Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 58 (28.7.1887)
- Date
- 1887-07-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1059 3 ■i -J| ihre Kinder zur Schule schicken, so hätten sie ihre Pflicht acthan; weit entfernt. Sie gleichen dem Z Unvernünftigen, der ein Kind in ein schwankendes, | gebrechliches kleines Fahrzeug setzt, ihm das Ruder in die Hand drückt, das Fahrzeug vom Ufer ab» flößt hinaus in den brandenden, wogenden Occan. Das Fahrzeug wird und muß bald zerschellen, der Insaffe umergchcn. Gebt Euren Kindern kundige Steuerleute mit in den Occan des Lebens, wenn sie denselben unversehrt durchschiffen sollen; Steuerleute, auf die man sich verlassen kann, eine keusche, | reine, streng-israelitische häusliche Erziehung. Auch J heute hat der Vater tagsüber zu kämpfen; der f Kampf erstreckt sich jedoch nur auf den Erwerb; | Leben und Eigcnthum schützt der Staat, dcffcn j wohlthätige Gesetze wir genießen; wie anders hatten | unsere Voreltern tagsüber zu kämpfen! Tie Len- | den umgürtct, den Stab in der Hand! Unser Kampf | um den Erwerb ist jedoch ein schwererer geworden, j well unsere Ansprüche an das Leben größer ged worden sind. Wie die Ansprüche an das Leben wachsen, so verringert sich die Zeit, welche die I Eltern ihren Kindern widmen können. Die Nacht ■3 wird nicht mehr dem Thorastudium, sondern dem \ Kaffee- oder Gaflbause, wenn nicht noch Scklim- J Hierein geweiht. Ucbcr die Gebote unserer heiligen J Lehre setzt man sich einfach hinweg, und Beispiel | und Gewöhnung verderben die Zugend unserer Zeit. | Ist das eheliche Leben unserer Zeit noch so rein, | wie die heilige Thora cs verlangt-! Werden alle f die Ncinhcilsgesctze unserer Lehre so senipulös be-! 4 obachtet wie früher? Gebe jeder Mann, jede Frau! I sich selbst Antwort darauf, und kann jedes mit j | ruhigem Gewissen „ja" sagen, dann Heil ihm. Und 1 unsere Kinder? Sind wir ihnen noch das, was 1 unsere Eltern uns waren? Steckt nicht jetzt schon | in fast jedem Kinde eine Opposition gegen den cltcr- I lichcn Willen? Es ist diese Opposition ein Fehler i der Jetztzeit, die keine Autoritär anerkennen will, 4 sondern Selbstbestimmung von dem verlangt, der | deren nicht fähig, ist. Diesem Fehler verfällt die 1 isr. Erziehung, wenn die Elter» zu schwach sind, > •] ihre Autorität zu wahren und vom Humanitätsjj dusel unserer Zeit angehaucht, alle thörichtcn Wünsche i % der Kinder, die sie erfüllen können, erfüllen, ihnen i | gleichsam Gleichberechtigung zuerkennen. Diese Glcich- \ bcrcchrigung jedoch zerstört jede Autorität. Die j I Eltern sollen über dem Kinde, nicht neben ihm j | flehen. Das Kind soll zu den Eltern hinauischen,? J es soll sehen, daß seine Eltern Muster treuer Pflicht-! \ erfüllung sind. Sind die heutigen Eltern das? Ach i I wie selten. Erfüllt jede Mutter die Pflichten, welche? | das Haus und ihre Kinder ihr auferlegen? Das wäre sehr unbequem; wozu auch? Man hat ja Dienst, boten zum Arbeiten, Dienstboten, die Kinder zu deaufflchtigcn. — Arme Mutter, ärmere Kinder, ärmstcr Mann! — Ihr, die Ihr bestimmt seid, eine Fa* milie, eine Gottesgemcinschaft zu bilden, Ihr bleibt Euch ewig fremd. Ihr Eltern sehet nicht, wie das Herz Eurer Kinder in Sehnsucht nach Eurer Liebe verschmachtet! Ihr Kinder erhaltet nicht jcnesGottcsgescheut der Liebe von Euren Eltern, jener Liebe, die Welten versetzen kann, die Alles vermag; was man Euch an deren Stelle reicht ist Gift, das langsam aber sicher tödtende Gift der Eitelkeit, deS Neides, der Selbstsucht und des Leichtsinns. Die Mädchen unserer Zeit sehen ihr höchstes Ziel in der Befriedigung ihrer Putzsucht, im Genüsse aller sinnlichen Vergnügungen; sie dünken sich zu hoch, der Mutter in der Erfüllung häuslicher Pflichten zu helfen; Besen und Eimer jagen ihnen Schrecken ein: sic stndircn lieber die Milchstraße am Himmel in mondheller Nacht, als daß sic die Milchstraße vom Tische abwischcn. Und unsere Knaben? Gibt eS nicht Väter, die ihre Kinder nur des Nachts schlasend im Bett scheu? Jene sorgende Liebe, die auS übergroßer Sorge den Knaben keinem Fremden überließ, sondern selbst dcffcn Studium leitete und überwachte, ist selten. Man schickt den Knaben zur Schule, hält ihm, wen» man. in der Lage ist. noch einen Hauslehrer und wähnt, damit seine Pflicht gcrhan zu haben. Ter Vater sicht jedes halbe Jahr das Zeugniß und spricht seine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit den Leistungen seines Sohnes ans. Wie fremd stehen sich Eltern und Kinder einander gegenüber! Und der Sabbat? Dieses wichtige Moment der häuslichen Erziehung? Es ist hier nicht der Ort, darüber zu lamentiren, daß derselbe bei so vielen Familien ein seltener Gast geworden ist, nur eines wollen wir erwähnen: Mit jedem Stück des Sabbats, das aus der iSr. Familie entfernt wird, geht ein Stück der häuslichen Erziehung zu Grunde, werden die Kinder weiter in die brausenden Wogen gestoßen der großen Klippe, die man Leben nennt. Wie viele scheitern daran! wie viele gehen daran unter, gehen unter, weil sie keine richtige Erziehung im Hause genossen, weil sie kein wahres isr. Familiculcben gekannt haben! die Jugend schwindet rasch und keine Macht der Welt kann sie, die entschwundene, znrückbringcn. Sie ist die Zeit der Aussaat; das Kindeshcrz ist der Acker, die Familie der Säcmann. Darum Israel kehre um; entferne alle jenen bösen Geister aus Deiner Mitte; laß Deine Familie so rein sein, daß Dein Tisch ein Altar Gottes. Tu selbst aber ein Priester des höchsten Gott seiest. (Fortsetzung folgt.)