Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 63 (16.8.1887)
- Date
- 1887-08-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIII. Zahrgaug. M 03. El» KenLrak - Organ für das orthodoxe Zudentyum. Hcrar:?gegrben von Nn. Schmann in Mainz. Dienstag, den IS. August 5C47 (1887). IST“ Wegen deS gestrigen christl. Feiertags erscheint unser Blatt erst heute, Dienstag, IS. August. teilender Artikel. Are Sprüche der Fäter. Drittes Buch. XXXIV. Mainz, 11. August. rvrneV rc c*n:. „Tic Gelübde sind eine Mauer für die Enrhallsamkeir." Tie Erklärer unserer Maßcchlha werfen die Frage auf. wieso Rabbi Akiba in dieser seiner Sentenz die Gelübde empfehlen kann, da doch sowohl die heilige Schrift als auch der Talmud da? Geloben von Gelübden nicht begünstigt, sondern vielfach ausdrücklich davor warnt. So Jemand ein Gelübde thut. so muß er es erfüllen: unterlästt er die Erfüllung desselben, so ist die Strafe sehr groß. Viele Menschen binden sich gar leicht durch ihre Zunge, während sie eben so leicht die Erfüllung de? Gelobten versäumen oder vergessen. Tcßhalb verlangt Gott kein Gelübde von und, wie cs in der Thora bei»;! (5». B. M. E. 23, V. 23): Wenn du unterlassen wirst zu geloben, so wird nicht sein an dir Sünde. — Ter weise König lehrt tKoheleth E. 4. V. 4,: -.rx rs s*i T~rrs T.nr. t*b. Im Talmud (Redarim v d.) wird dieser Ausspruch in verschiedener Weise erklärt. Rach der einen Erklärung haben wir zu üdenexen: „Dcsscr ist, dass du nicht gelobest, als Laß du gelobest und nicht erfüllest." — Rach der andern Erklärung lautet die Nebersetzung: „Besser ist, daß du nicht gelobest als daß du gelobest; denn, wenn du geloben würdest, so könntest du dazu kommen, nicht zn erfülle«." Entsprechend dieser leereren Erklärung lehren die Weisen: Jeder, der ein Gelübde rhur, versündigt sich so, wie wenn er außerhalb des heiligen Tempels einen Altar errichtet, und wenn er Las Gelübde erfüllt, wie wenn er auf jenem Altäre ein Lpser darbriugt *). Ter Gedanke, welcher diesem AuSsprnche zu Grunde liegt, ist der, daß cS im Allgemeinen nicht erlaubt ist, zu den Geboten oder Verboten Gottes etwas hinzuzufügen; nun hat zwar die Thora ßestattet. auf dcru Wege der Gelübde, Erlaubtes sich zu verbieten oder Richtgcdotcnes sich zur Pflicht zu machen; allein, solches Thun ist doch dem Geiste der Thora nicht entsprechend und wird, wie die Thora eS ja selbst aussvricht, besser unterlassen. Daher vergleichen die Weisen bas Geloben der Errichtung eines AltarS außerhalb de? heiligen Tempels. Wie ist cs daher zu verstehen, daß Rabbi Aliba die Ge-, lübde al? eine schützeudc'Mauer für die Enthaltsamkeit empfiehlt 'i — Tic weisen Erklärer unsrer Masteckta machen einen Unterschied in Bezug aus die Vcschasscnhcit der Personen, welche die Gelübde ldun. So Jemand in leichtsinniger Weise Gelübde rhul oder wenn Jemand nicht genug hat an den 305» Verboten und den 248 Geboten unsrer heiligen Religion und will dieselben noch willkürlich durch seine Gelübde vennchrc», so ist das gewiß nicht recht und nicht dem Geiste unsrer heiligen Religion entsprechend. So aber Jemand mit heißem Bemü'ucn den Kamps gegen die Sünde, den Kamps 'egen die Leidenschaft kämpft und sich in diesem s ampsc durch freiwillig aus sich genommene Gelübde Harfen und kräftigen will, so ist das im höchsten Grade anzuerkcnncn und zu empfehlen; und nur eon solchen Gelübden spricht Rabbi Akiba. Taß rem so ist,, gehr auch aus einer Erzählung im Talr..nd Redarim 9d. hervor. Schimcon, der Gerechte, sagte, daß er niemals von dem Schuldopfer eines unrein gewordenen Rasir gegessen habe. Ter Rasir nahm sein Gelübde auf eine bestimmte Zeit auf sich; wurde er inzwischen verunreinigt, so siel die ') T a « das gtcharrr <?e!übd« sich hätte lösen lassen seien.