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Der Israelit · 1887-07-25 · Heft 57 (25.7.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 57 (25.7.1887)
Date
1887-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1030 Dazu darf auch nicht vergessen werden, daß die Juden und die Mohamcdaner schon ihrer Abstammung nach Brüder sind, da Beide doch Abraham als ihren wirklichen Ahnherrn verehren.' Man weiß cs ober, daß die evangelischen Missionäre cs mit der Logik und der Wahrheit nicht allzu genau nehmen und so müssen wir ihnen auch die Verbreitung dieser falschen Nachrichten verzeihen. Die HungcrSnoth in Mesopotamien ist nunG. s. D, in der Abnahme begriffen und verdanken wir dies zumeist den großen Gctreidcmaffen, welche Sultan Abdul Hamid auf Kosten seiner Eivilliste ankaufcn mib unter die Armen unserer Provinz vertheilcn hatte lassen, und dann auch der eben begonnenen Ernte, die, wenn sie auch keine gesegnete sein, so doch die Getreidcprcise drücken helfen wird. Es hat sich jetzt abermals gezeigt, welch ein großes Unglück es für unsere Provinz, die doch von zwei großen Etrömcn cingcschlosscn ist, daß dieselben nur in ihrem unteren Laufe schiffbar sind. Könnten nämlich die Schiffe auf dem Euphrat bis Hillch und ans dem Tigris bis hiehcr nach Mofful gehen, so könnte man c.ni cw leichter und billiger vom Meere her mit Getreide versorgen. Zur Schiffbarmachung dieser beiden Flüsse wäre indcß Geld, viel Geld nöthig, woran die Türkei jedoch stets Mangel leidet. Die chaldäifchcn Ehristcn feiern hier einen eigenen Fasttag, den sic buchstäblich: „Zorn (cs) Ninivch* nennen, und der zur Erinnerung an das Fasten des Propheten Jorras eingehalten wird. Heber diesen Fasttag werde ich Ihnen nächstens ausführlicher berichten. Die ßonverlttin. Don Friedrich Rott. (Fortsetzung.) 23. Kapitel. ES war am Sabbawormittag. In eleganter Morgentoilette lehnte Frau von Lilienfeld in der Ehaisclongue, in den neuesten Roman von Zola vertieft. Ihr gegenüber am offenen Fenster saß Rosalie gähnend im Schaukelfiuhl und blickte gelangweilt dem Fluge der Seemöven nach. „Das Bad wäre heute angenehm,- sagte sie nach längerem Schweigen, „die See ist heute mehr bewegt als in den jüngsten Tagen." Frau von Lilienfeld zuckte die Achseln, ohne sich in ihrer Lektüre zu unterbrechen. „Meinst Du wirklich, Mama, daß ich heute nicht baden soll?" ,.Liebes Kind," entgegnete Frau von Lilienfeld, indem sie das Buch sinken ließ, „wie ich darüber denke, das weißt Du. Ich persönlich lege auf all dergleichen wenig Werth; was ich in dieser Beziehung halte, halte ich zum weitaus größten Theil um des lieben Friedens willen, weil ich Aleranders rigorose Ansichten kenne. Wer mit ihm in Frieden leben will, muß sich nach seinen Ansichten richten." Rosalie preßte unnmthig die Lippe» aufeinander. „Was könnte ihm nun daran liegen, wenn ich heute baden würde?" „Thue was Du willst, ich muß es Dir jedoch entschieden widcrrathcn. Die Kinder haben ihn gefragt, ob sie am Sabbat baden dürfen und er hat eS ihnen entschieden verboten." „Dumme Kinder." grollte Rosalie. „was brauchen sie zu fragen? — Aber ich habe nicht geftagt, da brauche ich auch sein Verbot nicht zu kennen." „Die Kinder haben es Dir gestern gesagt." „Muß ich denn darauf hören, waS die Kinder mir sagen?" Frau von Lilienfeld zuckte abermals die Achseln. „Thue, was Du nicht lassen kannst: aber die Folgen hast Du auch Dir allein zuzufchreiben." „Na. meinethalben, so bade ich nicht, — aber langweilig isr'S heute — ganz enrfeplicd." — und abermals brach sie in ein kräftiges Gähnen ans. „Alle Welt ist jetzt am Strande." „Wenn Tn willst, gehen wir auch." „Tanke schön» damit mir beim Anblick der prächtigen Wellen das Herz noch mehr wehe thut." „Armes Kind," sagte Fran von Lilienfeld lächelnd, inoem sic ihre Lektüre wieder aufuahm. Ter llnmuth des jungen Mädchens steigerte sich von Minute zu Minute, was sollte sie nun beginnen? — Baden sollte sie nickt, spazierengchm wollte sie nicht» Klavienpielcu durfte sie auch nicht und lesen mochte sie nicht. — Es war zum Verzweifeln! — beständig im Schaukclstuhl sich wiegen, das konnte man ihr doch auch nicht zumurhen. — Acrgerlich sprang sie ans, und — das war doch endlich einmal eine gcscheidte Idee; hier im Zimmer konnte sie sich das wohl erlauben, ihre Schwieger«

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