Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 58 (28.7.1887)
- Date
- 1887-07-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449755--26884-2516735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1045 es in allen Arten der Wohlthätigkeit ohne Aufsehen. Seit 1879 aber, seitdem der neue Artikel 7 beschccrt wurde, ist cS nothwendig geworden, sich den Beweis der „Nützlichkeit fürs Land" schwarz auf weiß, sowohl im Amtsblatt gedruckt, als auch im Original auf Miniftcrial- oder sonstiges Kanzleipapier geschrieben zu verschaffen. Es mutz daher gegeben werden, damit ganz Numänien den Namen des Gebers erfährt. Ter Nehmer schreibt und druckt dann unrrr — — droffen seine automatischen und gleichlautenden Danksagungen. Um aber diese erwünschten und doch zwecklosen Pcipierchcn zu erlangen, mutz man vernünftigerweise sich nu r' b e i m Gabencmpfänger nützlich machen, das ist nämlich die rumänische Negierung in ihren verschiedenen Abzweigungen, nicht etwa das rumänische Volk. Tankschrciben au Israeliten, weil sie eine Synagoge, eine israelitische Schule bedacht oder sich um die im Argen liegenden israelitischen Wohlthärigkeitsinstitute und sonstigen Angelegenheiten gekümmert hätten, habe ich noch nicht gelesen; auch nicht solche, von Ucberschweminuiigcn, Feucrsdrünstcn, Hagclschlägcn und dergleichen Borkommnissc allgemeiner Natur. Dagegen liest man, datz Israeliten Dorskirchcn und Schulen wieder aufbaucn und verschönern, datz sic christliche ohnehin gut sundirtc Krankenhäuser dotircn, welche israelitische Kranke nicht blos mit Worten, sondern geradezu mit Faustschlägcn und Schimpsreden zurückweisen, wie cs der Primararzt von Sankt Spiridon in Iaffu, Dr. Filipcscu in Piatra. Stoma» und Andere machen. Zuletzt sind cs lauter Tankschrciben für christliche Institutionen, welche der Staat vcrpsiichter ist zu unterhalten und zu versorgen, deren Ausgaben als Einnahmen in die Taschen der betreffenden Ncffonbcamtcn siictzcn, wenn die Ausgaben von Israeliten bestritten werden. Das ist der Kern der Sache! Während alle gebildeten Länder für die Bewilligung der Bürgercigenschast eine tadellose, unbescholtene Aufführung verlangen, ist diese Bedingung im ursprünglichen Kammer Projekt des Art. 7 von der Regieru ng gestrichen worden und sie behielt, wie man ja seitdem schon unzählig gesehen, mir Lorbcdachl die Forderung „nützlicher" Handlungen bei, die nur nach einer Seite hin geübt werden dürfen, um als wirklich nützlich angesehen zu werden. Nur dann ist man nützlich, wenn mau sich der Negierung und ihren Parteigängern gegenüber spendabel erweist, denn von der Nützlichkeit der Einführung von Industricen, Handel rc. sprechen andere Paragraphen des Art. 7; damit aber diese von israc-!! tisch er Seite nicht recht in Flutz kommen sollen, dafür sorgt die Regierung durch ihre „ökonomische n* Gesetze. Das ist ein ewiger verzaubetter Kreis, in dem man sich herumzubewegen hat, ohne Unterlatz, ohne Ausgang. Wie ich eS schon gesagt, kan» ich cs den rumänischen Israeliten nicht gerade verargen, datz sie ihre Wohlthatcn just in christliche Hände gelangen lassen, obwohl die israelitischen Institutionen und Personen eher bedürftig «nd würdig sind. Es ist ihnen eben durch de» Artikel 7 ein deutlicher Wink gegeben worden, in welcher Weise sic „in'S Himmelreich" d.h. in die rumänische Bürgerschaft hincingelangen könnten. Glaubt man aber, datz dieser verschlungene Weg endlich doch zum Ziele führt, so irrt man sich. Er bringt nur die Dankpapicrchcn ein, die sogar billiger sind als Orden. So mancher Israelit schon hat sein Naturalisarlousgesuch mit solchen und noch mehrwcnhigen Papieren belegt, aber er ist darum doch noch „Jude" geblieben, von dem man — noch recht viel „Nutzen" zu ziehen gewillt ist, well der Art. 7 in seinen verschicdcucn Absätzen ein viclartigcs Exploitirungsinittel ist.- Noch einer anderen Danksagung des rumänischen Ministeriums will ich heute Erwähnung tbun, weil sich daran eine andere interessante Belehrung knüpft. Es wird in derselben Nr. deS Amtsblattcs einem Herrn Adolf Grünberg in Iquique (Chile, Amerika) dafür gedankt, datz er durch Bei Mittelung eines Herrn S. Goldcnberg in G a l a y (Numänien), dem Nationalmuscum eine Schildkröte im Gewichte von 380 Kilo geschenkt hat. Hier ist natürlich nicht davon die Rede, datz Herr Grünberg für sein Geschenk oder Herr Goldenberg für die' Vermittelung destclbeu die Naturalisation erwartet, die übrigens viel eher zu erlangen ist, wenn die Petenten im Stande lvären, ihre Wohlthätigkcit aus sämmtliche Tcputirtcn und Senatoren auszudchncn. Herr Grünbcrg in Amerika ist jedoch offenbar rumänischer Unlerthan und als solcher hat man zu Zeilen ein Anliegen beim rumä» irischen Gesandten oder Konsul im Auslande, sei cs Patzwcchscl, sei cs Schutz, sei cs eine Privatangelegenheit in der Hcimath, zu deren Erledigung ' man den amtlichen Weg, das auswärtige Mruisterium. in Anspruch nehmen mutz. Wie grausam aber man selbst damit enttäuscht wird, sollen Sie bald erfahren. Ja der Nr. 285 der mir gleichzeitig mit dem Amtsblatt zugcgangcn rumänischen Zeitung „Lupta" finde ich eine Korrespondenz aus Konstantinopel, in welcher der nicht jüdische Schreiber sich über einen konkreten Fall auslätzt. „Im Jahre 1881", erzählt er, „wohnte in Sofia (Bulgarien) ein rn-