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Der Israelit · 1887-08-16 · Heft 63 (16.8.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 63 (16.8.1887)
Date
1887-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1142 Zeit, die er schon als Nasir verbracht hatte, aus, und das Gelübde begann von neuern, was natürlich sehr lästig wurde und häusig dazu Anlaß gab, daß der Rasir bereute, ein solches Gelübde gcrhan zu haben, wodurch die Heiligkeit des QvferS. geschädigt wurde; dcßhalb aß der Hohepriester Schimeon, der Gerechte, von dem Schuldopfer cincS solchen Rasir nicht. Ein einziges Mal machte er von dieser Regel eine Ausnahme. Zn ihm kam nämlich ein schöner Jüngling aus.dem Lüden, denen Haar in lieblichen Locken sein Haupt umwallte. TicscS Haar sollte nun abgeschuirten werde». Mein Sohn, fragte der Hohepriester, was hat Tich bewogen, Tein schönes Haar zu opfernd Und der Jüngling sprach: Ich hütete für meinen Vater in der Heimath die Heerde; da ging ich an die Quelle, nur Wasser zu schöpfen. Als ich nun im Wasser mein Bild erblickte, da kamen mir leichtsinnige und verlockende Gedanken ob nieiner Schönheit und namentlich ob der Schönheit nreineS Haares. Ich aber beschwor den sündigen Trieb und beschloß, mein Haar dem Himmel zu opfern. — Ta umarmte ihn der Hohepriester und küßte ihn und sprach: Mein Sohn, wie du mögen alle die mit reiner Absicht beseelt sein, die sich als Rasirim geloben in Israel. Tu hast erfüllt, was da geschrieben steht (4. B. M. E. ü. V. 2): So Jemand ein Gelübde als Rasir rhul. sich zu weihen dem Ewigen: "rrSr *2 r-t* -,2-x 2vcn - y,' l?->) 2-cr 2r2 '•z'-rr, Tr? -.-u. Daher, erklärt Aden Esra zu dem angeführten Verse, gebraucht die heiligt Schrift den Ausdruck *2, c.Txr, -rx c'zy~ cryn 2H '2 n~2 nny Nin, weil so viele Menschen ihrer Sündculust nachgchcn, so daß cs wie ein Wunder erscheint, wenn Jemand ernstlich dagegen ankämpft. So lehren auch unsre Weisen ~S3): Es heißt in der heiligen Schrift B. M. iS. 6. V. 5) -222 r; zrr. ~sa T-x -rx rtrsm c-a-r m. Und es sollen sein diese Worte, die Ich dir befehle heute, auf deinem Herzen. Was beißt das: „auf deinem Herzens- Tu sollst die Gebote und Verbote Gottes durch Schwur oder Gelübde deinem Herzen einprägeu, mit andern Worten: Tu sollst im Kampfe gegen die Leidenschaft oder die Verführung durch Schwur oder Gelübde deinen Widerstand zu kräftigen suchen. So haben auch die alten Frommen ihre Leidenschaft beschworen. Als unserem Vater Abraham von dem Könige von Sedom die reiche Beute angeboren wurde, da sprach er: Ich habe meine Hand zum Schwur cmhorgchoben zu dem Ewigen. dem höchsten Gotte, daß ich nichts nehme von Allem, was dir gehört. — Als BoaS in der Stille der Nacht in einsamer Scheune erwachte und ein schönes Weib zu seinen Füßen fand, da beschwor er seine Leidenschaft und sprach: So wahr Gon lebt, (ich werde dich nicht berühren!) *) — Als David von Schau! verfolgt wurde, wie der .Jäger das Rebhuhn verfolgt auf den Bergen, da fügte eS Gott, daß Schau! in die Gewalt Davids und seiner Leute gerietst, die den Verfolgten aufforderten, sich seines Verfolgers zu entledigen. David jedoch begnügte sich, heimlich die Ecke des Mantels des Königs abzufchneiden, um dem Könige zu beweisen, daß er seiner geschont, wiewohl er ihn hätte tobten können. Schau! war sehr gerührt ob dieses Beweises von Edelmmh: er brach in Thränen aus und erkannte die Großmnrh Davids an. Trotzdem hörte Schau! nicht auf, Tavid zu verfolgen und ihm nach dem Leben zu trachte». Und wiederum fügte es Gott, daß Tavid seinen Verfolger hätte tobten können. Ter König, seine Heerführer und sein Heer waren fest cingeschlafen. Und Tavid und der Held Abischai kamen bis zu dem Orte, wo der König schlief. Und es sprach Abischai zu Tavid: Es hat überliefert Gott heute deinen Feind in deine Hand, und nun, ich will ihn in die Erde spießen» ein Mal, und ich werde eS nicht zu wiederholen brauche»! — Groß war die Versuchung; da schwur Tavid bei Gott, um die Versuchung zu überwinden, und eS gelang ihm. Er schonte auch dieses Mal des Verfolgers und ließ durch Abischai den Speer zu dcu Hänptcn des Königs und den Wasscrkrng hinwcguchmen, und sic gingen ihres Weges. Al» Schau! erfuhr, was geschehen war, da sprach er: Gesegnet seist du, mein Sohn Tavid, was du auch unternehmen wirst, du wirst cs ausführen. — Als Raaman. der Feldherr von Aram, durch den Rath dcS Propheten Elii'cha von schlimmer Krankheit befreit worden war. da bot er ihm ein reiches Geschenk an. Tcr Phrophcr aber wollte den Ramcn Gottes heiligen und verweigerte jeden Lohn. Um der Versuchung zu widerstehen, schwur er bei Gott, und obgleich Raamon gar sehr in ihn drang, gelang es ihm bei seiner Weigerung zu beharren. — So sehen wir, daß die Frommen die Leidenschaften durch Schwur und Gelübde zu bekämpfen suchen, und in Bezug darauf lehrt Rabbi Akiba: Tic Gelübde sind eine Mauer um die Enthaltsamkeit. __ (Fortsetzung folgt.) *) «-crglckchc R-schi zu Ruth G. 3. 5. 13. i. |

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