Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-08-08 · Heft 61 (8.8.1887) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 61 (8.8.1887)
Date
1887-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449758--26957-2516811
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1107 wohl noch mancher derselben über die Christen und Juden, aber die Hand gegen fie zu erheben, wagt er nicht. Im Jahre 1867 eroberten die Türken auch das Sultanat Aemen in Südarabien, und seit damals stehen 50,000 Mann türkische Soldaten in Arabien bereit, um jeden Ausbruch des Fanatismus gleich im Keime zu ersticken. Vor vier Jahren Laben die Türken sogar nach den zwei heiligen Städten Mekka und Medina Garnisonen gelegt, was den Arabern gewaltig imponirte*) Heute ist nun der Aufenthalt in Dschiddah so sicher, wie in Konsrantinopcl uud Smyrna, zumal, da seit der Eröffnung des Suezkanals jeden Augenblick ein europäisches Kriegsschiff hier ankommt. und wir auch durch den elektrischen Draht mit allen Theilen der cipilisirten Welt in Verbindung stehen. Christen und Juden können sich in der ganzen Stadt frei bewegen, nur das östliche Thor, durch das der Weg nach der beiligen Stadt Mekka fuhrt, dürfen wir nicht überschreiten. Tie nach Bombay gehenden Schiffe des österreichischen Lloyd und die Fahrzeuge anderer Dampschifffahrts-Gcsellschaftcn legen regelmäßig hier an. (Schluß folgt.) Feuilleton. Die ßonverlitm. Don Friedrich Rott. (Fortsetzung.) 25. Kapitel. Am Abend dcffelbcn Tages befand sich Alexander im Eiscnbahncorrpöe auf dem Wege in das Seebad, in dem seine Familie weilte. Es war eine milde Sommernacht, des Vollmondes Silberschein erfüllte die Gegend, die der Eifenbahnzug durcheilte, wie mit magischem Glanze, im Innern jedoch flackerte die Lampe. Leide Fenster waren oycn, denn die Luft war überaus milde. Außer Herrn von Lilienfeld befand sich nur noch ein Passagier im Eoupöe, es war ein hochgewachfencr, etwas leidend ausschendcr Mann, der hin und wieder hüstelte. Tie Reisenden hatten sich *) Tie r.otbotabü6e Provinz Hübsches mit btn «tcbitn Mrkta. Medina und Tichiddad fcJrifct für ewige Zeilen Denkthurn der Familie bei Pro?de:en Moderned. deren elrenes MirgUrd den Titel l^ror-icherii führt. Tiefer regiert bas trank, brdr die Zitntra ein und ernennt die otiLtcr. Tie Tüi'en bürfen nur in den Seeüädren daieldn die ZöUe eindeden und einen Militär-<?ou»erneur dafelbü halten. der aber in Tfckiiddah rrfrdirea mutz. 2" MeNah residirr dann der Grotzjcherif, der »ie ei» König Hof sühn. bisher nicht unterhalten, endlich erhob sich der Eine, um das Fenster zu schließen. „Sie entschuldigen, mein Herr, ich bin Patient der Steinkohlendunst benimmt mir den Athem." Alexander hatte selbstverständlich nichtdagegen, sie wechselten noch einige gleichgiltkge Redensarten, dann stteckte sich jeder auf eine Bank auS und bald entschlummerten beide. — Als Alexander erwachte, war es bereits Heller Tag; die scharfe Morgenluft drang durch das geöffnete Fenster und fröstelnd hüllte er sich fester in seinen Plaid. Ta hörte er den schlafenden Gefährten wiederum hüsteln, leise erhob er sich und schloß auch das zweite Fenster, indem sein Blick unwillkürlich auf dem Schlafenden weilte. — Seltsam, er wußte mit Bestimmtheit, daß er ihn wissentlich nie gesehen und dennoch lag in dessen sanften, überaus sympathischen Zügen ein Etwas, das ihm ungemein bekannt vorkam. Während er noch auf ihn hernicderblickte, erwachte der Fremde und richtete sich langsam auf. - „Wo sind wir?" fragte er, um sich blickend. „Jetzt eben haben wir die Station R...Y verlassen." „Jetzt eben die Station verlassen? — das muß man nützen." Etwas rascher erhob er sich, nahm aus seinem Handkoffer eine Flasche Wasser und ein Handtuch, öffnete dann das Fenster und hielt feine Hände hinaus, über die er abwechselnd den Inhalt der Flasche leerte. Alexander lächelte, vor kaum zehn Minuten hatte er dasselbe gethan. Der Andere mißverstand sein Lächeln. „Sic müssen entschuldigen," sagte er, indem er einen kleinen Beutel hervorzog und demselben die Gcbetriemcn entnahm, „ich bin Israelit nnd —* „Ich bin gleichfalls Israelit," eutgegnete Alexander, „und bin gleichfalls im Begriff Tesillin zu legen — wir werden einander nicht stören." Beide verrichteten das Morgengebet, und als sie dasselbe beendet, begann eine Unterhaltung, die nicht wieder in'S Stocken gericth. Sie hatten ein-. ander als Glaubensgenossen erkannt und zwar als gesinmmgsgleiche, nicht nur, daß sie ihre Morgenandacht in gleicher Weife verrichtet hatten, auch in der Frühstücksstälion begnügten sich beide-mit schwarzem Kaffee. Noch einige Stunden blieben sie beisammen, dann gingen ihre Wege auseinander, der Fremde wollte einen südlichen Eurort besuchen, Alexander mußte nordwärts. Sie hatten Gefallen an einander gefunden, bevor sie sich trennten, tauschten sie ihre Karten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.