Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 61 (8.8.1887)
- Date
- 1887-08-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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’*“‘'Vj'-*1'~J ^---^t--^ r’tirj^*, * ";-i •^-^■a.-dSää 1104 weit sind die Zöglinge in den jüdischen Lehrerbildungsanstalten in der Musik und im Chasonus zu unterrichren?" Don dem Werthe der Kenntnisse deS synagogalen Gesanges für den Lehrer ausgehend, stellt der Referent die Forderungen für die Ausbildung der Seminaristen speziell im Cantorat und der Musik im Allgemeine«. Ter Zögling ist außer mit den traditionellen Melodieen auch mit den „Minhagiur" bekannt zu machen. Als Grundlage für den Unterricht werde ein Mclodieenbnch benupt. Ter Unterricht gehe von den Frcitagabcndgesängen aus und schließe daran die übrigen Sabbatgebcte. von denen besonders das Minchagcbct seiner Schwierigkeit wegen besondere Aufmerksamkeit erfordert, hierauf die Fcstgebete, bei denen man sich von Unterlegung von Opernmelodicn fcrnhalten soll. Reben der Ausbildung im shnagogalcn Gesänge ist aber dem Dorlcscu der Thora besondere Beachtung zu schenken. Zur Beantwortung der 2. Frage übergehend, verlangt der Referent von dem in's Amt .tretenden Lehrer:!) gründliche Aotenkenntniß, 2) die Fähigkeit aus der Geige ein Schullicd oder einen Choral rein und fehlerfrei spielen zu können und 3) die Clememarwissenschaft der Harmonielehre. Referent hat keine Thesen ausgestellt. In der lebhaft geführten Debatte verlangt Levy-Norden, daß im Musikunterricht das Ziel, das die „Allg. Best.* aufstcllcn, auch tu jüdischen Seminaren erstrebt werden solle. Herr Direktor Tr. Krrner— Hannover hält diese Forderung allerdings für angebracht. Aus dem Umstande aber, daß in jüdischen Seminare» auch das Hebräische einen großen Therl der Zeit in Anspruch nchrne, gebe hervor, daß mau nicht auf allen Seiten gleiche Ziele verfolgen löm.:. Tic Dcrsalnmlnng müsse sich daher begnügen, nur die Forderung auszusprcchcn, daß überhaupt Mustkunrcrricht getrieben werde. Tie Masse muß der Zukunst überlassen bleiben. Tie Ausbildung im Spielen eines Instrumentes sei bis zu dein Grade zu bringen, das; der ins Amt tretende Lehrer ein Lied zu spielen und ein Stück Chasonus einzuüben in* Stande fei. Am Seminar zu Hannover feien sogar die Ziele höher geschraubt worden, indem die Seminarisien. auch in Theorie unterrichtet werden. Lcvn—Norden gibt seiner Freude Ausdruck, daß ein Fortschritt auf dem Gebiete des Musikunterrichtes bemerkbar sei. Cr verlangt sodann, um die Seminaristen auch in der Homiletik auszubildcrr, die Cinführung eines 4jährigen .Kursus. Dem entgegnet Herr Tr. Kroncr, daß zur Cinführung eines -tjährtgcn Kmius einerseits die Genehmigung des Ministers erforderlich sei, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erthcilt werden würde, andererseits sei aber zur Ausbildung in der Homiletik ein -ijährigcr Kursus nicht einmal ausreichend. Ferner entgegnet Herr Direktor Tr. Kroncr auf eine Anfrage über die Ausbildung im „Leine»/, daß auch in dieser Beziehung im Hattnover'fchcn Seminar genügend gesorgt sei. Als Resultat werden folgende von den Herren Direktor Tr. Kroner und Levy—Norden vorgeschlagcne Thesen angenommen: I. Cs ist norhwendkg, daß auf den jüdischen Lehrerbildungsanstalten ein solcher Unterricht in der Musik und Harutouiclehre erthcilt werde, als eS zur ordnungsmäßigen Crthcilung des GcsaNgunter» richts kn der Volksschule, zum musikalisch richtigen und wohlgefälligen cantoralen Dortrage 'und zur Pflege mindestens eines einstimmigen Chorrcfp. Gemeindcgcfanges beim Gottesdienste erforderlich ist. II. Cs ist rrsthwendig, daß der Chasonnsuntcrricht an den jüdischen Seminare» auf Grund eines cantoralen Werkes in dem Umfange und in der Methode erthcilt werde, daß die Schüler der Anstalt für alle einzelnen Aufgaben des Chasonus ausreichend vorbereitet werden und'eine selbstständige Fortbildung ihnen ermöglicht wird. Hierauf erhält Cckmann—Nienburg das Wort zu seinen! Dortragc: „Tie Konfirmation." Nach lebhaft geführter Debatte erklärt sich die Versammlung für incompetent in dieser Frage, als rächt in ihr Gebiet gehörend, zu entscheiden, infolgedenen der Referent die ausgestellten Thesen;urückzicht. Zuletzt werden noch die von Levy—Norden gestellte» Anträge, betreffend Abseudung einer Pc» ttttoit an den deutsch - israelitischen Gemeindedund, l> um Gründung einer Centralbibliothek nach Art der Komeninsststlung in Leipzig, 2) um Unter-' stüyung einer jüdischen Lchrcrzcklschrifl und 3) um Subverttionirurrg größerer jüdischer Werke, in der Weise, daß mit den Derlagsbuchhändlcru cm Abkommen getrosten werde, wodurch die Beamten der Bundesgcmcinden die Werke zu ermäßigten Preisen erhalten sollen, erledigt. Ten zweiten Antrag zieht der Antragsteller zurück, nachdem sich herausgeftcllt hat, daß kein Bedürfniß hierzu vorlrege. indem fast alle jüdischen Zeitschriften pädagogische Beilagen bringen. Ten ersten Antrag hält Dr. David- Hannover für gegenstandslos, da einerseits der deutsch-israelitische Gemcindcbnnd wohl nicht zur Errichtung einer größeren Bibilothck die Mitte! habe, andererseits bestehe aber in Hannover eine Gcmeindebibliothck, die ca. 2500 Bände umfasse; %