bojarischen PrivatreiÄrhums und derLraatscittnahmett. EiucgroßcAuzahlsolLerStädtchcn als da sind: Mihaihtni, Saweme, Stefaneschti, Ihn za, Pacskaui u. andere entstanden dadurch, das; die Bojaren auf ihren Gütern Israeliten a: - siedelten, ihnen zunächst nnemgelilich und stcucrft.i den Boden und verschiedene Rechte gaben, um es später sich lhcils gut bezahlen zu lassen, theils dur.!, Zuzug und Gltstchen des bäuerlichen Wohlstandes, auch durch deren Zccn.ialä (Zehnten) ihre Eiuna rmen zu vergrößern. Vorhandene Marktflecken wn - de» in derselben Weise zu 2ict>iai, z. B. Torobof. Riamtz. Pialra und andere mehr. Tie Schädigung der Israeliten war daher auch der Schaden der Bofaren und der Regierung, und das verstanden! ie damaligen Herrscher im Gegensatz zu den jetzigen. Im Jahre 18*6 und auch schon früher (1 S<‘»2) geschah in der beschriebenen vatriarchialischen Lebensweise und in den guten Bcrhä'.tnwcu der Israeliten eine vollständige Umwandlung. Sckou das Jahr IMS mit den Umwälzungen, die allenthalben in Guropa staugesundc», hotte seinen Eiustuß aus Rumänien ausgcübl und cs erstanden einzelne Ehrgeizige, die danach lrackrcrcu sich in den öffentlichen Angelegenheiten hevrorzuthnn. Wie natürlich waren darunter viele niedrige Streber. die um jeden Preis möglichst hoch kommen wollten, Leute, die mit der Verwandlung der AdelShcrrschaften (Aristokratien). in Volksherrschaften (Demokratien) sich alle Fähigkeit beimaßcn, die alte Ordnung mit einem Schlage und ohne weitere Vorbereitung Umstürzen und die oberste Leitung des Staates an sich zu reißen. Mit den steigenden Jahren brachte 1859 eine entscheidende Wendung in Rumänien dervor, denn damals wurde die Bereinigung der Fürstenlhümer Moldau und Wallachei unter einem Fürsten (Alexandru Joan Eusa) vollzogen, die Staatsgewalt gestärkt und eine ganze Reihe europäischer Einrichtungen, wenigstens äußerlich, ciugeführt. Damals fing auch eine andere gute Zeit an, nämlich für die „Machet, Emporkömmlinge und Demagogen, die sich noch heutzutage brcitmachcn und für den jungen Nachwuchs eine verderbliche Schule waren. Aus diesen bestand und besteht noch jetzt die Partei Bratianu. die bloS zum Ultterschiede von der alten guten patriarchalischen Regierung sich „liberal" schimpft, lKalsächkich aber den engherzigsten Absolutismus und Tespolirmns ausübt, nicht blos in Bezug auf Israeliten — während unter den hundertfachen Gegensätzen zum gebildeten Europa, in Rumänien gerade die Konservativen, von denen als die früheren Adeligen auch iil'Halbusicn, mit wenigen Ausnahmen, gesagt werden kann „nolilfsse oblige ä la.noblere1*, in jeder Beziehung wirklich liberal sind. Literarischer Gericht. Der fünfte Jahrgang des „UokKs-Aalcndcrdes Israelit" nebst „I ü d i s ch e m H 0 t e l - A d reß- Bnch. Mainz, Oscar Lehmann und I. Kaufsmann, Frankfurt a. M. 1887. liegt uns vor und reiht sich sc'nren Vorgängern würdig an. Zu dem billigen Preise von nur US Pfennigen liefen derselbe ein sehr reichhaltiges Material sowohl des Gemeinnützigen, als auch des Unterhaltenden und Belehrenden. An das Kalendarium (rer) schließt sich unmittelbar eine Uedcrsichlsrabelle: Eintritt der Nacht au Sabbat-, Fest- und Fasttagen" an» als ein sicherer Wegweiser für 2- •»» im ganzen Jahre. Dann folgt wie in den früheren Jahrgängen ein Prcisrärhscl. Ten literarischen Thci! eröffnet eine fpauncndr, größere Erzählung ans der Feder des rühmlichst bekannten Vcrfaners v. „Gabriel" des Herrn Kolm: „Aus alten Zeiten". Ein mährisches Gbctiobild. Es dürfte wobl übcrflümg erscheinen, für die geehrten Leser des „Israelit" noch ein besonderes Won der Anerkennung da auszusprechen, wo schon