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Der Israelit · 1887-08-08 · Heft 61 (8.8.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 61 (8.8.1887)
Date
1887-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1102 Worte und Buchstaben der Thora gezählt und da» durch den heiligen Urtext vor jeder Entstellung im Laufe der Jahrtausende behütet haben. Tie Massorcthcn hatten sich auch die Aufgabe gestellt, diejenigen Worte genau zu bezeichnen, die anders geschrieben als sie gelesen werden, wie z. B. im 5. B. M. 6. 28. V. 27 u. B. 30 und an vielen andern Stellen. Nun gibt es im Talmud (vergleiche Äidduschin I8d. Sanhcdrin 4 d. :c.) eine Meinungsverschiedenheit, ob für die Halachah die Art, wie das Wort geschrieben wird, bestimmend ist, oder wie cs gelesen wird x-.pe? ex v ix ne) ex r> Rabbi Akiba ist der Ansicht x-pep ex xr, und gerade deßhalb warnt er, daß nran die Mafforah nicht gering schätze» soll, denn sie ist die Mauer» welche die Thora vor Entstellung schützt. Als unsre Voreltern aus der babylonische» Gefangenschaft zurückkehrtcn, da erneuten die Führer des Lölkes bcu schon von unsrem großen Lehrer Moschch cingcrichtcrcn Gebrauch, Abschnitte aus der Thora der versammelten Gemeinde vorzulesen, und jo wird uns (Nechemjah (5.8. V.8) erzählt: -.ree ^x^pn x-pee ri'en?er ca r'.ce c’iVxn rr.*re. „Und sic lasen im Buche in der Lehre Gottes und erklärten das heilige Schriftwort. Nach Slcvarim 37 ist, nach einer Anschauung, unter x-spee die Massorah zu verstehen. Nach Ieruschalmi, Schekalim E. 2 haben cs sich die Losrim oder Mafforethen zur Aufgabe gemacht, durch Zahlenbcstimmung die verschiedenen Halachorh dem Gedächtnisse einzuprägc», indem sie die gleichartigen Tinge zusammenfasscn und ihre Zahl augcbcn, wie ren ,nVr.e e*e-n c'en nsen ,ism x> r.rrcn ,m*re nme rr c*mr jpnrrs nne-s ctj ,pp~: rex nye-x rp rne:e -ei -ry mr r.'e'i rnx -en e-ye-ix r.*rxre n-ex Tirsc Art von Zusammensassung des ungeheueren Halachastoffts zu allgemeinen Grundsätzen tvird auch als das große Berdicust des Nabbi Akiba gerühmt. Ihm wurde der Ehrenname e-72 -s*x bcigclcgt (Eiittin 07). Er sammelte alle Halachoth und brachte sie gleichsam in ein großes Magazin, wo er die gleichmäßigen und ähnlichen zusammenlcgte und zusammcufastre, so daß er allgemeine Grundsätze gewann, welche sich dem Gedächtnisse bcpcr einprägen e-e-s: ebbz z-perr xe-py *e-i. 2o lehrt auch sein Schüler Rabbi Iehuda (^:xn 7-ie): Jedermann soll sich bemühen, die Thora systematisch zu erlernen und den großen Stoff in allgemeine Grundsätzezusammcnzufassen, weil die vielen ungeordneten Einzelheiten ihn ermüden würden. Ich will dir das au einem Beispiele klarmacheu. So Jemand eine Reise nach Eäsarea zu machen hat und er braucht hundert oder zweihundert Gulden — wenn er das Geld in kleiner Münze oder sogar in itupfer milnehmen würde, so würde die Last ihn ermüden: so aber nimmt er Silberguldcn mit sich und wechselt sie während der Tauer seiner Reise mit Leichtigkeit. Oder cs reist Jemand zur Messe und braucht 10,000 oder 20,000 Gulden. In Silber wäre eine solche Summe schwer transportabel; der Vernünftige setzt sie in Gold um und erreicht mit Leichtigkeit sein Ziel. — So finden wir, daß die Mafforah, in diesem Sinne aufgefaßt, eine Mauer ist nicht nur zum Schutze der schriftlichen, soudern auch der mündlichen Lehre, der ganzen Thora. Nach einer andern Auffassung bedeutet rrooe nichts Anderes als die Ucbcrlicserung, die Tradition, die uiündliche Lehre, nach der Analogie von Ftr-rr? meci O’ce rr*n bzp rro. Nach dieser Auffassung wollte Rabbi Akiba lauter solche Tinge bezeichnen, welche anscheinend der Sache schaden, in der Thal aber nützen. Ich hätte gemeint» die bloß mündliche Ueberlieferung führe die Gefahr des Lergcffcns herbei; deßhalb sagt Rabbi Akiba rr.'rb ro r.-'-ee gerade die bloß mündliche Ueberlieferung hat die Thora so tief und fest in die Geister eindringcn laffen, daß sie dieselbe gleich einer Mauer geschützt hat; man sollte glauben, daß die Wcgschcnkung des Maaßer das Vermögen verringere: deßhalb lehrt Rabbi Akiba ne nnrye, die Lerzehutuugcn bewahren den Rcichthum durch die Hilfe Dessen, dem aller Rcichthum ist, der spendet oder nimmt; man sollte meinen, der Kamps gegen die Sinnlichkeit würde durch Gelübde noch verstärkt, da das Verbotene für de» Menschen einen desondcrn Reiz hat, deßhalb lehrt Rabbi Akiba zrr: rszr'sb ne, durch freiwillig aufgenommcne Gelübde! lernt man auch verbotene Tinge meiden: cs ist die irrige Ansicht verbreitet, daß man auch durch Untcrhallrmg über gleichgilrige Truge seine Kenntnisse vermehrt, daher lehrt uns der Größte der großer l Weisen npre ncerf? ne. eine schützende Mauer für | die erlangte Weisheit ist das Schweigen, nicht da-1 Schweigen in Bezug auf die Gottcslchre, denn de l ist das Reden geboten, nicht das Schweigen irk Bezug auf Verleumdung, Spott, Zweideutigkeit^ 1 ic., denn da ist das Reden verboten, sonder: k das Schweigen in Bezug auf unnütze Tinge, de; k leere, seichte Geschwätz , denn dieses macht selt k den Kenntnißrcicheu zum Thoren. | (Fortsetzung folgt.) 1

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