Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 58 (28.7.1887)
- Date
- 1887-07-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Tcr Lchrstofl imd das Lchrzicl des jüdischen Rcligionsnatmichts an Gymnasien und höheren Lehranstalten überhaupt. Dortrag beS Lehrers I. Oppenheim;u Varburg (Vrsivhalen) auf brr am 3!. Mai und 1. Juni 193?;»<Ftefdi> abgehalten« lenseren; iSraelirischer Lehrer Rheinlands nnd VestphalenS. *^Xie Thalsache, daß an nicdern und böhcrn Lehr» anfialtcii aller C'onfcffioucn der Ncligionsun- O lcrrichl unter den lliitcrridtitröicciplincti die erste Stellung c'miiiittmt, enthebt mich der Rothwendigleit, über die hohe Bedeutung des Religionsunterrichts überhaupt zu sprechen. Die Wichtigkeit des jüd. NeligionSunterrtchsS an h ö hc rn Lehranstalten jedoch wächst mit der immer größer werdenden Frequenz dieser Anstalt seitens jüd. Schüler, indem seit UO Jahren in Städten und Städtchen, ja selbst in Dörfern, die jüd. Jugend bis auf einen verschwindenden Prozentsatz ihre Bildung in diesen Anstalten sucht. Je größer aber diese Frequenz. desto größer die Pflicht, für einen guten Religionsuntcrricht an diesen Anstalten alle m v g l i ch c F ü r sorg e zn treffen. Bei der herrschend gewordenen Strömung ist ohne diese Fürsorge die Zukunft dcS Judcnthums noch weit mehr als bisher gefährdet. Lei den vielen weltlichen Fächern, welche den jungen Weift des jüdischen Wnmnasial - nud Realschülers unausgesetzt beschäftigen, bei dem achtnnd neunjährigen Verkehr mit Lehrern und Schülern anderer (sonsessioncn, bei der in den Fanrilien imnier mehr schwindenden religiösen Pflege, ginge die hcratttvachscndc jüdische Jugend nnd damit der Ment unseres Volkes dem Jndcnihum verloren, wenn dieser Religionsnntcricht scitctis derer, die dazu berufen sind, nicht die vollste Würdigung nnd höchste Beachtung fände. Dieser Zweig jüdischer Wrzichutig hat dcßhalb in den letzten zwei Dezennien das Nachdenken jüdischer Schnlmänt'.cr vielfach beschäftigt; doch wegen der Renheit dieses Unterrichts, wegen der geringen Stundenzahl, die dafür angcsctzt ist, und wegen der verschiedenen Standpunkte, welche die Rabbincn utrd Lehrer cinnehtncn, ist das Rechte bisher noch nicht getroffen worden. Nicht allein, daß •) Arrmerlupg brr iH f b s f t i o n. Vriber haben wir noch kein isiaelinsches e^vinnanum. rür welckes dcr wnemarirchc otetigiansunrerrichr in der an btmitlbtn;u Itbrtnfctn btbv. liccii'linat unuördig wäre. Ü*is jeft wurde dcr Religion-»- unrerrickr an Köderen ^hraniratren oft obne jeden 'plan in'S ^'!aue bincin rrrhcür. Tic bicr folgende Arbeit befahr sich mir dem isr. Religionsunrerrichr an den naarlicdcn dcHerrn Lchrannaireu. oliv nicht mir unseren Idealinsrirurcn. sondern sie reckner mn dem L-ordandencn und gidr jo brauchbare nnd pratrttcbe E-orichtäge nnd Vinte, daß wir. wrnn wir auch nichr mir Äilrm, was der grehne Herr 5ersas>rr >ci>reid!, einoernanden »rnd. doch nichr Anhand nahmen, dir Arbeit;u dringen. ein Normalplan noch nicht zu Stande gekommen ist» sondern ein Lehrplan überhaupt existirt noch nicht. Win diesbezüglicher Entwurf vom Rabbiner Caro gibt tun Andeutungen und überläßt die Schwierigkeiten dem Lehrer, schließt auch den Kcbr. Unterricht ans ttnd verweist ihn in die jüd. Gcmeindcschule. Ebensowenig ist ein ganz geeignetes Lehrbuch für diesen Zweck vorhanden, ttnd mit echt pädagogischem Blick har dcr Vorstand zu Wien diese Lücke erkannt, und rin.cn Preis für Herstellung eines solchen Buches ausgeschrieben. Mir wird es ntit meinem Lehrplan nicht besser ergehen. Wenn ich nun heute dennoch vor Ihnen erscheine, so gcschichts thctls, um milder ehrenvollen Ausgabe-zn entledigen, theilsindcr Honttung, daß auch Mängel und Verirrung bei attfrichtigctn Streben der guten Sache dienen. Ich habe wenigstens nach dem Rechten gestrebt. Nicht bloß der jüngere, attch der ältere Lehrer in in nicht geringer Verlegenheit, wenn er sich aus seiner Wctnciitdcschulstube in die Räume eines Gymttasiakgcbättdcs versetzt sieht und anstatt dcr an ihn gewohnten 'jünger» Minder, Tertianer, Sekundaner und Primaner unterrichten soll. Alles imponirt ihm und von allem läßt er sich intponiren, während er selbst doch erst reckt intponiren muß. wenn er Autorität gewinnen und wahren will. Wenn mau aber nickt weiß, was und wo utan beginnen, welchen Utttcr-ricktsnoff man wählen, was man in höheren Elagen betreiben, welche Lehrbücher man einführe» will, so kontmt man mit einer Unsicherheit und Zaghaftigkeit. wclcke die Autorität gleich z». Anfang untergräbt. Tcr Lehrer muß sich seiner Ausgabe und seines Zieles vollbewußt und über Wahl der Nnterrichtsstone, Vcrthcilung.und Behandlung derselben ganz uril sich einig sein, wenn er von seiner Stellung.und von seiner Wirksamkeit ein gesegnetes Resultat erwarten will. Mein Lehrplan soll ihm zn Hilfe kommen ttnd ihm meine, wenn auch nicht ganz bcsriedigende Rathschläge crtheilen und ihm I. bet der Elancncombination, II. bei der Auswahl der Lehrfächer, III. bei dcnt Umfang und Ziele dieser Fächer. IV. bet der Verthcilung aus die Elasten und Jahrgänge und V. bei dcr Behandlung der einzelnen Fächer an die Hand gehen. Dem erfahrenen Lehrer soll meine