Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 59 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449756--26912-2516764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
irwww*gg>BwwwwK^,iBMiBasr£iafSiaiia«^^ iwtev'.V.LL«>L<L«HH^' 1072 .Sie wissen ohne Zweifel, daß Frau Aronowitsch die Cousine meiner Frau ist.- „Wirklich^ — das hatte ich in der That nicht gewußt." „Tie Schwester der Frau Aronowilsch ist demnach gleichfalls eine Cousine meiner Frau, wodurch es beinahe selbstverständlich erscheint, daß die Damen in dem ziemlich langweiligen Curort, während mehrere Wochen fast beständig beisammen waren und meine Frau Gelegenheit hatte, daS junge Mädchen gründlich kennen zu lernen. — Nun. mein lieber Herr von Lilienfeld, meine Frau steht mit ihren Verwandten auf allerbestem Fuße, Herr und Frau Aronowitsch sind liebe brave, strcugreligiöse Leute; ich glaube auch mit Bestimmtheit, daß sie ihre Kinder ftrengreligiöS erziehen. — Aber sie haben etwas zu viel Vertrauen zu ihren Kindern, — wenigstens zu ihrer ältesten Tochter. Rosalie ist ein schönes, lebenslustiges Mädchen, die sich in dem stillen C.m gründlich langweilt und eS daher bei ihren Elter» durchgesetzt hat, daß sie ihre verwitlwete Tante. Frau Meiersohn in 51. öfters besuchen und dieselbe auf ihren Reisen begleiten dürfe. Frau Meiersohn huldigt jedoch in religiöser Hinsicht durchaus andern Grundsätzen als ihre Familie und Rosalie theilt die Anschauungen ihrer Tante. — Meine Frau hat sich verpflichtet gesuhlt, das junge Mädchen auf mancherlei aufmerksam zu machen, über mancherlei zur Rede zu stelle» — doch ohne Erfolg. Und so sehr es uns schmerzt, vielleicht gegen das Interesse unserer eigenen Familie zu handeln, wir glaubten, Ihnen die erwähnte Thatsache nicht vorcnthalten zu dürfen. Grade weil die Eltern als ftrengreligiöS bekannt sind, dürften Sie in gutem Glauben auch die Tochter für fromm gehalten haben. — Möglich ist cS ja auch, daß das junge Mädchen sich seitdem geändert hat, doch bevor Sie sich für'S Leben binden, prüfen Sie sie. Das hatte ich onch verpflichtet. Ihnen zu sagen. — Doch waS Sie auch beschließen werden, wir rechnen auf Ihre Diskretion." „Das dürfen Sie," enrgcgnete Herr von Lilienfeld, indem er die Hand des Andern ergriff und kräftig drückte, „empfangen Sie meinen innigsten, meinen aufrichtigsten Dank nnd ersuche ich Sie, denselben auch Ihrer verehrten Freu Gemahlin übermitteln zu wolle». Ich kann Sie jedoch versichern, daß ich noch nie eine leichtfertige Aeußerung von Rosalie vernommen bade, ich hatte cs daher in Wirklichkeit für wahrscheinlich, daß sie sich geändert hat. Nichtsdestoweniger fühle ich mich Ihnen aufrichtig verpflichtet und werde auch Ihren Rath befolgen. Bevor ich urich für» Leben binde, werde ich mir über die rettgiöfen Grundsätze meiner Braut Klarheit zu verschalen wissen." Tie Herren wechselten noch einige gleichgiltige Redensarten, dann empfahl sich Herr Kalmauu. Herr von Lilienfeld begleitete ihn bis zur Stiege, dann kehrte er langsamen Schrittes in fein Arbeitszimmer zurück. Unwillkürlich nahm er seinen gewohnten Sitz am Schreibtisch ein, doch gleich darauf stand er wieder auf und schritt sinnend auf und nieder. Die Mittheilungcn des Freunde» hatten ihn mächtig erregt; wenn es wahr war, wenn Rosalie in Wirklichkeit in religiöser Beziehung leichtfettig war — sein Blut gcrielh in Wallung, als er sich diese Möglichkeit vergegenwärtigte. — (5c hatte zwar nie ein leichtfertiges Wort von ihr vernommen, und dennoch konnte er nicht behaupten, daß er ihr keines Zutrauen würde. — Er mußte sich Ueberzeugung schaffen, mußte sie prüfen — aber wie? — (Fortsetzung folgt.) .Der I»rarlit* erscheint wöchentlich zweimal» MoatagS und Donnerstags» jedr»««: in minfcfilenS 2 Bogen. Prri« bt* Jahrgang» für Te'urschland und Oesterreich 12 ReichL-Mark. für'» Ausland IS Man cfconnirt ganzjährig, halbjährig ofctr vittttljihrig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ftta Luchhanärk ju drsirhrn bti <£. $. Skrlnacker. ftipjig. Soßplätz 18. — Inserate 25 Pfennige dir drrigrspalkrne Petitzeile ober berr» Raum. — Orfterreichische Banknoten laut aourS. — Durrre franco Zusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Lesterreich 14 RrichS-Mark ober 8 fl. österr., für'» Ausland I« Reichs-Mart an die vrsediUon ftanco «njufmbau Inhalt (Hasptdlalt): Leitend« Artikel: Tie Sprüche der Bärer. — eine Menachenr-Berrachrung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Tenrichlanb: Mainz. Hisnngrn. Aschasfenburg. Frankfurt a. M. Pose». — Tester«. - Ungar. Monarchie: Lmak Wien. Agranr. — Sorten: Saida. — Feuilleton: Tie eonvrrritra. — Inhalt der Beilage: Leitender Anikcl: Tie staatsbürgerliche Elcichberechtigung in Vünremberg. — ZeirungLnachrichrea und Lorrespondenzen: Deutschland: sreresheim. Berlin. Unrerelfaß. — Testrrr--Unzar. Monarchie: Lien. — Verantwortliche Ätbatlüm: Dr. Lehmann in Mainz. — Eppedirron de» .ISraelir» große Bleiche Nr.4L. Truck und Bcrlag so» O»car Lehmann in Mainz. (Hierzu zwei Beilagen.)