Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 60 (4.8.1887)
- Date
- 1887-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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■j ■4 1085 sonst dienen braucht, durften die „Juden"' weiter dienen, aber — ohne Gebalt, wenn cs gefällig ist. Für sie freilich war das Bestellgeld fakultativ, denn wie oben die christlichen Beamten müssen sie doch auch von irgend etwas leben, wenn nicht gerade von Gehalt. Es wurde indest nicht ihnen und nicht den Empfängern freigeftellt Bestellre. Geld zu nehmen beztv. zu geben, sondern es blieb damit, ebenso mit vielen anderen Sachen, blos beim Alten. Daher geschieht cs seitdem, daß christliche Briefträger Bestellgeld :c. und Gehalt beziehen, während israelitische sich mit den sehr freiwilligen 5 Baut (4 Pfennig) begnügen, im Uebrigcn aber den rumänischen Staat umsonst bedienen. Dazu kommt noch, daß bei der angeborenen Bequemlichkeit uud Richtsthucrci der Herren Numäncns. den israelitischen Briefträgern der schwerste Thcil des Dienstes aufgebürdct wird. '„Ter Jude" ist bekanntlich nicht nur erfinderisch, sondern auch findig. Wenn ein christlicher Briefträger einen Adressaten '(Jude oder Ehrist) nicht bald gefunden hat, so übergibt er das Stück „dem Juden", der den Empfänger so gut wie sicher auffindet, weil er cs nicht als seine Aufgabe aussaßt mit seiner Aase an die Adressaten anzustoßcn. Wären nicht, wenigstens in der Moldau bis jetzt, in der Stadt israelitische Briefträger vorhanden, so müßte ein großer Tbcil der Sendungen als „unbestellbar" zurückgehen. Freilich, man adrcfsirt jetzt nicht mehr auf Jüdisch an „Jcdidi. ha- Rogid re. Rcb Jäkel den Josscl" soridcrn gebildeter an Herrn Jancu ßin Jossub, was aber auf Rumänisch das Rämliche ist. llud b-i «der Jude" zu nicht bezahlten .Öauiccl-, wollte sagen Staats-Diensten gut genug. Auch dringend nöthig. Darin liegt ein anderer „Unterschied derEonfession", welcher 1878 abgcschasst worden sein soll, d. h. noch abgeschasst werden könnte, aber — — mit dem Berliner Vertrag, wenn ich bitten darf! Das Schreiben, mit welchem der edle Mann und Edelmann Baron von Hirsch durch seinen weltbekannten Almosenier Herrn Bcneziani für die Abgebrannten in Bottuschan 50,000 Frcs. an das Bankhaus Halfon in Bukarest schickte, enthält u. A. die bestimmte Weisung, „daß das Geld ausschließlich zur Hilfe für das Elend, das wahre Elend, verwendet werden soll, aber nicht zum Wiederaufbau uud dergleichen". Bon dcn50.ooo Frcs.nnd bei den in Rumänien herrschenden Agioverhältnitfen, welches zu Zeiten schon auf 22 Prozent gestiegen war, 57.000 geworden, zu deren Benbeilung Herr Dr. Beck und der Reffe des Halfon, Herr L c m o Nch nach Bottuschan begaben. Ter Ucberschnß von 7000 Franks that auch Roch, denn — ein Unglück kommt selten allein — mittlerweile sind weitere 15 Häuser in Bottuschan abgebrannt. Dem unermüdlichen Wohlthäter, der, wie schon so oft, mit einer raschen und ausgiebigen That, die Gefühle, von welchen er beseelt ist, documcntirt hat, hiermit den öffentlichen Dank meiner rumänischen Glaubensgenossen! Türkei. Adriauopel. Hiesige Blätter heben rühmend die großartige Wohlthätigkeit des Dr. Az.i.z Bey, eines im kaiserlichen Dienst stehenden jüdischen Arztes hervor. Derselbe besucht täglich mehrmals das jüdische Hospital und behandelt die daselbst befindlichen kranken umsonst, ebenso sucht er täglich arme Ztranken aller Eonscssioncn in ihren Wohnungen aus. selbstverständlich ohne jede Bezahlung, ja er benützt häufig die von Reichen empfangenen Honorare, um arme Kranke damit zu unterstützen. Lalonichi. Die hiesige jüdische Zeitung „Epoca" berichtet. daß vor Kurzem in Spanien eine Frau gestorben, die ihr zehn Mill. Frs. betragendes Bermögcn an Juden vermacht habe, die den Namen Abarbancl führen, wenn ste Nachweisen können, daß sie der Familie des berühmten D o n I s a c Abarbancl entstammen. Ta die Familie Adarbanel sich damals von Spanien nach der Türkei flüchtete, so sei cS leicht denkbar, daß in diesem Xaiibc noch Angehörige derselben wohnen. (Wenn nur das Ganze kein Schwindel ist.) Mittel-Asien. Merw. (Fortsetzung.) Rach einem Aufenthalte von kaum zwei Minuten verließ dann der Zug die Station wieder und wir gelangten mm in die wirkliche Wüste, von der wir bisher eigentlich nur den Borbof gesehen hatten. Za beiden Seiten der Bahn soweit das Auge reichte nichts als ein grauer felsiger Boden, auf dem zahlreiche Sandhügcl zerstreut umher standen. Hie und da erblickt mein auch ein kleines verkrüppeltes Gebüsch oder eine Handvoll verdorrtes MooS. Kein lebendes Wesen war ringsumher zu scheu, weder auf dem Boden noch in den Lüsten; so ansgestorden war die ganze Gegend. Zu unserem Glücke fuhr der Zug heute ungemein schnell und wir bekamen daher fast jeden Augenblick ein anderes Wüstenbild zu schauen. Ich stellte mich daher an's offene Fenster hin, um die Lccnericn, die nur bunt vorüderflogen.