Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 60 (4.8.1887)
- Date
- 1887-08-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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seinen Tod seine unendliche Liebe zum Allhcrrn beweisen zu dürfen. Ter uns beute zur Erklärung vorliegende Ausspruch des großen Weifen bildet den Anfang einer Reihe von Aussprüchen, welche uns einen Blick in die Gedankentiefe des großen Lenkers eröffnet. Als die Männer der großen Synode nach der Rückkehr ans der babylonischen Gefangenschaft die Rcubegründcr des indischen Staate* wurden, sprachen sie das große Wort aus: „Ziehet eine Mauer um die Thora!" Tie Thora gleicht einem wunderbar herrlichen Garten, in tvclchcm die kostbarsten Bäume, die nützlichsten Pflanzen, die schönsten Blumen wachsen, gedeihen und blühen. Wilde und zahme Thiere, schlechte oder unredliche Menschen, Vrinder tmd leichtsinniges Bolk würden bald den Garten vernichten, die Bäume fällen, die Pflanzen zerstören, die Blumen brechen, die wohlangclegtcn Beete zerstampfe», wer.» eine Mauer ihrt nicht schürzend umgeben würde. Daher lehrten die Männer der großen Synode: Ziehet eine Mauer um die Thora! Wohl ziemte cs Rabbi Akiba. dem Wtedcraufrichtcr unsres Volkes, als es aus taufend Wunden blutend am Boden lag, an diesen Ansspruch der Männer der großen Synode anzukttüpsen, und fünf besondere Arten von Mauern sind cs, deren Aufrechterhaltung er empfiehlt; denn, nach der Erklärung des Rabbcnu Zonah ist auch der erste Tbcil des vorliegertden AnssprnchS die Umschreibung einer zu errichtenden Mauer. „Spiel und leichtsinniges Bcuehnten führett allmählich zur Unsittltchkcit." Statt dessen hätte der Weise auch sagen können: „Ernst und gemessenes Benehtnen find eine Blauer für die Sittlichkeit." Weil aber dadurch der Gedanke nicht vollständig klar und deutlich ausgesprochen würde, so hat Rabbi Akiba cs vorgczogen, ihn in die vorliegende Dorm zu kleide». — Tie drei dann angeführte» Mauern beziehen sich auf den Ansspruch Schinrcons des Gerechten, welcher ebenfalls den Männern der großen Synode angehörte: „Auf drei Tinge» besieht die Welt; auf der Thora, auf dem Gottesdienst, trnd ans der Ucbung von Wohlthaten." Tcm entsprechend lehrt Rabbi Akiba. daß die Massorah die Mauer um die Thora bilde. Tic Thora ist das älteste Schriftwerk der Welt. Schriftwerke, die viel, viel jünger sind, haben im Laufe der Zeiten vielfache Entstellungen, Verkürzungen, Einschiebungen und Veränderungen erfahren. Tie Thora aber ist uns unverkürzt, unverfälscht, unverändert erhalten geblieben von dem Tage an, da Moscheh sie am Sinai empfangen, bis auf den heurigen Tag. __ Tie Mauer, welche die Thora schützend umgibt, ist die Massorah. Tie alten Weisen haben die Sätze, Wonc und Buchstaben der Thora gezählt und festgestellt. Zn der Thora wechselt oft die Schreibweise; die Buchstaben Aleph, Waw und Jod werden manchmal geschrieben und manchmal ausgelassen. Tas hängt jedoch nicht von der Willkür ab. daS hat jedesmal lehre große und liefe Bedeutung. Tic Massorah bestimmt, oder vielmehr berichtet, wie oft ein und dasselbe Wort in voller oder nichtvoller Fori» in der heiligen Schrift vorkonimt. Tadnrch sind alle Zrrrhümer, Abschreibefehler und dergleichen ausgeschlossen oder können doch leicht berichtigt werden; denn ein Buch der Lehre (-Tn “sd), welches Unrichtigkeiten enthält, ist zum Lorlcfen in der Synagoge ungeeignet, ja, matt darf cs nicht im Hanfe behalte», sondern muß den entdeckten Fehler sofort berichtigen oder berichtigen lassen. £ft entflieht der Rcichthum mit Windesschnelle; Leute, die jetzt eines gediegenen Wohlstandes sich crircuen, köntten sehr bald zit Bettlern werden. Willst du den Rcichthum dir erhalten, so ziehe eine Mauer um denselben, verwende den zehnten Theil deines Einkommens zum Hebe« von Wohlthaten, und Gott wird deinen Wohlstand schützen. Tausend und aber raufend Entbehrungen muß der ertragen, welcher Gott dienen will von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allem feinem Vermögen. Verlockend treten die Genüsse dieser Welt an uns heran und sind oft schwer zu überwinden. Willst du dich schützen vor der Verführung. willst du enthaltsam bleiben, wie der Tienst unsres Gottes cs erfordert, so binde dich durch ei» heiliges Gelübde, auf daß du dich gewöhnest sogar dem zu entsagen, was dir sonst erlaubt wäre. Einer der köstlichsten Vorzüge des Menschen vor dem Thiere ist die Gabe der Rede. Von der Gottcslchre zu reden, wettn wir zu Haufe sitzen, wenn wir auf dem Wege uns befinden; wenn wir uns niederlegen und wieder aufstchen ist eine unsrer höchsten Ausgaben. Schliuu» aber ist der Mißbrauch der Rede in Lüge, Verleumdung, Zweideutigkeiten, unfläthigcn oder unsittlichen Redensarten. Weder verdienstvoll noch sündig erscheint die gleichgiltigc Unterhaltung, die sogenannte Eonversalion; aber für den» der weise werden will, ist sie nicht zuträglich; ein seichter Schwätzer wird »ieuials weife werden; beim eine Mauer für die Weisheit ist das Schweigen. (Fortsetzung folgt.)