Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 61 (8.8.1887)
- Date
- 1887-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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CgBg.aS l»l4»*f tf I VtfftriMmMys! v 1106 Auch verdang er sic oft nach auswärts, waS ihm immer ein schönes Stück Geld einbrachte. Jetzt habe ihn jedoch der „Weiße Ezar* gezwungen, allen diesen „ungläubigen Hunden", die Freiheit zu geben, so daß er jetzt mit gedungenen Knechten seine Felder bestellen müsse. Auch lasse die Negierung des Ezaren der Fcucrsgefahr halber keine Filzhäuser (.Ui* dicken) mehr erbauen, und dürfen von nun an in Mcrw nur Stein- oder Zicgclbautcn aufgcsührt werden. Kostete daher früher ein solches' aus Filz und Holz erbautes Hau« kaum 100 bis 150 Rubel, so bcnörhigt man heute schon ein Capital von mindestens 5 bis oooo Rubel, um sich ein nur wohnliches Gebäude, ohne jegliche äußere Ausschmückung, in Merw hcrznstellcn. Auch der Karawancnhandcl habe durch die Vollendung der TranSkaspibahn fast gänzlich d. h. in so weit er den Verkehr mit dem Kaspffec betrifft aufgehört, was dem Wohlstände der Bewohner MerwS gleichfalls großen Abbruch that,- er erinnere sich daher mit Freuden der Zeiten, wo er mit seinen Stawmesgctwsscu räuberische Einfälle in das benachbarte Persien machte, und die „ungläubigen Schütcnhuudc" daselbst zu Tuncuden in die Gefangenschaft führte. Auch verging damals selten eine Woche, in der er nicht einem „Schüicnhunde" den Kopf vor die Füße legte. Natürlich haben alle diese „blutrünstigen Vergnügungen und Zerstreuungen" jetzt ausgehört, da mm auch die Stammeshäuptlinge in Mcrw Steuern zahlen müssen. Unterdessen war unser Zug in die Bahnhofshalle von Mcrw cingelaufen, worauf ich mich von meinen Reisegefährten verabschiedete und mich in die Stadt begab, um dort in einem Hane zu nbeinachten. Zwei Tage nachher saß ich schon auf dem Rücken eines Kameels und trabte der afghanische» Grenze zu. Arabien. Dschiddah. Unsere Stadt, welche den Hasen oder vielmehr das Scethor der den Mohamcdanern im Allgemeinen und den Arabern insbesondere heiligen Stadt Mekka bildet, war noch vor einem halben Jahrhundert den Inden und Christen wenigstens verboten, wcßhälb sic auch von unseren arabischen Glaubensgenossen scherzweise nVcs r.Ti (die Araber schreiben den Namen „Tschiddah" ~t;, und sprechen sie das wie „Dsch" ans) genannt wurde. Erst nach der Eroberung Nordosrika's durch Mcbcmcd Ali, den bekannten Vicekönig von Aegypten, der seine Staaten mit eiserner Hand regierte. begannen die ersten Juden sich hier anzusiedcln. die nun das GcldwechSlcrgcschäft. und den Waffenhandel betrieben. Tie Geldwechslern ist noch heute das rentabelste Geschäft unserer Stadt. da hier während der großen Wallfahrt oft an 150.000 Pilger aus allen Theilen der mohame» danischen Welt, anS Konstantinopel, Fez. Kalkutta. Vokhara, Zanzibar, Moskau, Bombay:c. zn landen pflegen, die dann hunderterlei Münzen und Geld» fort:« auf den Markt zur Umwechslnng bringend Wir haben daher jetzt in unserer Stadt einige Zarafs (Banquiers), die Millionäre sind, und die sogar mit Berlin und Amsterdam in Verbindung stehen. Ucberhaupt gilt Tschiddah als die reichste Stadt Arabiens. Die ersten Juden, die fich hier ausicdcllcn, kamen aus Mokka, Hodeida und andere» südarobischen Hafenstädten. Den Juden folgten bald die Christen, und errichteten sie hier große Exporthäuser und Waarenmagazkne. Deren Zahl nahm dann von Dag zu Tag zu, und sahen sich daher England und Frankreich baldigst genöthigt, ihre Eonsulen herzuschicken. Leider sollten sich dieselben nickt allzulange ihres Daseins erfreuen, denn 1858 überfiel unser von Fanatikern ansgchctzte Pöbel die beiden Eonfulii in ihren Wohnungen und schlachtete sie sammt allen ihren Familienangehörige« ad. Nur die zwölfjährige Tochter des französischen ConsulS wurde von einem mitleidigen Araber gerettet, der sie später einem französischen Schiffe übergab, das sie nach Frankreich .znrückdrachte. Ein Schrei der Entrüstung ging damals durch die civilisirte Welt, als rnan von diesem Massacre vernahm. Damals re» gierte noch Sultan Abdul Medschid, der jedoch erklärte, er sei zu schwach, diese Blutthat zu rächen, da in Tschiddah nur einige hundert türkische Sol* baten stehen. England und Frankreich beschlossen daher, die Züchtigung der Tschiddahner selbst in die Hand zn nehmen. Bald darauf erschienen^ auch ein französisches und ein englisches Kriegsschiff vor unserer Stadt und forderten binnen drei Stunden die Auslieferung der Eonfulmörder. Als dieses jedoch nickt geschah, da eröffncten die zwei Sckiffe ein furchtbares Bombardement, das große Verheerungen anrichtete. Dazu entstand noch ein furchtbarer Kampf in den Straßen und Häusern, da Einer den Anderen beschuldigte, er habe an der Abschlachtung der Ehristen theilgenommcn und so die heutige .Katastrophe verschuldet. An diesem Tage flössen in den Straßen Tschiddah's förmliche Ströme von Blut, und To-te und Verwundete füllten die Häuser. Dabei dauerte das Bombardement noch fort und hielt sogar bis in die späte Nachtstunde an. ES war dies zwar eine schwere, aber höchst oothwendige Züchtigung für unsere Fanatiker, die noch heute sich nur mit Entsetzen jenes traurigen Tages erinnern. Heute sind nun die Bewohner Tschiddah's so zahm, wie die Lämmchen und so sanft, wie die Tauben. Hie und da schimpft