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Der Israelit · 1887-08-04 · Heft 60 (4.8.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 60 (4.8.1887)
Date
1887-08-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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. ' y;V - ‘ '’v.j ■ . > ■!■> tirii■■ 'r . 1084 kischer Herrschaft stand (bis 1856 thatsächlich, bis 1878 nominell» galten daselbst die türkischen Kapitulationen mit (Europa. AuS diesem Grunde hatten die einzelnen Mächte und besonders die nächstgelegenen. Nußland und Oesterreich, neben ihrer regelrechten Polizei- (konsular-) Verwaltung und Gerichtsbarkeit auch ihre eigene Post. Auch die Moldo-Walachcn halten etwas Achnliches. Aber die Untcrthane» speziell dieser Mächte sind fast ausschließlich Israeliten, wie ich bei anderer Gelegenheit erörtert, und diese heißen zum Theil noch^jctzt nach maller Gewohnheit „Jäkel den Joyel" „Ehaskcl-TraSkel", „Ehasim Mordchc der Baba's" (der (Großmutter) oder wie die Türken „Tndala iTavidchcn) der Taube". „Icnzi Mrrl die Schadchentc (Hcirathsvcrmittlerin)," „Itzig Hcrsch (5 h a j i 1 (Lchneidcr)" n. s. w., verschiedene Spitz- und Spottnamen, Gcwcrbenawcn, Eigenschaftsnamcir, Unrcrfcherdttngsttanrc», Namen von irgend einer Besonderheit am Körper oder von einer speziellen Fertigkeit z. K. Awrcm Leser Gaucw (Ticb). Zu dieser wenig genauen Bezeichnung des Adressaten, ist weiter zu bemerken, daß die Angaben von Straße und Hausnummer selbst jetzt nur noch für Bukarest und die größeren Städte angeordnet ist; in der Zeit aber, von welcher ich die Erinnerung schreibe, hauen die Straßen noch leine Täfelchen, und Hausnummern waren zwar von 1 bis inchrcrc Tausend. aber bei der mnsrerhastcn Ordnung, welche Rumänien auszcichnct. konnten auf mehreren Häusern einer Straße dieselbe Nr. Vorkommen oder Zwischcn- Nrn. fehlen. Tic Straßen hauen nun im VolkSmnndc ihre Namen, aber diese waren oft dreierlei; türkisch, rumänisch und (jargon-) jüdisch. To hieß z. B. eine Straße in Jassy Bcilik (türkisch: Residenz der Bei), Manuefiar (jüdisch, obwohl anscheinend ebenfalls von den Türken herübergcnommen, wahrscheinlich von .<rarawan-Tcherai) und tirxu! später $trnda) de j«s soi-disant(rumänisch: Untere Straße). In den Tonauhäfcn gab cs noch griechische, französische und andere Straßcnnamcn. Um die Verwirrung voll zu machen, wurde jedem Nationalen in seiner Schrift adresstn. also unseren Juden in jüdischer :.iu rsiv schri fr und allenTirnlatnren, von „ha-Nogid, Ha-Godo!" und anderen Morcno's, welche die ganze Briepalte (Eouvcns kannte man nicht) ausfüllte. Man denke sich das alles beisammen und man wird errathen, was ich sagen will: Tie Anstellung israelitischer Blicfträgcr seitens der moldo-walachifchen und europäischen Posten war eine unausweichliche N o t h w c n d i g k e i r. Tenn von dem kamcrunifchwilden Zustande der Moldo-Walachcn abgesehen und österreichische bezw. russische Briefträger vorausgesetzt, wer konnte gerade den „Iäkef Itzig den Rachmiel mit dem langen Bart" unter so Dielen, die ebenso hießen, aber keine ganz langen Bärte hatten, am besten hcraussuchen, als einer von der sei - disant „Gasse"? Und wer konnte die jüdische Kursivschrift mit ihren „Ziekchen" (Schnörkel) lesen? Ei» christlicher ^irn" (Ocstcrrcichcr) oder „Fonje" (Russe) u. s. w. sicher nicht. Eine eigentliche „Gasse" d. h. Ghetto im Sinne des Auslandes, aus Zwang der Regierung, hat cs nie gegeben. Man wohnte gemischt» wo man cs für gut und zweckdienlich fand, in allen Straßen und mit Vorliebe wohnten die Israeliten sogar im Ecnlrnm, während die Christen, reich und arm, thcils unter ihnen, zum größeren Theil in der „Mahala" (türkisch: äußere Stadt, Vorstadt) zurückgezogen lebten. Dennoch gab cS ganze rcin- oder überwiegend israelitische Straße». Dies währt von der aus Europa mitgcbrachtcn Furcht vor Volks- und Regierungsvcrfolgungcn, sodann von der innerhalb der Israeliten früherer Zeiten hcrbcigcbrachtcn Absonderung nach Gewerben, Ständen und Geschäften, welche ein Beisammcuwohncn vorzichcn ließ. Wenn ich mich recht entsinne, war cS erst 1872, das; Rumänien ansing sich langsam der Suzcränetät der Hohen Pforte zu entziehen und der erste selbstständige Akt auf dem Wege der Internatioualität war der Abschluß eines Postvertragcs mit Oesterreich, dem dann weitere mit den anderen. Mächten folgten. Danach übernahm Rumänien die gcfammte Postvcrwaltung, sowie die verschiedenen Beamten von allerhand Nationen, die, wenn Ehristen, im Handumdrehen „Rumänen" tvnrdcn mit allen davon entspringenden Rechten. Die israelitischen Briefträger wurden ebenfalls hcrübcrgcnommc», und Rumänien harte ja auch welche, aber als das, was sie waren: „Juden", denn 1872 regierte Bratianu und fein Anhang wie auch jetzt. Ganz besonders für Geldsendungen sind auch jetzt nur Israeliten angcstcllt, denn dazu gehört Vertrauen, welches die Rumänen ihren eigenen Staunncsgcnoiicn nicht geben konnten, die Israeliten aber cs traditionell schon in den allerältcsten Zeiten schon genossen. Der sehr fühlbare Unterschied in der rumänisch gewordenen Post zeigte sich auch bald. Tenn gleichzeitig damit wurde auch.daS „Bestellgeld" als Zwang und das übliche Ncujahrsgeld abgcschassl und dafür die Gehälter cingefnhrt. Während aber die neugebackenen „Rumänen" vermischtcstcr Provenienz Gehalt bekamen, weil man doch von irgend etwas leben muß, wenn nicht gerade vom Bestellgeld und well man einem Staate nicht um-

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