Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 57 (25.7.1887)
- Date
- 1887-07-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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■ff - “ v ’u' r - •>.?.<la^j-^;|. . .. :.CKv^W 1034 ten Saat einheimst, hat ihm klar gezeigt, daß es Wind gesäet hat. Tausende stehen fast ganz außerhalb des Judenthums, und sind doch im Goluß, empfinden es, daß sie im Goluß sind. Was die Refornssuden iu der langen Zeit mit all ihren »Vcrbesicrungen am Judenthnme" gewonnen haben, ist sehr zweifelhafter Natur: was sie aber verloren haben, das erkennt das einfachste Auge: Die Achtung vor ihrem Gotte und feinem Gesetze, die Achtung vor ihrer eigenen Nationalität und somit auch die Achtung vor sichsrldst. dasGlück und dieLcseligung, welche das Judenthum feinen treuen Bekenner« gewährt. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzeu. Deutschland. Wailinaeu (Baden). Gestatten Sie mir. das nachfolgende rntereffante pactum zu vcrösfentlichcn, wovon Schreiber Dieses Augenzeuge war. An dem Sterbelager eines schwerkranken, 77 jähr. ManneS stand der ehrwürdige und achtbare Bürger Jakob Weil, der Ältere, ein Greis v. 90 Jahren, wenigstens 3 volle Stunden und wehrte dem vor ihm liegenden Kranken die fliegen ad. ja, er machte ihm eine volle Stunde lang Gisüberschläge. Wer in der Nabe stand und es mit ansah, der wünschte sich, rin Bild hiervon zu besitzen, denn es wird wohl zu den größten Seltenheiten des menschlichen Gebens gehören, einen kerngesunden Greis, mit vollem Verstand . nahe an den hundert Jahren. in sehr vcrmögliche» Verhältnisse», als freiwilligen Krankenwärter vor einem Srcrbcudcn zu sehen, und Jeder in der Gemeinde hegt den Wunsch, daß Gott, der Allmächtige, diesen ehrwürdigen, achtbaren Greis iu Gesundheit auch das hundertste Lebensjahr erleben lassen möge, denn derselbe ist eine große Zierde unserer ganzen Gemeinde. Gr macht täglich Krankenbesuche, gehl in's Gotteshaus Morgens und Abends. Wer es mit ansichl, dem lacht das Herz. Inowrazlaw, 2l. Juli. Alle Bemühungen zur Ermittlung des Blörders des am 4. ds. Mts. in seiner Wohnung in Tremesseu ermordeten Kaufmanns Elias Strclitz haben bis jetzt noch zu keinem Resultate geführt: es erläßt jetzt die königliche Staatsanwaltschaft zu Gnesen eine Bekanntmachung, nach welcher von der königlichen Negierung auf die Ermittelung des Thäterr 300 Mark, und von der Familie deS Ermordeten 500 Mark Belohnung ausgesetzt sind. Der vermuthliche Mörder war etwa 25 Jahre alt. mittelgroß, gedrungen gebaut; er hatte ein auffallend aufgedunsenes, rundes Gesicht mit einer dicken Nase und war battlos. Bekleidet war derselbe mit einem grauen Jaquet und grauen Beinkleidern: er trug eine graue Schirmmütze und sühne einen bunten Krückstock, sowie ein rundes Packet in grauem Papier mit sich. Geraubt find gegen 500 Mark in baarcm Gelbe, welche der Er» mordcrte bei sich trug. — Hinsichtlich der Polen- Ausweisungen scheint in letzterer Zeit eine etwas mildere Praris in Anwendung gebracht za werde», da mehrere Ausweisungsbefehle bis auf Weiteres seitens des Dberpräsidiums zurückgenommen worden sind. So wurde der Frau und den Kindern eines vor längerer Zeit ausgewiefcnen Rabbiners aus Gollantsch, welche bereits an die russische Grenze transpottkrt waren, jedoch von der russischen Grenzbchorde zurückgewiescn worden sind, weil ein Knabe preußischer Gcbutt ist, und daher nach hier zurückkehren mußten, nunmehr aus ein diesbezügliches Gesuch gestattet, nach ihrem bisherigen Domizil zurückzukchrcn und dorr bis auf Weiteres Aufenthalt zu nehmen. Auch gegen den hier domizilirende» Schneider H. wurde der Ausweisungsbefehl zurückgenommen und ihm gestattet, bis auf Weiteres in der Stadt Posen zu wohnen. Schweiz. Airs der Schweiz, 22. Juli. Die schweizerischen Thicrschutzvereinc führen in denjenigen Kantonen, in welchen sich Israeliten befinden, einen lebhaften Kamps gegen das Schächten, dem sie de« Gharacrer der Thierquälcrci beimessen. Nachdem die Frage früher vielen Staub im Kanton Genf anfgcwirbclt hatte, beschäftigt sie jetzt die aargauische Bevölkerung und neuerdings ist sie bekanntlich auch an den Bundesrath herangctreten, der sie wegen mangelnder Kompetenz von sich ablehnte, wobei er der Ansicht Ausdruck gab, daß das Schächten keine Thierquäkerci sei. — Im Kanton Aargan gab es über den Gegenstand eine heiße Debatte im Großen Nach. Derselben war eine gerichtliche Entscheidung vorausgcgangen. Die Metzger von Baden waren vom Gerichte in zwei Instanzen wegen Verletzung des Gesetzes über Thierquälerei zu Geldbußen und Gcrichrskosten veruttheilt worden. Der Große Nath des Kanrons hatte sich mit einer Petition der Badener Israeliten zu beschäftigen. Die Petenten verlangten, daß die Erlaubnis zum Schächten, die. gesetzlich den jüdischen Gemeinden Lengna» H