Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 58 (28.7.1887)
- Date
- 1887-07-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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darauf vorbereitet sein, verjagt und vertrieben zu werden. Nicht bloS Leben und Eigenthum, auch das jüdische Schristthum, die heiligsten, geistigen und fittlickcu SchÜve des Volkes schwebten in Gefahr. Die Verkümmerung und Verwahrlosung der Juden «ahm immer mehr'zu. Trotzdem bewährte sich in dieser Zeit die hohe sittliche Macht und Gewalt des Iudenthums. welches seine Lckenner trotz aller Verlockungen und Verführungen vor Entsittlichung schützte. Tie Reinheit ihres Familienlebens, ihre Hingebung für das Edle, ihre herzliche Theilnahme am Unglück Anderer trotz der eigenen Leiden, das Streben, ihren Geist auszubilden und das Glück in sich und der Familie zu suchen, anstatt es draußen in eitlem Flitterschein finden zu w oll en, sind das Produkt aus den Factoren: häusliche Erziehung und öffentlicher Druck. Wie herrlich, wie gut must die häusliche Erziehung in unserem Volke in jener Zeit gewesen sein, daß sie solche Früchte zeitigen konnte! Wie kleinlich, wie gcringwcrthig ist die häusliche Erziehung unserer Zeit im Vergleiche mit jener! Von jeher hat Israel seinen Stolz in der Reinheit seines Familienlebens gesehen. Tie hohe sittliche Kraft unsere» Glaubens und der Erziehung im Glauben, der häuslichen Erziehung, dokumenlirte sich in der Reinheit deS isr. Familienleben». Schon ein Bileam mußte beim Anblick des jüdischen Familienlebens in die Herrlichen Worte ausbrechen: bnr* 72:2 :rc 2p;- i^ns 122 ro Eine Erziehung in der Schule, eine öffentliche Erziehung gab cs in jenerZeit nicht, dasHauS allein und imHause die Mutter hauptsächlich, das waren die Erzieher. Ter Barer selbst hatte tagsüber schwer zu kämpfen um sei» Eigentkum: die Nacht war dem Studium gewidmet. Tie gewissenhafteste Beobachtung der Gesetze und Vorschriften unserer heiligen Lehre, da» war das, tvodurch nufere heutige Pädagogik ihr Ziel zu erreichen sucht, das war Beispiel und Gewöhnung zugleich. Alle die epochemachenden Gedanken der modernen Pädagogik übte Israel unbewußt von Alters her. Tie Reinheit des Familienlebens zeigte sich in der Reinheit und Keuschheit deS ehelichen Lebens, in der Autorität der Eltern über ihre Kinder, selbst wenn diese längst erwachsen und selbständig waren. Ter Wille der Eltern war ein Gesetz, denr sich jede» Kind bereitwilligst unterwerfen mußte. Tie Frau erfüllte ihre Pflichten im Hause selbst und überließ nicht deren Erfüllung, selbst wenn sie eS gekonnt hätte, ihren Tienstbotcn. Dadurch wurde das israelitische Mädchen angeleitet, seinen^ größten Stolz dann zu suchen, der Mutter eine Stütze zu sein und zu werden. Ter isr. Knabe sah, wie der Vater sich quälen mußte fm täglichen Erwerb, wie glücklich er war beim Thorastudiu» während der Nacht, und er selbst war glücklich, ba er sah, daß der ernste Mann sich mit ihm beschäftige. daß er ihm nicht zu gering sei, sich mit ihm zu beschäftigen, daß er durch Aufmerksamkeit dem Vater Freude bereite und so sehen wir, wie nach den schweren Mühen des Tages der Vater während der Nacht noch Lehrer feines Sohnes ist. Doppelte Ehrfurcht, zehnfache Liebe verbindet deshalb Elteni und Kinder jener Zeit. Und wenn der Sabbat herangenaht ist, dann ist der Bettler, der Geächtete, zum König geworden, Engel Gottes bedienen ihn, umschweben unsichtbar sein Hans. Frau und Kinder sind um den Tisch versammelt und merken auf die Belehrung des Vaters» kein Mißton stört die heilige Stille. Tie Familie ist von der Außenwelt abgeschlossen, kern unberufener und unlauterer Blick dringt in das Innere deS israelitischen Hauses, strenge abgesondert hält es sich für zu heilig, um für Fremde sichtbar zu sein, steht doch in seiner Mitte ein Tisch, der ein Gottcsaltar ist. Und drinnen? Und biinncn wallet Tie züchtige Haussrarr. ' Tie Mutter der minder. Und herrschet weise In, bäuSliche» Kreise Und lehret die Mädchen Und wehret den Knabe» Und regt ahn' Irnke Tie fleißige» Hände. Wie ist es heute? Ist unser Familienleben noch so heilig und rein wie in jenerZeit? Lodert auf dem Altäre des Hauses nur die Flamme des heiligen FeuerS der reinen Liebe zwischen Mann und Frau? Wird nicht oft fremdes Feuer auf dem Altäre deS häuslichen Glückes genährt, welches die Ruhe und den Frieden» daS Glück und die Zufriedenheit der Menschen, die für ein Lebm aneinander gesellen sind, vernichtet? Was ist aus der häuslichen Erziehung geworden? Eine Null, noch weniger als dieses, da die häusliche Zucht, von Erziehung ist oft keine Rede, der Erziehung durch die Schule entgegenarbeitet. Unsere Zeit hat öffentliche Schulen, welche einen Thcil der Erziehung dem Ettcruhairse abnehmen sollten. Aber unsere ömntlichea Sckulcn müllen so hohen Werth aus die Aneignung positiver Kenntich?e seiten» ihrer Schüler legen, deren Erwerbung durch Eramina constatirt wird» daß das erziehliche Moment, vorüber keine Prüfung' dm Ausweis gibt, wenig oder gar nicht berücksichtigt werden kann. Tie Ettern meinen zwar, wenn sie