Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 60 (4.8.1887)
- Date
- 1887-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nun, das hake ich gethan, ich habe Mama gefragt, aber Mama hat gesagt, das ginge mich nichts an. Eigentlich wollte ich nun wieder Fräulein fragen, ob ich Tir schreiben sollte; aber es scheint ihr so leid zu thun, von Rosalie etwas Unrechtes denken zu muffen, und eigentlich ist es auch gar nicht mehr nothwendrg, dast ich sie darüber frage, denn jetzt glaube ich es doch noch mehr mit Bestimmtheit als vorher, denn wenn es nicht wahr wäre, hätte Mama doch ganz einfach gesagt, daß cs nicht wahr ist. Aber, daß cs mich nichts angeht — es geht mich wirklich sehr viel an. Lieber, guter Alex, ich bitte Tich herzlich, glaube nur nicht, weil Tn weißt, daß ich Rosalie nicht lieb habe, daß cs nur leicht oder gar angenehm wäre, Tir dieses zu schreiben. Das ist ganz gewiß nicht der Fall. Aber wenn Mama anch sagt, daß cs mich nichts angeht, so glaube ich doch, daß ich verpflichtet bin, Tir milMheilen, was ich glaube. Aber ich habe Dich so sehr lieb, und ich weiß, daß Tu so sehr, sehr fromm bist und gewiß lieber sterben möchtest als ein Unrecht thun. Und wenn ich mir da denke, wie Tn leiden würdest, wenn Tu eine Frau haben würdest, die gar nicht fromm ist. — Nein, ich weiß es ganz gewiß, ich muß cs Tir schreiben. Also am Sabbat vor acht Tagen, als Fini in Mama's Zimmer kam, da war ein starker Eigarrendunsr dort, alle Fenster waren nämlich geschloffen und nur Rosalie war bei Mama. Fini fragte, wer denn da gewesen wäre und Rosalie sagte, Rieinand. Das kam Fini so auffallend vor, daß sie hinauslies und mir sagte, ich möchte doch hincingehen und scheu, ob ich nicht anch finde, daß es dort stark nach Eigarrendamvf riecht. Als ich aber hincinkam, fand ich das nicht, denn die Fenster .Ttt ^iratlit“ en'Leinr wbLmrlrch zweimal» MoatagO und Tonoerdags» iedeLmat in mindrsteuS LBogra. Preis des Jahrgangs jui Ttund/Iaub und Orücrrrich 12 Reichs Mark. für - Ausland 16 ReichS-Mark. Man adonmn gaap jährig, bcll’äfciig oder stmdjäbrig.?i!U BilLhand'.ungen und Postämter nehmen BcsteUuugrn an. — Durch de» Buchhandel ja drjirhen bei C. F. Slrivsrirrr. terxjrg. Vsijxtnh!8. — Inserarr 25 Pfennige di» dreigrspaltene Petitzeile oder deren Jiaunt. — Orsterreichische Banknorcn laut »iourS. — Tutete granco;u?endung um« Stitifbcnb^mo Jahrgang für Teurschkand und Testerreich 14 ReichSMcrk oder 8 ft. österr., iüt'i Ausland 16 Reichs-Mark an dir Yxvedition franro einzusenden. Iotzatt Leitend« Artikel: Tie Sprüche der Bär«. — Literarisch« Bericht. — ZeimngSnachrichttn und Comfponbfttttn: Tcurschland: Aus 3büting«n. — Rumänien: Bukarest. — Türkei: Ädrianopel. Salonichi. Mirrrl-Asten: Mern>. — TenriLIand: Bad Hornburg. — JvmsUficn: Tie t'onperritin. — IuKal» der erste» Beilage: reitender Artikel: Tas t^rrep berrefiend die Organifario» d« iSrael. CutmSgrmeinden i» Testerrerch. — Acitungsnachrichren und c-orreipondenzen: Teurschland: L-ürnernderg..— Judalt der zweite» Beilage: Zcilungsnackrichren und Ponespondcnzcn: Holland: Amsterdam. — Italien: Rom. — Amerika: Rew Bork. — Berantwottliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — (Spedition des ,35iaclit* große Bleiche Rr.4L. Truck und B«lag von Oscar Lehman» in Mainz. (Hierzu zwei Beilagen.) waren beide offen. Rosalie lachte und sagte, ich wäre gewiß nur hincingekommen, um dort zu schnüneln. WaS ich ihr geantwortet habe, weiß ich nicht mehr, aber auf einmal sah ich im Winkel einen Rauch aufsteigen und, als ich hinging, sah ich ein kleines Stückchen von einer Eigarrette glimmend auf dem Boden liegen und in den Teppich war ein großes Loch gebrannt. Ich habe es zwar nicht gesehen, aber ich glaube mit Bestimmtheit, daß Rosalie eine Eigarrette geraucht bat , das thut sie nämlich sehr gern, und als sie Fini kommen gehört hat, hat sie die noch brennende Eigarrette vcrmuthlich in den Winkel geworfen, und dadurch wird dann der Teppich zu glimmen angefangcn haben. Ich habe Mama gefragt, ob es so ist, aber, wie .gesagt, Mama will mir nicht antworten, darum wird es am besten sein, wenn Tn selbst Mama fragst. So , jetzt habe ich Dir mitgetheilt, was Dir mitzulhcilcn ich mich verpflichtet halte, aber sei versichert, daß ich mich .herzlich freuen würde, wenn ich mich geirrt hätte. Und wenn ich mich geirrt haben sollte, so bin ich doch überzeugt, daß Du mein Schreiben nicht übel nehmen wirst, es ist mir sicherlich nicht leicht geworden. Adieu, mein lieber, theurer Bruder! Lebe recht wohl und behalte lieb Deine Dich innigst liebende Schwester Gabriele. Herr von Lilienfeld athmete tief auf, als er den Brief zu Ende gelesen; langsam faltete er ihn wieder zusammen und schob ihn in die Tasche, dann richtete er sich stramm auf, sein Entschluß war gefaßt. _< Fortsetzung folgt.) Auflösung des Räthsels in Nr. 57: Zinsen — Nachbar