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Der Israelit · 1887-08-08 · Heft 61 (8.8.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 61 (8.8.1887)
Date
1887-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1105 und die de» Lehrern wohl zur Verfügung gestellt werden dürfte. Ebenso erklärt sich Herr Dr. ftroncr bereit, aus der Scminarbibliothck Bücher zu verleihen. Es wird daher folgender von Dr. David gestellter Antrag angenommen: Tie Versammlung beschließt an die Kommission der Gcmcindcbibliothek und an die Vcrwaltungskommisston deS Seminars zu Hannover durch eine Petition zu beantragen, den Mitgliedern deS Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover die Bibliotheken zugänglich zn machen. Der dritte Antrag, die Petition um Subvention größerer jüdischer Werke betreffend, tvird angenommen. Thann, (Elsaß), 4. August. (Gestern Morgen wurden im Beisein eines Untersuchungsrichters von Mülhausen, des - hiestgcu Amtsrichters, eines Gcrichtsarztcs und des hiesigen Rabbiners die Ucberrcste der vor ungefähr fünf Jahren in ihrer in der Pfarrgaffc gelegenen Wohnung todt aufgcfnndencn und auf dem israelitischen Gottesacker beerdigten Wittwe Lkvy ansgcgraben. Wir der „Straßb. Post" mitgethcilt wird, hatte sich das Gerücht verbreitet und erhalten, die Frau fei ermordet und beraubt worden. Die Ausgrabung der schon so lange in der Erde ruhenden Gebeine soll infolge der Aussagen eines im Gefängnis; sitzenden früheren Nachbars der verstorbenen alten Frau erfolgt fein, auf welchem der Verdacht ruht, mehr von dieser dunkeln Angelegenheit zn wissen. Mittel-Asien. Mcrw. (Schluß.) Zur festgesetzten Stunde fand ich mich am zweiten Morgen im Bahnhöfe von Tschardschui ein, um nun in Gesellschaft meines jüdischen Nciscgcfährtcn die Rückfahrt nach Mcrw anznlrctcn. Ich traf ihn schon im Stationsgebäude in Gesellschaft seiner Frau und Kinder, die nun mit ihm zugleich nach Mcrw gehen sollten. Es war heute das erste Mal, daß ich in Begleitung bockharcsischcr Frauen und noch dazu von Jüdinnen reisen sollte. Die Fra» meines Reiscgcfährtcn zählte erst, obgleich ne schon zwei erwachsene Töchter besaß, dreiunddrcißig Jahre, und konnte sie auch zu den schönen Frauen gezählt werden. Sie und ihre Töchter trugen die bekannte mittelasiatische Tracht, und waren sic mit Schmuck, der indeß fast nur aus Silber und Rubinen bestand, förmlich überladen. Silberne Kelten au den beiden Armen, um den Leib, nm den Hais und als Srirndiuden. Rur die Ohrgehänge waren aus Gold, hatten die Form von Weintrauben, dcrcu Körner aus Rubinen bestanden. Zch wurde der Madame vorgcstcllt, die mich auch wgleich Türkisch anredete. Vom Persischen verstand sie nur einzelne Worte. Auch ihre beiden Töchter sprachen nur Türkisch. Das Signal zum Elusteigea wurde endlich gegeben Ich envartete nun, daß die ganze Familie meines Rcifcgefährlca mit ihm znsammcn in einem Waggon sitzen werde, sah mich aber bald enttäuscht, denn die Frauen wurden auf Befehl des EonducteurS in den für das schöne Geschlecht eigens bestimmten Waggon gebracht, da auf der Transkaspibahu beide Geschlechter nicht in einem und demselben Waggon sitzen dürfen. Diese Frauenwaggons besitzen auch Fcnstcrchen, die aber stark vergittert sind, so daß man keinen Blick in daS Innere deS Waggon« werfen kann. Den Männern ist der Eintritt in diese Fraucnwaggons strengstenverboten, und auch der Eonductcur darf dessen Inneres nicht betreten. In dem Waggon saßen schon einige rnrkomcnische Frauen mit gänzlich verschleicrieni Gesichte und hatte eine jede derselben ein kleines kupfernes Gefäß an ihrer Seite, stehen, daS verschiedene Süßigkeiten, als: Zuckcrwcrk, Honig, Mandeln, Feigen etc. enthielt. Auch die Wasserstasche fehlte nicht. Vor den Bänken standen dann mehrere Paar Holzschuhe (Babuschcn). welche diese Turkomcninncn abgelegt hatten und saßen sie alle baarsnß da. Auch die Gattin -meines Reisegefährten und ihre beiden Töchter legten sogleich ihre Holzschnhe ab, um ihre Füße von dieser schweren und auch lästigen Bekleidung zn befreien. .Kaum waren wir jedoch über die zweite Station Gulta-Miner hinaus, so hörten wir ein gewaltiges Geschrei, das an« dem Waggone drang und daS ununterbrochen fortdancrle bis wir die nächste Station erreicht hauen. Hier erst erfuhren wir die Ursache dieses Lärms. Eine der beiden Töchter meines jüdischen Reiscgcfährtcn hatte eine Wasserflasche, welche den Turkonieninnen gekörte, umgeworfcn, deren löstliches Naß nun gänzlich ausfloß. Daher der Streit. Derselbe endete damit, daß wir den Turkomcnnincn ein anderes Gefäß mit Wasser gefüllt übcrbrachten. Jeder Reisende, der die Transkaspibahn benützt, handelt indcß fchr weise, wenn er sich nicht nur mit den nöthigcn Lebensmitteln, sondern auch mit Oucllwasser gehörig versorgt, denn das Wasser, das die anesischcn Brunnen in den Zwischensrationcu liefern, ist stark gesalzen und brakig. ' Unsere Gesellschaft in dem Waggon bestand heute aus nenn Köpfen, unter denen sich auch ein ehemaliger SrammeShäuptling und großer Sklavenhändler befand. Derselbe klagte uns, daß sein Wohlstand, seitdem die Russen, Herrn von Meno sind, die bekanntlich den Menschenhandel daselbst sogleich unterdrückten, bedeutend abgcnounnen habe. Früher besaß er an siebzig Sklaven, meistens gefangene Perser, die fiir ihn alle nöthigcn Arbeiten im Hanse und auf dem Felde verrichten mußten.

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